Was ist sekundärer Krankheitsgewinn?

2 Antworten

Hallo! Sekundärer Krankheitsgewinn, ja das wird gerne mal genommen, wenn die Ärzte nicht so richtig weiter wissen. Bisher habe ich das aber eigentlich nur bei jüngeren Leuten oder Unfallopfern gehört (meist im Zusammenhang mit der Rentenneurose). Dabei geht man davon aus, dass der Patient gar nicht richtig will, dass die Krankheit geheilt wird. Denn durch die Krankheit bekommt man u.U. mehr Aufmerksamkeit, Zuwendung und Hilfe. Und das ist dann möglicherweise ein Gewinn für den Kranken, da er so viel Zuwendung vielleicht nicht bekommen würde, wenn er wieder gesund wäre. Von einer "Krankheit" würde ich in dem Fall also nicht sprechen. Wenn du allerdings meinst, dass der Doc vielleicht doch recht haben könnte, dann sollte man nachforschen, woran das liegen könnte und evtl. zu viel Zuwendung unterbinden bzw. reduzieren.

Wenn man so will, lassen sich ein primärer, sekundärer und ein tertiärer „Krankheitsgewinn“ unterscheiden. Unter „primärem Krankheitsgewinn“ versteht man die unmittelbar mit einer Krankheit verbundenen Vorteile, wie körperliche Schonung, Ruhe, Entlastung. Diesen Gewinn erkennt man daran, dass er unmittelbar dem Körper zugute kommt, weil er sich durch Schonung, Ruhe oder Entlastung besser regenerieren kann. Gleiches gilt natürlich auch für die Seele. Man könnte genauso gut von „durch die Krankheit erzwungenen Folgen“ sprechen, die für den Körper jedoch von unmittelbarem Nutzen sind. Wenn man von „Krankheitsgewinn“ spricht, meint man in aller Regel den „sekundären Krankheitsgewinn“. Dieser ist nicht zwangsläufig Folge einer Erkrankung und muss auch nicht vorrangig der Heilung der betreffenden Krankheit dienen. Beispiele für „sekundären Krankheitsgewinn“ können vermehrte Beachtung und Unterstützung eines Kranken sein. Weil diese Effekte eben nicht der im Vordergrund stehenden Erkrankung zugute kommen müssen, besteht gegenüber „sekundärem Krankheitsgewinn“ oft eine skeptische Haltung. Mit „tertiärem Krankheitsgewinn“ beschreibt man schließlich Situationen, in denen Bezugspersonen des Kranken (also nicht er selbst!) aus der jeweiligen Erkrankung Vorteile ziehen. So etwas kann der Fall sein, wenn sich beispielsweise Familienangehörige als Pflegende nützlich fühlen können, durch die Versorgung des Kranken eine sinnvolle Aufgabe erhalten oder vielleicht sogar Einkommen erzielen.

http://www.dr-mueck.de/HM_FAQ/sekundaerer-Krankheitsgewinn.htm

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