Wie macht sich eine Dyskalkulie bemerkbar?

3 Antworten

Hallo...so wie ich Dich verstehe,steht die Diagnose "Dyskalkulie=Rechenschwäche" ja schon fest!Was ich nicht verstehe ist:warum Unsicherheit bei der Behandlung? Wie schon geschrieben müßten die Eltern Deiner Cousine sich eigentlich um einen speziellen Förderunterricht für ihr Kind bemühen!Weißt Du ob es schon erfolgt ist?Du kannst ihnen evt. noch raten sich an die Schule zu wenden!Dort gibt es sicher einen ausgebildeten Beratungslehrer für Lernschwierigkeiten der ihnen weiterhelfen kann!!!Toll das Du Dich so für das Problem Deiner Cousine interessierst! PS: Ohne jemanden jetzt etwas unterstellen zu wollen!!! Ich weiß von meiner Arbeit her,dass manche Eltern aus einer Hemmschwelle herraus(sie schämen sich) entscheidende Schritte nicht rechtzeitig durchführen um den Kindern zu helfen! Erst oft wenn es zu spät ist und sich evt.andere Institutionen noch einmischen (zum Wohl des Kindes)wird es getan!Deswegen ist es wichtig die Eltern aufzuklären das eine Lernschwäche heutzutage nichts Schlimmes,und rechtzeitig behandelt noch gute Erfolgschancen bestehen! LG und ganz viel Erfolg bei Deiner Cousine!!!

Hallo KleineMaja,

als langjähriger Rechenschwächetherapeut kann ich Folgendes dazu sagen:

Was ist Rechenschwäche? Was ist sie nicht?

Rechenschwäche ist der Zustand, in den Kinder nach und nach geraten, wenn sie mit ihrem vorschulischen Wissen und Verständnis für Zahlen auf einen Unterricht treffen, den sie nicht verstehen. In der Grundschule werden Kinder mit ungenügendem Grundwissen oft mit Anforderungen konfrontiert, denen sie bereits anfangs und auch im weiteren Fortgang der Schulzeit nicht gewachsen sind. Die Kinder versuchen mit Regeln lernen, Technik üben und auswendig lernen verzweifelt die geforderten Leistungen zu erbringen. Solche "Defizite" der Kinder werden leider meistens als "intellektueller Mangel" der jeweiligen Individuen betrachtet, weshalb Förderunterricht in der Regel nicht am tatsächlichen individuellen Lernstand der Kinder anknüpft. Die bereits bestehende Überforderung wird durch weiteres Üben von unverstandenem Stoff perpetuiert. Am Ende der Grundschulzeit weiß niemand mehr so recht, wie es dazu kommen konnte – nur die Rechenschwäche ist nun zum "Merkmal des Kindes" geworden.

Wie wird Rechenschwäche festgestellt? Wie geht das nicht?

Die individuelle Rechenschwäche wird in einem ausführlichen diagnostischen Arbeitsgespräch mit dem betroffenen Kind untersucht. Entscheidend ist, dass der Diagnostiker in der Arbeit mit dem Kind, dessen individuelle Vorstellungen, Irrtümer, Fehler und auch richtigen Ansätze seines mathematischen Denkens so thematisiert, dass es möglich wird diese Gedanken offenzulegen. Die Ergebnisse der Untersuchung ermöglichen es dem versierten Diagnostiker, alle die Gedanken des Kindes über Mengen, Zahlen und Rechnen in der Elternberatung und in einer schriftlichen Zusammenfassung verständlich zu präsentieren. Eltern, LehrerInnen und/oder andere Fachleute sollen in der Folge das mathematische Denken des Kindes nachvollziehen und anschließend die richtigen Maßnahmen in die Wege leiten können, um dem Kind zu helfen. Intelligenztests mögen vielleicht amtlichen Bedürfnissen und Richtlinien entsprechen, lassen jedoch keine Schlußfolgerungen auf konkrete Hilfen für rechenschwache Kinder zu. Kinder- und Jugendpsychiater sind meistens nicht dafür ausgebildet, Kinder mit Rechenschwäche förderdiagnostisch zu beurteilen und/oder ihnen therapeutisch zu helfen.

Wie wird Rechenschwäche in der Schule bemerkt bzw. wie wird damit umgegangen? Was ist falsche Förderung oder Therapie?

