Was geht in einem VOR bei einem Alkoholrückfall ??

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Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Hallo karl1957,

solche Situationen habe ich als Angehörige mehrere Male miterlebt. Fast immer war es so, das der Rückfall herunter gespielt wurde. "Ich kann jederzeit wieder aufhören". Ich weiß nicht, wie oft diesen Satz gehört habe. Nur ist es so, dass man als Alkoholerkrankter nicht wieder aufhören kann. Auch nicht mit den besten und festesten Vorsätzen. Das weiß der Betroffene auch. Doch schon in dem Moment, in dem sich Alkoholerkrankte mit Fragen wie Deine beschäftigen, ist es im Prinzip schon zu spät. Der Rückfall ist vorprogrammiert. Und solche Sätze wie o.g. sind dazu da, damit der Betroffene sein Verhalten vor Angehörigen und Freunden rechtfertigen kann.

Wenn der nächste Morgen da ist, beschäftigen sich die Betroffenen damit, wieviel sie jetzt trinken können ohne dass es auffällt. Oder sie fangen an zu rechnen, wieviel Flaschen Bier sie trinken können ohne einen Entzug zu bekommen, wenn sie dann "übermorgen entgültig wieder aufhören zu trinken". Oder die Betroffenen wissen ganz genau, dass sie in den Entzug kommen und rechnen schon mal vorsichtshalber aus, wieviel Flaschen sie einkaufen müssen, um sich langsam selber wieder runter zu dosieren.

Natürlich ist das Suchtverlangen da. SOFORT! Da braucht sich niemand was vorzumachen. Hilfe suchen sich die meisten Betroffenen leider erst viel zu spät. Einige schaffen das erst Wochen nach ihrem Rückfall...Wochen, in denen sie wieder genauso getrunken haben wie in ihren schlimmsten Zeiten. Auch wenn sie das nicht wollten, sie können nicht anders!

Lieber karl1957, du wolltest ehrliche Antworten. Das ist meine. Meine Erfahrung ist, das ein trockener Alkoholiker sich mit diesen Fragen beschäftigt, wenn ihm langsam der Atem ausgeht und ein Rückfall naht!!! Auch dein letzter Satz: Ich bin seit 4 Jahren trocken und bleibe es...macht Sorgen. Sollte das bei dir der Fall sein, dann ist das nicht schlimm. Schlimm ist es nur, wenn du dir keine Hilfe suchst. Wenn dir deine Gesundheit lieb ist, dann hole dir Hilfe. Man kann sowohl ambulante wie auch stationäre Hilfe suchen und annehmen BEVOR man rückfällig geworden ist.

Zu guter Letzt möchte ich dir noch sagen, dass ich es gut finde, dass du diese Frage hier gestellt hast. Das zeigt, dass du dich mit der Problematik auseinander setzt. Mit den besten Wünschen für dich von polar66

Ich glaube, wie "man" sich fühlt, ist nicht zu verallgemeinern. Die Alkoholiker, mit denen ich im Laufe meines Lebens konfrontiert wurde, sagten nach einem Absturz, sie hätten sich am nächsten Tag total Sch... gefühlt, das Gefühl gehabt, sofort dringend was trinken zu müssen, damit es ihnen "besser" geht, und/oder aus einem Gefühl des Versagens heraus weitergetrunken, weil ja nun eh "alles egal" sei. Etwa zwei Drittel waren danach wieder drin in ihrer Sucht, und es dauerte eine Weile, ehe sie sich erneut zum Entzug entschließen konnten (wenn überhaupt). Ein Drittel schaffte es am nächsten Morgen mit eiserner Disziplin (und allermeistens Unterstützung der Frau/Familie), nicht weiterzutrinken. Denen saß dann meistens der "Schreck" so in den Knochen, daß es ihnen relativ leicht fiel, auch in der Folgezeit abstinent zu bleiben.

Insgesamt würde ich sagen: Der weitere Verlauf nach einem Absturz wird bestimmt durch die Stärke der Sucht, das eigene Wertesystem und nicht zuletzt dadurch, wie stabil das jeweilige Umfeld ist.

Man kann nicht mehr Stopp sagen und wenn man einmal wieder getrunken hat, trinkt man immer wieder, wie unter einen Zwang.

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