Woher kommt Stottern?

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Die Ursache für das Stottern ist derzeit unbekannt. Es gilt aber als sicher, daß Stotternde ansonsten volkommen normale Menschen sind - mit all den positiven und negativen Eigenschaften, die andere Menschen auch besitzen. Stottern muß nicht unbedingt vererbbar sein. Seien Sie aber nicht überrascht, wenn sich in den Familien Stotternder auch Personen mit Sprachstörungen befinden, die durchaus anderer Natur sein können. Die Wissenschaftler sprechen hierbei von einem familiären Sprachschwächetypus. Stottern ist ein vielschichtiges Phänomen und tritt bei jeder betroffenen Person unterschiedlich auf.

Stottern ist derzeit im medizinischen Sinne nicht heilbar, es kann jedoch viel unternommen werden! Aktuelle Forschungsergebnisse haben ergeben, daß neurologische Komponenten scheinbar einen wichtigen Anteil am Stottern besitzen.

Deine Frage ist natürlich mehrdeutig.

Erstens: Man kann sich fragen, welche Menschen von der Störung betroffen sind.

Antwort: Die Wahrscheinlichkeit ist höher, wenn man männlich ist, ein Kind ist und einen Blutsverwandten hat, der ebenfalls stottert oder gestottert hat. Die Chancen sind ebenfalls erheblich höher, wenn man einen bestimmten defizitären Teil des Gehirnes hat (linksseitiges Rolandisches Operculum). Auch psychosoziale Umwelteinflüsse scheinen eine Rolle zu spielen. Einen Bezug zu bestimmten Persönlichkeitstypen scheint es nicht zu geben, d.h. die meisten spontanen Zuordnungen von Laien (nervös, angespannt, überkontrolliert, unterkontrolliert, sozial unangepasst, faul, leistungsorientiert) mögen zwar auf einen Menschen, der stottert, zutreffen, haben aber mit Stottern ursächlich nichts zu tun, sondern sind eher eine Folge des Stotterns.

Zweitens: Man kann sich fragen, was eigentlich bei einem "Stotterereignis" (volkstümlich "Block") passiert.

Antwort: Das Stotterereignis enthält immer eine bestimmte Art von Kontrollverlust, d.h. einen Zusammenbruch der Steuerung der Sprechbewegungen, die für flüssiges Sprechen erforderlich sind. Diese Zusammenbrücke können sich an unterschiedlichen Stellen der Sprechbewegung zeigen, sind aber oft vom Zuhörer nicht direkt beobachtbar. Der größte Teil der beobachtbaren Abnormität erscheint in Form von Stotterreaktionen, d.h. von Reaktionen, die dazu diesen, den Kontrollverlust zu überwinden. Dazu gehören die Wiederholung von Wörtern / Silben / Lauten, Mitbewegenden des Körpers, insbesondere der Gliedmaßen, Anstrengungsreaktionen wie erhöhter Druck im Mund- und Kehlbereich oder Grimassen (Verzerrung der Gesichtsmuskulatur). Wichtig ist, dass der Stotterer oft kurz vorher "weiß", dass er bei einem Wort stottern wird, aber nicht immer. Manche Blocks kommen auch unvorhergesehen. Beim Produzieren von Stotterreaktionen geht es immer darum, das betreffende Wort oder, wenn das angesprochene Vorwissen (Antizipation) da ist, das nächste Wort herauszubringen. Der Stotterer weiß übrigens in fast allen Fällen (es gibt Ausnahmen, aber extrem wenige), welches Wort er sagen will. Laien denken oft, dem Stotterer "fehlen die Worte". Aber so ist es nicht.

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