In der Schule wird Rechenschwäche daran bemerkt, dass Kinder gängige mathematische Anforderungen nicht erfüllen können, wobei der LehrerIn in der Regel aufgefallen ist, dass entscheidende Grundbegriffe fehlen. Üblicherweise führt dies dazu, dass Eltern aufgefordert werden mit den Kindern intensiver zu üben. Bestenfalls wird (in Rheinland-Pfalz) der "Fördererlaß" (von 1993) angewendet, der besagt, dass Kinder aus dem klassenniveaubezogenen Anforderungen in Mathematik herausgenommen werden und in Fördergruppen unterrichtet werden, sofern dafür Personal bereitsteht. Führt das nicht zu den gewünschten Fortschritten, kann ein sonderpädagogisches Gutachten vorgeschlagen oder angeordnet werden. Schulisches Mittel bei Rechenschwierigkeiten – auch bei Schulen, die eigene Förderung anbieten - sind leider allzu oft unspezifische Übungen, Rechnen mit Anschauungsmaterial, Auswendiglernen, Techniken aneignen. So bleiben Grundbegriffe und Voraussetzungen des mathematischen Denkens aus dem Förderunterricht ausgeschlossen. Wissensbereiche wie Mengenbildung, Mengenauffassung, Anzahlvergleiche, Unterschiedsbestimmungen, Zahlzerlegungen usw. bleiben dem zufälligen Entstehen von abstrakten Einsichten während diesbezüglicher Übungen überlassen. Eine Förderung ohne vorherige individuelle förderdiagnostische Untersuchung kann aber nicht zu einer gezielten individuellen Förderung führen. Gleiches gilt für die Rechenschwächetherapie! Auch ausgeklügelte therapeutische Konzepte führen zu nichts, wenn sie nicht das Primat der mathematischen Lernstandsdiagnostik beachten!

Wie sollte innerhalb und außerhalb der Schule mit Rechenschwäche umgegangen werden? Welche Möglichkeiten hat die Schule wirklich? Was sollten Eltern beachten?

Durch eine individuelle mathematische Lernstandsdiagnostik sollte geklärt werden, wie das Kind mathematisch verfasst ist. In individueller Förderung sollten die diagnostisch erkannten fehlenden Grundlagen neu aufgebaut werden. Dabei sollte dementsprechend bei Verdacht auf Rechenschwäche die LehrerIn die Anforderungen an das Kind in allen mathematisch relevanten Lernbereichen heruntersetzen oder vorübergehend ganz aussetzen. Bewertungen sollen parallel dazu ebenfalls ausgesetzt werden. Eine spätere Integration in den Mathematikunterricht ist von dem erreichten Wissensstand abhängig zu machen. Die rheinland-pfälzischen Schulgesetze bieten zumindest formal die Möglichkeit all dies umzusetzen. Was nicht verboten ist, ist erlaubt – auch in der weiterführenden Schule! Jede formaljuristische Argumentation hat sich einer belegbaren pädagogischen Argumentation im Interesse der einzelnen Kinder unterzuordnen und anzupassen. Grenzen für gezielte mathematische Förderung sind in der Ausbildung der LehrerInnen und den zur Verfügung stehenden zeitlichen Kontingenten zu sehen. Eltern sollten mit rechenschwachen Kindern keine Hausaufgaben machen. Sie sollten in der Zusammenarbeit mit der Schule die Interessen ihres Kindes vertreten und nicht Druck auf das Kind ausüben.

Hallo Lena101,

das ursprüngliche Original des Artikels steht unter: http://www.rechenschwaecheinstitut-volxheim.de/tagder.html Der Artikel stammt von mir selbst. Ich benutze ihn öfter, um schnell und umfassend auf Fragen, wie die von KleineMaya antworten zu können. Es gibt aber auch speziellere Antworten von mir, wenn die Frage dies erfordert. Wenn in der Antwort Fehler enthalten sein sollten, bitte ich um Kritik.

Danke für die Info, ich bitte um Entschuldigung. Wenn du den Hinweis auf das Institut gegeben hättest, wäre kein Missverständnis entstanden, aber es ist mein Fehler. Es kommt leider immer wieder vor, dass kopiert wird ohne Angabe der Quelle, das irritiert. Gruß, Lena

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