Unerfüllter Kinderwunsch, wie schaltet man ab?

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Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Ich verrate Dir sicherlich kein Geheimnis, wenn ich Dir sage, dass viele Frauen erst dann schwanger wurden, als sie angefangen hatten, "umzudenken". Also z. B. nach der Adoption eines Kindes, der Anschaffung eines Hundes "anstatt", o. ä.

In dieser Richtung finde ich nachstehenden (etwas länglichen) Text beachtenswert. Vielleicht hilft er Dir ja weiter?


Wenn der Kinderwunsch so mächtig wird, dass er das ganze Leben bestimmt und das verzweifelte Gefühl entsteht, ohne Kind habe das ganze Leben keinen Sinn, dann kann es sehr hilfreich sein, sich einmal eine Zeit lang in der Gruppe, mit dem Partner oder auch alleine mit folgenden Fragen zu beschäftigen: "Warum will ich/wollen wir eigentlich ein Kind?" "Was bedeutet ein Kind für mein/unser Selbstbewusstsein?" "Wie hat jeder von uns seine eigene Familie erlebt?" und "Wie könnte unser Leben ohne Kinder aussehen?" (zitiert nach BzgA: "Warum gerade wir?")

Sich mit diesen Fragen auseinander zu setzen soll keineswegs dazu dienen, sich den Kinderwunsch auszureden. Aber Klarheit über die eigenen tieferen Gründe für die große Sehnsucht nach einem Kind zu erlangen, kann die Aufmerksamkeit von der verzweifelten Fixierung auf den Kinderwunsch weg und hin zu anderen wichtigen Aspekten des eigenen Lebens lenken. Zum Beispiel speist sich der übermächtige Kinderwunsch möglicherweise auch davon, dass eine Frau sich ohne Kind nicht als vollwertig empfindet. Dann bietet es sich im nächsten Schritt an, einmal genau hinzusehen, wie es eigentlich kommt, dass sie sich ohne Kind minderwertig fühlt. Eine andere Möglichkeit für einen übermächtigen Kinderwunsch kann die Sehnsucht nach einer erfüllenden Aufgabe sein – dies besonders dann, wenn die Frau keine befriedigenden beruflichen Erfahrungen machen konnte und ein Kind vielleicht auch als Lösung ihrer beruflichen Unzufriedenheit gelegen käme. Nicht zuletzt kann der Kinderwunsch auch durch partnerschaftliche Probleme und die Hoffnung auf deren Lösung durch eine Schwangerschaft genährt werden.

Besonders schwer fällt Paaren, die sich ein Kind wünschen, die Frage nach Lebensperspektiven ohne Kinder zuzulassen. Auch dies soll natürlich nicht dazu dienen, den Kinderwunsch aufzugeben, sondern den übermäßig starken Erfolgsdruck zu verringern. "Eine in der Vorstellung zunächst schrecklich erscheinende Situation genauer anzusehen, bedeutet auch, dieser Situation durch genaues Betrachten einen Teil des Schreckens zu nehmen", heißt es dazu in der Kinderwunsch-Broschüre (4) der BzgA. Wer sich einmal Gedanken gemacht hat, welche Möglichkeiten, Perspektiven und Lebensträume er jenseits des Kinderwunsches noch hat, der kann die weiteren Versuche, schwanger zu werden, weniger verkrampft und psychisch belastet erleben.

Wer allerdings alleine, mit dem Partner oder durch die Selbsthilfegruppe keinen Ausweg aus der belastenden monatlichen Achterbahnfahrt zwischen Hoffen und Bangen findet, für den bietet sich eine psychologische Beratung an, wie sie zum Beispiel von Beratungsstellen der ProFamilia, Wohlfahrtsverbänden oder Frauengesundheitszentren angeboten wird. Zudem kooperieren manche Kinderwunschpraxen mit psychologischen Praxen. Da gerade in puncto psychologische Beratung bei vielen Frauen und Männern eine große Schwellenangst besteht, ist es wichtig zu wissen, dass meist schon wenige Gespräche ausreichen, um aus einer Sackgasse wieder herauszufinden.

http://www.urbia.de/magazin/kinderwunsch/wenn-der-kinderwunsch-die-seele-belastet?page=6

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