Frage von IsabelleM, 22

Wie psychotischem Opa helfen?

Hallo! Meine Familie hat momentan mit einer sehr schweren Situation zu kämpfen, ich hoffe ihr könnt mir helfen!

Mein Uhropa hat mit einer Gürtelrose am Kopf ziemlich heftigen Psychose zu kämpfen. Er war früher Soldat im Krieg und erleidet nun im hohen Alter unter Verfolgungswahn. Diese werden durch die starke Medikation wegen der Gürtelrose evtl. verstärkt.

Er fühlt sich in seiner Wohnung nicht sicher, er glaubt seine Nachbarn wöllten ihn etwas Schlimmes antun. Sie schießen Mit Schusswaffen in seinen Kamin und brechen in seine Wohnung ein, singen Nazi-Lieder (und vieles mehr). Das ist natürlich nicht wahr... Aber er ist zu 100% davon überzeugt und lässt sich auch nicht beruhigen. Sobald er seine Wohnung betritt ist er ein sehr paranoider und verstörter Mensch. Teilweise wird er auch aggressiv , wenn wir versuchen ihm zu vermitteln, dass er sich das nur einbildet. Er hat momentan 4 Schlösser an seiner Tür, die mein Opa auf den Wunsch meines Uhropas oft auswechseln muss.

Seine Frau starb sehr früh und meine Oma und mein Opa kümmern sich hauptsächlich um ihn. Ich weiß meine Oma (seine Tochter) trifft es sehr schwer ihn so zu sehen, da sie ihm nicht helfen können. Denn das ist das Problem: Wenn er seine Ärztin besucht, ist er wie ausgewechselt. Er denkt viel klarer und wirkt nicht paranoid oÄ. Er kauft sich selbst zu Essen ein und kann alleine für sich sorgen. Die Ärztin sieht keinen Grund (auch nach dem Gespräch mit meinen Großeltern) ihn in ein Altenheim zu schicken. Auch die Altenheime können ihn nicht aufnehmen, wenn er bei vollem Bewusstsein ist und sich gegen den Aufenthalt dort entscheidet.

Doch nur dort würde evtl jemand wissen, wie man ihm helfen kann. Ich merke, dass meine Oma immer mehr daran zerbricht... Sie hat versucht ihn davon zu überzeugen, in ein Altenheim zu gehen und er sackte in sich zusammen und antwortete ihr, wenn sie nicht seine Tochter wäre , würde er ihr in die Fresse schlagen. Ich glaube so etwas in so einer Situation zu hören... ich kann mir nicht vorstellen wie schrecklich das ist. Meine Oma wartet nur auf einen Vorfall (Dieser müsste aufzeigen, dass er eine Gefahr für sich oder andere darstellt), indem bewiesen wird , dass er eben doch die Hilfe braucht, die ihm in einem Altenheim gegeben werden kann. Es gibt ja auch extra Altenheime die sich auf paranoide Patienten konzentrieren. Jedoch glaube ich, dass die Situation so belastend ist, dass es unmöglich ist auf so einen Vorfall zu warten... Davon abgesehen, dass dieser Vorfall schlimme Folgen haben könnte.

Ich mache mir sowohl um meinen Uhropa als auch meine Oma sehr große Sorgen. Ich glaube auch nicht , dass diese Situation sehr viel länger aushaltbar ist. Deswegen bitte ich um eure Hilfe ! Kennt sich jemand mit diesem Thema aus und kann mir sagen, was man tuen kann? Dankeschön

Antwort
von Winherby, 15

Gegen die Gürtelrose hilft die Blutegel-Therapie sehr gut. Das wäre mal einen Versuch wert, damit er von den starken Medikamenten runterkommt. Vielleicht hast Du ja mit Deiner Vermutung recht, und die Nebenwirkung auf seine Psyche lässt nach und die Situation bessert sich wieder. 

Es hört sich für mich so an, als ob der Uropa einen gewissen Grad an Altersdemenz erreicht hat, das erkennt man an den Phasen wo sich die alten Leutchen an alles in ihrer Kindheit erinnern, sich aber nicht mehr die jetzige Uhrzeit merken können. Da kommen dann so furchtbare Erinnerungen hoch an Erlebnisse während des Krieges. Womöglich hat er diese Dinge so, oder so ähnlich, erlebt, wovor er sich jetzt in seinen vier Wänden fürchtet.

Ansonsten gehört Dein Uropa (war er von Beruf Uhrmacher, oder warum schreibst Du Uhropa?) ,... also gehört der Uropa in psychiatrische Behandlung. Wenn er allerdings beim Thema Altenwohnheim bereits agressiv wird, dürfte es nicht leicht fallen ihn zum Psycho-Doc. zu lotsen. Da müsste man sich einen Trick einfallen lassen, dass er es nicht merkt.

Der Psychiater wird sich nicht so schnell "auf´s Glatteis führen" lassen, wie seine Hausärztin. Die sind auf solche "Schauspieler" geschult. Aber wie ihn zum Psychiater kriegen? Es müsste möglich sein, dass er nicht mitbekommt, dass der "neue" Doc ein Psychiater ist. Allerdings kann es natürlich gut sein, dass er nach sooo langer Zeit bereits in psych. Behandlung war, wenngleich erfolglos wie man sieht. 

Noch eine Möglichkeit ist, sein Unterbewusstsein (den Bereich wo die Ängste sitzen) direkt anzusprechen, das geht mit Hypnose sehr gut. Aber der Versuch ihn dort hin zu bekommen kann zu gleichen Problemen führen, wie der Besuch des Psychiaters. Einige Psychiater arbeiten übrigens auch mit der Hypnosetherapie.

Tja, ansonsten fällt mir sonst nicht mehr viel ein, außer der (böse?) Gedanke, dass Dein Uropa ja schon weit in den Neunzigern sein muss, da regelt die Natur die Dinge dann -oft  überraschend- ganz natürlich. Alles Gute Euch allen.

PS.: Ich finde es toll, dass Du Dich so rührend um Deinen Uropa sorgst und kümmerst. LG

Kommentar von IsabelleM ,

 Erstmal entschuldige ich mich für die falsche Rechtschreibung :'D.... ich meine Uropa (das schreibe ich seit meiner Kindheit falsch hach). Du hast recht, es scheint für uns unmöglich ihn irgendwie von einer Therapie zu überzeugen...vielleicht wäre es wirklich eine gute Idee den Therapeuten als einen Arzt auszugeben. Oder evtl könnten wir ihn sogar sagen, es wäre ein Anwalt, der rechtliche Schritte gegen seine Nachbarn einleiten soll (weil sie ja "einbrechen usw"). Dann würde er ihm vielleicht von den Ereignissen erzählen, von denen er glaubt, sie seien wahr. Ich bespreche das mal mit meiner Familie  ! Danke für den Tipp und die ausführliche Antwort :)

Kommentar von IsabelleM ,

Oh und das mit der Blutegel-Therapie ist auch super !! Wenn das Problem an der starken Medikation liegt, wäre das ja eine starke Erleichterung :) Danke ! 

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