Welche Erfahrungen habt ihr mit der Misteltherapie bei Brustkrebs gemacht?

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2 Antworten

Das Deutsche Krebsforschungszentrum hat sich intensiv mit dieser Therapie auseinander gesetzt:

"Mistelpräparate spielen in keiner der wissenschaftlichen Leitlinien zur Krebsbehandlung eine Rolle, die zum Beispiel von der Deutschen Krebsgesellschaft und anderen Fachgesellschaften herausgegeben werden.

In anderen Ländern ist die Misteltherapie, wenn überhaupt, dann allenfalls als komplementäre, ergänzende Maßnahme bekannt.

In den USA rät das nationale Krebsinstitut (NCI) sogar von einer Mistelgabe ab, sofern sie nicht im Rahmen einer sehr guten klinischen Studie erfolgt.

Der Grund für diese kritische Einschätzung ist der fehlende objektive Wirksamkeitsnachweis als Krebsmittel nach heutigen wissenschaftlichen Standards.

Für besonders problematisch halten viele Experten, darunter auch Vertreter des Deutschen Krebsforschungszentrums, die mangelnde Qualität vieler Studien.

Selbst vergleichsweise einfache Fragen, etwa die zu den Nebenwirkungen der Misteltherapie lassen sich deshalb bis heute nicht eindeutig beantworten.

Als einzige Wirkung deutet sich aus ihrer Sicht bei brustkrebskranken Frauen eine Verbesserung der Lebensqualität während einer Chemotherapie an, obwohl nicht beurteilt werden kann, was genau dazu führt, dass sich mit Mistel behandelte Frauen besser fühlen.

Auf andere Tumorarten kann dieses fragliche Ergebnis bisher nicht übertragen werden. Eine Wirkung der Misteltherapie auf den Tumor selbst oder auf die Überlebenszeit von Krebspatienten ist nicht belegt und kann anhand der vorliegenden Studien auch gar nicht beurteilt werden.

Auch zu möglichen Nebenwirkungen oder Anwendungsbeschränkungen liegen dem Krebsinformationsdienst keine einheitlichen Auskünfte vor. Wissenschaftliche Studien dazu, die auf alle Mistelpräparate übertragbar gewesen wären, fehlen.

  • Als Nebenwirkungen werden je nach Präparat Rötungen und Schwellungen an der Einstichstelle genannt, geschwollene Lymphknoten, aber auch stärkere allergische Reaktionen, Kopfschmerzen, Fieber, Kreislaufstörungen und Herzbeschwerden.

  • Nicht verwendet werden sollten einige Präparate laut Hersteller bei Infektionen und bei Fieber. Bei anderen Präparaten werden diese Einschränkungen nicht gemacht.

  • Bei einigen Präparaten wird vor der Anwendung bei Schilddrüsenproblemen gewarnt, bei anderen nicht.

  • Probleme mit dem Hirndruck, zum Beispiel bei Metastasen im Gehirn oder bei Hirntumoren, werden ebenfalls in einigen, aber nicht allen Beipackzettel aufgeführt.

  • Manche Anbieter raten zu engmaschigen Kontrollen, wenn die Mistel bei Patienten mit Leukämien, Lymphomen, Nierenzellkarzinomen oder Melanomen angewandt wird. Andere Hersteller sehen hier keine Probleme.

Wie können Patienten wegen einer Misteltherapie zu einer Entscheidung kommen?

Die wichtigste Voraussetzung ist das Gespräch mit dem behandelnden Arzt, eventuell auch mit der Klinik, in der Operation oder Chemotherapie durchgeführt wurden. Die Krankenkasse ist Ansprechpartnerin, wenn es um die Kostenerstattung einer Mistelbehandlung geht.

Welche Kriterien Patienten ganz persönlich anlegen, sollten sie wie bei jeder anderen Therapieentscheidung sorgfältig abwägen:

Welche Hoffnungen sind mit einer Mistelbehandlung verbunden?

Sind ihnen die heute international anerkannten Sicherheitsvorschriften und Prüfungen zur Zulassung von Arzneimitteln wichtig?

Oder spielen auch ganz individuelle Motive eine Rolle für eine zusätzliche Misteltherapie, zum Beispiel der Wunsch, selbst aktiv zu werden und auch letzte, nicht allgemein anerkannte Chancen zu nutzen?

Soll die Behandlung insgesamt anthroposophisch ausgerichtet sein und wenn ja, was bedeutet das?

Oder spielen naturwissenschaftlich-medizinische Kriterien, harte Fakten und Zweifel am Sinn einer zusätzlichen Mistelbehandlung eine größere Rolle bei einer Entscheidung?

Eine Alternative zu geprüften Standardverfahren wie Operation, Chemotherapie oder Bestrahlung stellt die Misteltherapie in keinem Fall dar. Selbst ihre Befürworter sehen ihren Stellenwert lediglich in der zusätzlichen, begleitenden Behandlung."

(Vollständig unter: http://www.krebsinformationsdienst.de/themen/behandlung/mistel.php)

Die Misteltherapie kann in keinem Fall eine Chemotherapie ersetzen. Ich schliesse mich den Ausführungen von @Auskunft voll an.

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