Wie kann man Wohngifte erkennen?

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In Wohnungen kann eine ganze Reihe von Schadstoffquellen die Luft belasten.

Neben Tabakrauch, dem vermutlich häufigsten Wohngift, sind vor allem Lacke, Einrichtungsgegenstände sowie Baumaterialien für Emissionen gesundheitlich bedenklicher Stoffe wie Lösemittel, Weichmacher oder Formaldehyd verantwortlich.

Zum Beispiel enthalten Holzwerkstoffe wie Span- oder Faserplatten als Bindemittel meist Formaldehydharze. Daraus hergestellte Möbel, Paneele oder Fertigparkettböden können das stechend riechende Gas freisetzen. Kunstharzlacke geben vor allem Lösemittel an die Raumluft ab.

Auch mit Naturharzfarben, „Biolacken“, Linoleumböden oder natürlichen Möbelimprägnierungen auf Leinöl- oder Wachsbasis kommen problematische Stoffe ins Haus: Sie enthalten ungesättigte Fettsäuren, die an der Luft zu Aldehyden oxidieren.

Selbst unbehandelte Massivholzmöbel sind nicht per se unbedenklich: Insbesondere Nadelhölzer verströmen Terpene – natürliche Lösemittel, die vor allem in ätherischen Ölen vorkommen.

Die genannten Problemstoffe können zum Beispiel Augen, Haut und Schleimhäute reizen und zum Teil auch Allergien auslösen. Erste Hinweise auf Schadstoffe in der Wohnung liefern oft untypische Gerüche.

Wenn es nach dem Kauf neuer Möbel stinkt, deutet das auf ein Ausgasen flüchtiger organischer Verbindungen hin.

Für ein paar Tage ist ein „Neugeruch“ normal, Lüften schafft hier meist Abhilfe.

Stinkt die neue Schrankwand aber trotz intensiven Lüftens nach vier Wochen immer noch, ist das schon ein Grund zur Reklamation.

Die Nase sollte aber nicht der einzige Richter sein:

Wer Monate nach Renovierungsarbeiten oder einem Möbelkauf in seiner Wohnung ständig unter Kopfschmerzen, Schwindel, Hustenreiz oder tränenden Augen leidet, sollte auch dann an Wohngifte denken, wenn es nicht (mehr) stinkt – vor allem wenn die Beschwerden nachlassen, sobald er die Wohnung verlässt.

Denn zum einen gewöhnt sich die Nase schnell an Gerüche, zum anderen werden viele Problemstoffe vom menschlichen Geruchssinn nicht oder kaum wahrgenommen.

Gewissheit kann oft nur eine Schadstoffanalyse schaffen.

Das Problem: Die Palette der möglichen Wohngifte ist groß und nicht mit einem einzigen Messverfahren zu erfassen.

Oft ist es sinnvoll, dass Experten vor Ort nach der Ursache suchen und dann gezielt Proben nehmen.

Doch solche Untersuchungen sind meist teuer.

Die Stiftung Warentest bietet orientierende und einfache Screeningtests an.

Betroffene können damit im Verdachtsfall Luft- und Staubproben vor Ort selbst nehmen, die dann zur Laboranalyse geschickt werden.

Das ist eine preisgünstige Variante, um einen Überblick über das Ausmaß einer Belastung der Wohnung zu bekommen.

(http://www.test.de/themen/haus-garten/test/-/1240789/1240789/)

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