Wo beginnt eigentlich übertriebene Hygiene?

2 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Da hast Du vollkommen Recht. Häufig wird es mit dem Putzen, Duschen etc. so übertrieben, dass es mehr schadet als nützt.

Das wird in einem Artikel ganz gut zusammengefasst:

"Heutzutage verfügen wir über ein ganzes Waffenarsenal gegen Schmutz und Bakterien.

Die Spanne reicht vom Allzweckreiniger bis zum hin zum Spezialbakterienkiller. Dabei genügen für einen normalen Hausputz harmlose und wirksame Reiniger wie Essig, Spülmittel und/oder Neutralseife völlig.

Vor allem antibakterielle Produkte wirken nicht besser als herkömmliche Reiniger.

Untersuchungen haben ergeben, dass sie Bakterien gar nicht oder nur für kurze Zeit verschwinden lassen. Stattdessen fördern sie aber die Entstehung von Allergien, schwächen das menschliche Immunsystem und belasten außerdem die Umwelt.

Das gilt erst recht für Desinfektionsmittel. Desinfektionsmaßnahmen im Bad- und Sanitärbereich sind nicht nur überflüssig, sondern sogar schädlich.

Eine Desinfektion im Haushalt ist vergleichbar mit dem Einsatz von Insektiziden, Pestiziden und Fungiziden in der Landwirtschaft.

Desinfektionsmittel vernichten vielmehr die für unser Leben nützlichen Mikroorganismen, führen zu Resistenzen bei krankheitsverursachenden Bakterien und können damit das menschliche Immunsystem schwächen, da es ohne Bakterien nicht ausreichend stimuliert wird.

Viele desinfizierende Mittel enthalten zudem Stoffe, die dem Menschen gefährlich werden können: Triclosan zum Beispiel kann über die Haut aufgenommen werden und in den Entgiftungsstoffwechsel der Leber eingreifen.

Benzalkoniumchlorid, ein desinfizierender Zusatzstoff, gilt als allergieauslösend. Aus Natriumhypochlorid, einer Substanz die in vielen Reinigern zu finden ist, wird Chlor freigesetzt. Das wiederum kann Haut und Schleimhäute reizen.

Nur in Ausnahmefällen (z. B. bei ansteckenden Magen-Darm-Erkrankungen) sollte der eventuelle Einsatz von Desinfektionsmitteln mit dem Gesundheitsamt oder dem Hausarzt besprochen werden.

Auf der heimischen Toilette ist die Angst vor Ansteckungen unbegründet, denn Krankheitserreger gehen außerhalb des Körpers schnell zugrunde.

Essigreiniger oder Zitronensäure zur Badreinigung genügen vollkommen, um ein Frischegefühl ins Örtchen zu zaubern. Auch die Umwelt wird uns den zurückhaltenden Einsatz aggressiver Putzmittel danken.

Auch in der Körperhygiene wird oft zu viel des Guten getan.

Denn die Keime, unsere so genannte Hautflora, sind nicht nur harmlose Nutznießer, sondern schützen vielmehr vor Infektionen, indem sie mögliche Angriffspunkte für Krankheitskeime blockieren.

Das sensible Gleichgewicht unserer Haut- und Schleimhautflora wird durch übertriebene Hygiene leicht gestört."

(ausführlich: http://www.medizinauskunft.de/artikel/wohlfuehlen/wellness/17_11_zuviel_hygiene.php)

Übertriebene Hygiene beginnt meiner Ansicht nach da, wo man mit normalen Putzmitteln nicht mehr auskommt, sondern anschließend noch desinfizieren muß. Werden jedoch alle Keime in meiner Umgegend abgetötet, wie kann dann mein Immunsystem auf Dauer noch funktionieren, wenn es doch nie gefordert wird? Zuviel Hygiene ist ungesund. Es genügt Händewaschen und Putzen im ganz normalen Rahmen. Auch Kochwäsche würde ich nicht unbedingt empfehlen. Wer hat schon so viele Keime in der Wäsche, daß er sie kochen muß? Allenfalls der/die Schwerkranke. Und das sind dann ja Ausnahmefälle. Immer schön den Mittelweg gehen. Dann liegt man richtig.

Was möchtest Du wissen?