Windpocken - Gürtelrose

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Die Gürtelrose ist eine lokale Reaktivierung der Windpocken. Eine Gürtelrose ohne vorherige Windpocken geht nicht. Der Erreger ist demnach auch der Gleiche (Varizella-Zoster-Virus VZV).

Pathophysiologisch kommt es im Verlauf der Windpockenerkrankung dazu, dass Viren in den Nervenzellen, die die Empfindungsreize übertragen, rückenmarksnah verbleiben ("überleben"). Bei einer Schwächung des Immunsystems (infolge anderer Erkrankungen, Glucokortikoideinnahme usw.) können diese Viren in den Nervenzellen in die entsprechend versorgten Hautareale wandern und dort lokal ein windpockenähnliches Bild hervorrufen.

Wenn man die Windpocken hatte, kann man sich nicht an einer Gürtelrose infizieren, da man eine bleibende Immunität hat. Hatte man keine Windpocken, so ist es möglich, sich bei einem Menschen mit Gürtelrose zu infizieren (der Blässcheninhalt enthält Viren). Gefürchtet sind bei der Gürtelrose weniger die Hauterscheinungen als die Schmerzen in diesem Bereich, die nicht selten vorausgehen. Es gibt gegen das VZV wirksame Virostatika.

Hierzu noch eine ergänzende Frage. Meine Mutter war vor Jahren an einer Gesichtsrose erkrankt, die doch ebenfalls den Zoster-Virus als Auslöser hat. Da ich mich damals intensiv mit ihrer Pflege beschäftigte, hatte ich logischerweise auch viel näheren Kontakt mit ihr. Damals erkrankte ich aber nicht am Zoster-Virus.

Warum dann aber Jahre später als ich mit meiner an Gürtelrose erkrankten Freundin in Kontakt kam?

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@Xundsama

Nochmal: Die Zweiterkrankung "Gürtelrose" ist keine erneute Infektion durch erneuten Kontakt mit dem Virus, sondern sozusagen ein umschriebenes Wideraufflackern der eigenen Windpockenerkrankung. Dass Sie bei der Pflege Ihrer an Gürtelrose erkrankten Freundin auch eine Gürtelrose entwickelt haben war reiner Zufall. Sie können auch weiterhin Menschen mit Gürtelrose oder Windpocken pflegen, Sie können sich nicht erneut infizieren, da Sie durch Ihre Windpockenerkrankung (vermutlich in der Kindheit) eine Immunität haben.

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@GeraldF

@GeraldF: Danke für Ihre Antwort! Ich verstehe nur nicht, wieso ich durch die Windpockenerkrankung in meiner Kindheit eine Immunität habe, es andererseits aber wieder heißt, dass diejenigen, die in ihrer Kindheit eine Windpockenerkrankung hatten auch leichter an Gürtelrose erkranken.

Dann müßten doch eigentlich alle, die in ihrer Kindheit eine Windpockenerkrankung durchgemacht haben letztlich immun sein gegen das Zostervirus.

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@Xundsama

Ja und Nein. Erreger, die innerhalb einer Körperzelle verweilen (VZV, aber auch Tuberkelbazillen, HIV, Malariaerreger, usw.) können sich dem Immusystem entziehen - sie verstecken sich gleichsam in bestimmten Zellen unseres Körpers. Das Immunsystem dämmt sie dort ein. Ist das Immunsystem geschwächt, so können sie sich wieder ausbreiten.

Alle, die eine Windpockenerkrankung durchgemacht haben (oder die Impfung) sind immun dagegen. Von außen, also über Schleimhaut - Lymphe - Blut kann es nicht zu einer erneuten Infektion kommen. Die Immunität schützt auch vor einem erneuten Ausbruch der Varizellen am gesamten Körper, aber eben bei entsprechender Schwächung ist eine kleinflächige Reaktivierung möglich.

VZV-geimpfte können natürlich keine Gürtelrose entwickeln, da hier keine Viren in den Ganglien persistieren.

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Ich habe in den "Antworten" immer nur allgemein von der Gürtelrose gelesen. Nun möchte ich aber noch hinzufügen, daß man die Gürtelrose auch an anderen Stellen bekommen kann, auch ausgelöst durch Streß und Ähnlichem. Außerdem sollte man vielleicht genauer darauf achten, ob es bei denen, die noch keine Windpocken hatten, wirklich eine Gürtelrose ist oder nicht doch verspätete Windpocken. Das gibt es nämlich auch häufig. Die Gürtelrose kann man auf dem Kopf und auch im Genitalbereich bekommen. Ich hatte vor 3 Jahren eine Kopfgürtelrose, und hatte erst an einen Mückenstich über der linken Augenbraue gedacht. Leider wurde es immer mehr und das Jucken und die Kopfschmerzen zogen sich über die gesamte linke Kopfhälfte. Nach dem Aufsuchen eines Hautarztes wußte ich, daß sich genau dort der Trigeminus-Nerv befindet. Nach medizinischer Versorgung gab er mir noch den guten Rat, bei hohen Temperaturen nicht ohne Kopfbedeckung in die Sonne zu gehen, sonst sind die Kopfschmerzen vorprogrammiert. Und da helfen als Tabletten dann "neuro.......", keine ASS und keine IBU

Es sind die selben Erreger, die Windpocken und auch die Gürtelrose hervorrufen. Der Virus, der die beiden Erkrankungen auslöst, bleibt eigentlich zeitlebens im Körper und kann von Zeit zu Zeit wieder aktiv werden. Das ist der Grund, warum manche Menschen nach einer Windpockenerkrankung noch an einer Gürtelrose erkranken.

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