Welche Risiken birgt es, einen Grauen Star spät zu operieren?

2 Antworten

ob es Risiken gibt, wenn man (zu) lange wartet?

Das einzige Risiko, das mir dazu einfällt, ist oma-spezifisch: schreitet der Graue Star fort, kann sie irgendwann nur noch Schemen und Schatten erkennen. Das würde, da es ihr "gutes" Auge ist, einer Beinahe-Erblindung gleich kommen.

Dafür fallen mir aber etliche Gründe ein, die für "abwarten" sprechen:

  • Deine Oma hat ein gesegnetes Alter, wie man so schön sagt. Selbst wenn sie noch zehn Jahre oder länger lebt, wird sie vermutlich immer noch (schlecht) sehen können. Eine so rasante Verschlechterung, dass das "gute" Auge praktisch blind ist, ist in diesem Zeitraum nicht wahrscheinlich.
  • Deine Oma hat Angst vor der OP und auch, wenn diese heutzutage "Routine" ist und sogar ambulant gemacht wird, doch immer noch eine Operation "mit Risiken und Nebenwirkungen". Und die sind mit 81 eben höher als mit 61, grundsätzlich gesehen. Die OP ist immer gleich: die trübe Linse wird entfernt und eine neue eingesetzt. Allerdings kommt dazu der Gesundheitszustand Deiner Oma (evtl. chronische Leiden, schlechter Allgemeinzustand?), den ich nicht beurteilen kann, der die OP riskanter machen könnte.

    • Deine Oma kommt mit ihrer Sehbehinderung gut zurecht und muss - ihrer Meinung nach - "auf nichts verzichten", so lange sie lesen kann. Warum dran rühren?

Es gibt für mich keinen Grund, warum der Arzt zur OP drängen sollte, so lange die Patientin nicht "leidet". Die Augenlinse wird halt immer trüber, wie Milch- oder Rauchglas, die Welt ist nicht mehr so farbig und sie wird vielleicht bald spezielle Lesehilfen benötigen. Wenn er trotzdem dazu rät, könnte es sein, dass erst jetzt eine Sehleistungsgrenze erreicht ist, ab der die Krankenkasse die OP zahlt (unter 60%, beide Augen zusammen).

Es ist gut, dass Du beim nächsten Mal dabei bist. An Deiner Stelle würde ich folgende Fragen stellen:

  • Wie hoch ist die Sehleistung (beide Augen zusammen) in Prozent?
  • Welche Sehleistung (beide Augen zusammen) in Prozent könnte durch eine OP erreicht werden?
  • Wieviele Jahre bleiben Deiner Oma - ohne OP - , in denen die betroffene Linse noch nicht völlig eingetrübt ist?
  • Welche (zusätzlichen) Sehhilfen (z. B. Lupenbrille, Prismengläser o. a.) könnten Deiner Oma helfen, noch möglichst lange lesen zu können?
  • Wie werden die Risiken der OP unter Berücksichtigung des Allgemeinzustandes Deiner Oma bewertet?
  • Wie und wo wird operiert (ambulant, stationär)? Wie viel Hilfe wird danach benötigt? Ist das für die Angehörigen machbar?

Fazit: Es gibt keinen Grund, auf eine OP zu drängen. So lange Deine Oma unter dem Zustand nicht leidet (weil sie vielleicht nicht mehr lesen kann, oder ständig wo gegen rennt), sollte das Risiko einer OP nicht in Kauf genommen werden.

Das Schöne ist ja, es ist kein Notfall, und ihr könnt in Ruhe zusammen mit Oma die subjektiv richtige Entscheidung treffen. Alles Gute dafür!

Super Antwort!!! LG

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Hallo fluffy1008!

Ich finde es schön, dass Du Dir so viele Sorgen um Deine Oma machst! Ich würde Dir vorschlagen, doch einfach mal beim Arzt anzurufen und zu fragen, warum er es jetzt mit einer OP so eilig hat! Vielleicht hat sich ja auch nur die Sehstärke auf einen bestimmten Wert verschlechtert. Wenn keine anderen Gründe für die OP sprechen, dann sollte es eigentlich Deiner Oma überlassen bleiben, ob und wann sie sich operieren lässt.

Eine Linsen-Operation gehört zu den recht einfachen und unkomplizierten Eingriffen, die ja auch meistens "nur" ambulant und mit örtlicher Betäubung gemacht werden. Da bei Deiner Oma aber schon das andere Auge erheblich geschädigt ist, würde ich doch zu einer stationären Behandlung in einer sehr guten Augenklinik raten. Ich weiß nicht, wo Ihr wohnt, aber ich könnte da das "Johannes-Hospital in Dortmund" sehr empfehlen. Auch muss man vor einer OP bedenken - je weniger man vorher noch sehen kann, umso länger dauert es hinterher, bis das Gehirn wieder gelernt hat, die neuen, dann klareren Bilder zu verarbeiten!! Das geht leider nicht von heute auf morgen!!! Deine Oma sollte sich ruhig eine 2. Meinung einholen. Schreibt alle bestehenden Fragen auf einen Zettel und geht erst wieder nach Hause, wenn alles verständlich erklärt wurde. Auch wenn es ggf. den Arzt nervt!!! Dabei kannst Du sie ganz sicher gut unterstützen!!! Die OP ist wirklich nicht schlimm - ich habe das schon auf beiden Augen hinter mir!

Alles Gute wünscht Euch beiden walesca

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