Darf man als Laie in einer notmedizinischen Situation eine Spritze verabreichen?

5 Antworten

Hallo, 

dieses Szenario ist sehr hypothetisch. Grundsätzlich gibt es keine direkte gesetzliche Vorschrift, die das verbietet. Auf der anderen Seite werden diverse Straftatbestände erfüllt - im Rahmen einer Medikamentenapplikation die der Körperverletzung (hingegen wäre dies wieder mit dem mutmaßlichen Patientenwille gegenüber zustellen) und der Verstoß gegen das Arzneimittelgesetzes bzw. Betäubungsmittelgesetzes. 

Wie du bereits sagtest sollte man als Laie auf keinen Fall anfangen irgendwelche Medikamente zu applizieren, wo man nur eingeschränkt Ahnung von Wirkung, Nebenwirkung, Indikation und dem Weiteren Verlauf hat. Nicht umsonst stellt das Berufsbild des Rettungsdienstes und der des Arztes ein mitunter langjährige Ausbildung vor. 

Ein kleines Beispiel: Im Rahmen eines Status epilepticus wird häufig Lorazepam zur Durchbrechung der Krampfphase genommen. Ein GABA-Wiederaufnahmehemmer, wodurch die relative Konzentration erhöht und die Chlorid-Kanäle geöffnet werden. Unerwünschte Nebenwirkungen können (unter anderem) eine Atemdepression, Aspiration und Verlegung der Atemwege infolge eines erloschenen Mskeltonus sein. 

Es sind zwar seltene Nebenwirkungen, aber man muss mit denen rechnen und entsprechend handeln können.

Wie würdest du dem ohne jegliches Material begegnen?

Es kann demnach zusammengefasst werden, dass der Patientenzusstand sich infolge der Behandlung verschlechtert hat. Das interessiert in der Regel häufig den Staatsanwalt. Als Nicht-Fachpersonal hat man häufig nicht die entsprechende Versicherung - ein Weiterer Punkt.

Die Polizei ist in deinem Szenario bereits vor Ort - diese wird dir zunächst die Frage stellen, wo du diese Medikamente her hast. Schlussendlich sind diese verschreibungspflichtig. Des Weiteren kann die vorgeschriebene Lagerung und Haltung der Medikamente nicht geprüft werden. 

Es gibt demnach sehr, sehr viele Faktoren die absolut gegen sprechen und vor allem eine rechtlich fragliche Legalität dieses Vorhaben offenlegen, auch wenn gut gemeint.

In solch einem Fall sollte sich auf die einfache Erste-Hilfe konzentriert und die Zeit bis zum Eintreffen des geschultem Personals gewartet werden. 

Der Fall ist durchaus hypotethisch (wegen dem vorhandenen Material). Ich mach mal einen anderen Fall auf. Angenommen man hat die Polizei, den Rettungsdienst informiert, um einen Ertrinkenden zu retten. Jetzt ist man selbst kein guter Schwimmer, aber man versucht dennoch durch den beherzten Sprung in das Wasser den Ertrinkenden zu retten. Leider kommt der Ertrinkende dennoch um. Wie würde ein Gericht urteilen?

Damit der Vergleich ein bisschen taugt, müsstest du sowas machen: Du bist zwar ein guter Schwimmer, aber du hast keine Ahnung vom Menschenretten. Darum ziehst du den Jungen und packst ihn bissl härter an, weil er sich aufgrund von Panik wehrt. Dabei erstickst du ihn leider.

Oder: Du erstickst ihn nicht, sondern brichst sein Genick. Hättest du gar nichts gemacht, wäre er kurz untergegangen und ohne Luft gewesen, wäre aber gerettet worden.

Laien-Notfallhilfe ist nicht nur erlaubt, sondern sogar gefordert. da wirds kaum einen erfolgreichen (Schadensersatz-)Kläger geben.

Einmal abgesehen davon, dass das von dir beschriebene Szenario sehr hypothetisch ist und ein Krampfanfall nur in den seltensten Fällen eine lebensbedrohliche Situation darstellt, gibt es in Deutschland kein Gesetz, das medizinischen Laien die Verabreichung von Medikamenten verbietet, egal, wie diese appliziert werden. Die Injektion eines Medikaments stellt jedoch formaljuristisch den Tatbestand der Körperverletzung dar, der jedoch nicht strafbewährt ist, sofern der Patient der Injektion zustimmt oder von der Zustimmung ausgegangen werden kann.

Es bleibt aber ein zivilrechtliches Risiko. Wer ein Medikament verabreicht, haftet für alle negativen Folgen - erst recht, wenn die Verabreichung nicht lege artis erfolgte.

In Österreich sieht das jedoch ganz anders aus. Wer dort als Nicht-Arzt eine ärztliche Maßnahme (z.B. Injektion, Anlegen einer Infusion etc.) durchführt, macht sich grundsätzlich strafbar. Dazu bedarf es noch nicht einmal einer Anzeige durch den Betroffenen, es genügt, wenn Polizei oder Staatsanwaltschaft davon Kenntnis erlangen (Offizialdelikt).

Besser kann man es nicht beantworten !!! Daumen hoch!

"..ein Krampfanfall nur in den seltensten Fällen eine lebensbedrohliche Situation darstellt"

Das würde ich nun nicht so sehen, zeigt mir aber,daß nicht vom "Fach" bist. Ansonsten einverstanden.

@RobbyKurz

Ich bin Facharzt, lange im Rettungsdienst tätig gewesen, tausende von Notfalleinsätzen gefahren und geflogen, unzählige Male auf Meldebild "Krampfanfall". Noch Fragen?

Soweit du ein zivilrechtliches Risiko anerkennst, bleibt aber nicht anderes übrig, als ebenso anzuerkennen: fahrlässigerweise kann durchaus auch Strafbarkeit in Betracht kommen. Wenn man wiederum die Fahrlässigkeit verneint, wird man je nach den genaueren Umständen auch zivilrechtlich zur Verneinung eines Schadensersatzanspruchs kommen.

Und nochmal: Besser kann man es nicht beantworten! Ich arbeite in einer Krampfanfallhochburg ! Hier hat man einen anderen Umgang mit Krampfanfällen, als in Städten, wo man so etwas nur zwei oder dreimal im Jahr fährt! Man kann aus jedem Krankheitsbild mit viel Fantasie ne Lebensgefahr konstruieren. Aber beim Krampfanfall. Entspannen, abwarten und ggf. Midazolam und die Sache läuft ohne Rea ab!!!Also ... glaub dem Onkel Dr. Snerefu (oder so) ruhig mal !!!😉

Wenn die Spritze wirklich hilft, ist alles Gut. Wenn nicht, hast Du ein Riesen Problem. Ich möchte nicht, das mir ein Nichtmediziner, irgend etwas Spritzt.

Die Polizei würde dich eher fragen aus welchen illegalen Quellen du verschreibungspflichtige Medikamente hast und  die Spritzen. Auch ob die Vorschriftsmässig gelagert wurden ist fraglich.

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