Was ist Hibernating myocardium und Hibernating stunning?

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Ischämische Kardiomyopathie und kontraktile Reserve

Bei der koronaren Herzkrankheit beruht die systolische Herzinsuffizienz auf der Abnahme kontraktionsfähiger Herzmuskelzellen. Diese ist bei Narbenbildung nach Infarkten irreversibel. Im Unterschied dazu kann es zu einem vorübergehenden, reversibel-ischämischen Funktionsverlust kommen, der als "hibernating myocardium" oder auch als "Herzmuskelgewebe im Winterschlaf" bezeichnet wird.Die Unterscheidung zwischen Infarktnarben und akinetischem, aber noch vitalem, minderperfundiertem Myokard, ist über die Darstellung der Stoffwechselfunktion mit der Positronenemissionstomographie möglich. Vom hibernating Myokard ist das "stunned myocardium" abzugrenzen, das zwar reperfundiert, aber dennoch hypo- oder akinetisch ist.Die Differenzierung zwischen vernarbtem, hibernating und stunned Myokard ist klinisch wesentlich für die Gesamtprognose und vor allem die Erfolgswahrscheinlichkeit der Therapie. Voraussetzung hierfür ist die Hypothese, dass die kontraktile Reserve direkt vom Funktionszustand des Myokards abhängt. Deren Messung erfolgt mit der Dobutamin-Stressechokardiographie. Eine niederländische Arbeitsgruppe untersuchte 198 Patienten mit eindeutigen Ergebnissen (J Nucl Med 2003; 44: 127–133).Alle Patienten hatten einen Herzinfarkt erlitten und eine signifikant eingeschränkte linksventrikuläre Funktion (< 40%). Klinisch bestand bei 61% ein NYHA Stadium III oder IV. Primäre Kardiomyopathien und Klappenerkrankungen waren Ausschlusskriterien. Im SPECT waren 31% der hypokinetischen Areale normal perfundiert und wiesen eine normale Glukoseutilisation auf (stunned). Eine reduzierte Durchblutung bei erhaltenem Metabolismus (hibernating) wurde bei 10% nachgewiesen. Die übrigen hypokinetischen Areale wurden bei gleichzeitiger Minderperfusion und Stoffwechselstörung als vernarbt eingestuft. In der Stressechokardiographie mit niedrigen Dobutamindosen hatten 32% der dysfunkionellen Segmente kontraktile Reserven. Dies war häufiger bei klinisch weniger schweren Verläufen als bei ausgeprägter Herzinsuffizienz der Fall. Nur 14% der Narbenbereiche hatten nach Dobutamin eine kontraktile Reserve. Lag eine Perfusion vor, wiesen die hypokinetischen Bezirke häufig eine kontraktile Reserve auf. Dies war signifikant häufiger bei stunned als bei hibernating Myokard der Fall (61% vs. 51%). Unter steigenden Dobutamindosen war eine weitere Kontraktionszunahme häufiger bei stunned als bei hibernating Myokard nachweisbar.Graduelle Unterschiede statt abgrenzbarer PhänomeneDie Kombination der Untersuchung von Perfusion und Stoffwechsel als Hinweis auf ein stunned oder hibernating Myokard reflektierte das Ausmaß der myokardialen Dysfunktion. Die Autoren postulieren, dass es sich weniger um klar abgrenzbare Phänomene als um graduelle Unterschiede handelt. Der Übergang von normaler Durchblutung zu reduziertem Fluss sei wahrscheinlich auch ein zeitliches Phänomen. Die Dauer der myokardialen Dysfunktion mit gleichzeitiger Perfusionsverschlechterung führte zu einer progredienten Myozytenschädigung, die sich als Narbe, stunned oder hibernating Myokard darstelle. Folge sei die unterschiedliche Ausprägung der kontraktilen Reserve im geschädigten Areal.

Quelle: Dr. Susanne Krome, ´s-Hertogenbosch

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