Was passiert, wenn Kinder Alkohol trinken?

1 Antwort

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Ich glaube, Deine Schwester ist sich der Risiken nicht bewußt, die durch Alkoholgenuss in der Kindheit und Jugend entstehen. Du solltest Ihr den folgenden Focus-Bericht zeigen und mit ihr darüber sprechen. Ich kann mir nicht vorstellen, daß sie ihre Kinder vorsätzlich solchen Gefahren aussetzen will:


  • Gehirnzellen sterben unwiederbringlich ab

Das Gehirn ist erst im Alter von 17 bis 18 Jahren ausgereift. Alkohol bremst dieses Wachstum und zerstört Gehirnzellen. Anders als beim Erwachsenen regenerieren sie sich nicht. Die Folge: Denkprozesse verlangsamen sich. Deshalb sollten Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren möglichst keinen Alkohol trinken.

  • Flatrate-Trinken kann tödlich enden

Schneller Konsum von viel Alkohol kann das Hirn-zentrum lähmen. Der Reflex der selbstständigen Atmung setzt aus, und der Jugendliche erstickt. Weitere Gefahr: Während die Leber mit dem Abbau des Alkohols beschäftigt ist, setzt sie keine Glukose frei. Die Unterzuckerung kann Bewusstlosigkeit, epileptische Anfälle und schwere Hirnschäden zur Folge haben oder einen tödlichen Schock auslösen.

  • Teenager sind viel schneller betrunken

Kinder und Jugendliche reagieren anders auf Alkohol als Erwachsene. Sie verfügen über weniger Körperfett und geringeres Blutvolumen. Weil Gehirn und Leber noch wachsen, reagieren sie empfindlicher und bauen Alkohol langsamer ab. Ein Bier für einen Zwölfjährigen entspricht dem Konsum von mindestens drei Bieren durch einen Erwachsenen. Die Grenzen zwischen angeheitert, betrunken und alkoholvergiftet liegen teilweise nur bei einem halben Glas.

  • Der Absturz kommt ohne Vorwarnung

Die Schutzmechanismen des Körpers werden beim Sturztrunk komplett überfordert: Wie bei einem Computer stürzt das System ohne Vorwarnung ab. Die plötzlich eintretende hohe Alkoholkonzentration verhindert Übelkeits- oder Rauschgefühle – die eigenen Grenzen werden deshalb nicht mehr wahrgenommen.

  • Betrunkene halten sich für unverwundbar

Mit dem Alkohol steigt die Risikobereitschaft. Wer sich Mut angetrunken hat, traut sich Dinge zu, von denen er sonst nur träumt: durch einen Fluss schwimmen, mit dem Rad auf Bahnschienen fahren oder ohne Führerschein ein Auto steuern. Das ist nicht nur strafbar, sondern lebensgefährlich. Viele Jungen und Mädchen unterschätzen drohende Unfallgefahren.

  • Die Erektionsfähigkeit der Jungen lässt nach

Alkohol enthemmt und verstärkt bei Männern die sexuelle Erregung. Aber volltrunken ein Mädchen zu verführen ist meist zum Scheitern verurteilt, denn zu viel Alkohol schadet der Potenz. Werden zudem Verhütungsmittel vergessen, können eine ungewollte Schwangerschaft oder sexuell übertragene Krankheiten eine solche Nacht unvergesslich machen.

  • Die Flucht in den Rausch löst keine Probleme

Der Bielefelder Jugendforscher Klaus Hurrelmann hat beobachtet, dass gerade Gymnasiasten sich am Wochenende gezielt zuschütten, um im Vollrausch dem Druck aus Schule und Elternhaus zu entfliehen. Doch der Alkohol verdrängt und vergrößert ihre Probleme nur, statt sie zu lösen.

  • Das Gehirn wird auf Sucht programmiert

Wenn regelmäßiges Kampftrinken zum Sport am Wochenende wird, besteht die Gefahr, abhängig zu werden. Besonders dramatisch: Das Gehirn baut sich in jungen Jahren ein Suchtgedächtnis auf. Die Hirnstrukturen werden so gepolt, dass positive Stimmung automatisch mit dem Genuss von alkoholischen Getränken in Zusammenhang gebracht wird. Ein Verhalten, das man sich nur schwer abtrainieren kann – dann braucht der Kopf sein Bier.

  • Alkohol führt zum Verlust der Kontrolle

Beim exzessiven Trinken begibt man sich in eine emotionale Ausnahmesituation. Gefühle wie Liebeskummer werden intensiviert, Depressionen verstärkt. Wer zu Aggressionen neigt, rastet schneller aus und hat sich nicht mehr unter Kontrolle. Dann sind Prügeleien und heftige Streitereien vorprogrammiert.

  • Das Problembewusstsein geht verloren

Mehr als die Hälfte aller Jungen und Mädchen zwischen zwölf und 17 Jahren glauben nicht, dass Alkoholkonsum und Wettsaufen Gefahren darstellen, ja sogar tödlich enden können. Denn meist ist nach durchzechter Nacht am nächsten Tag alles wieder in Ordnung.

Sprechen Sie mit Ihrem Kind! Hilfe für ein solches Gespräch, Elternseminare und weitere Informationen bietet der Arbeitskreis Alkohol und Verantwortung unter klartext-reden.de.

http://www.focus.de/schule/lernen/forschung/wissen-10-gruende-warum-alkohol-und-wettsaufen-fuer-jugendliche-so-gefaehrlich-sind_aid_221170.


Deine Schwester wird vielleicht argumentieren, sooo viel tränken ihre Kids doch gar nicht, "nur ein Bier oder ein Gemisch". Aber: es ist der Einstieg zur Alkoholabhängigkeit. Wenn Kinder und Jugendliche erst einmal "auf den Geschmack" gekommen sind, geht es meist weiter mit Alcopops und härteren Sachen. Das sollte Deine Schwester nicht forcieren, indem sie sich scheinbar liberal verhält.

Was möchtest Du wissen?