Frage von Bienal, 35

Umstellungsosteotomie - Heilung?

Hallo, ich wurde am 05.04. operiert. Es wurde eine Achskorrektur am Oberschenkel von 5 Grad gemacht und mit Platte fixiert. Ebenso eine MPFL-Plastik, eine Knorpelglättung an der Kniescheibe und ein depridement der fossa (was auch immer das heissen mag). Die OP habe ich bewusst gewählt, da der Knorpel unter der Kniescheibe stark abgenutzt war. Nun ging es seither immer bergauf mit der Heilung. An der Motorschiene bin ich stetig weiter gekommen jetzt aktuell bei ca. 100 Grad Beugung, 4 x 30 Minuten täglich. Bekomme auch 2 x wöchentlich Krankengymnastik und Lymhpdrainage und mache die Übungen die dort gezeigt wurden auch so 3-4 mal täglich 5-10 Wiederholungen. Für die ersten 10 Tage habe ich eine Ruhigstellungsschiene Tragen müssen und durfte nach 3 Wochen wieder mit halbem Körpergewicht belasten. Aber was ich nicht verstehe: Warum ist es so schmerzhaft den Unterschenkel alleine hochzuheben? also z. b. im Sitzen oder liegen. Werde die Physios drauf ansprechen nächste Woche. Aber es kann doch nicht sein das nach 5 Wochen die Kraft vom Oberschenkel nicht von der Patellasehne übertragen werden kann? Hat jemand hier Erfahrungen? Ich muss auch sagen, die aktuelle Schwellung ist grad über der Patellasehne und im Bereich unter der Kniescheibe am stärksten. Aber es kann doch nicht sein, dass die Schwellung dafür verantwortlich ist? Wo ist die Kraft geblieben, obwohl da der Sehne nichts gemacht wurde?

Danke im Voraus für Erfahrungen oder Rat

Antwort
von Winherby, 22

Du wirst hauptsächlich vom Kopf ausgebremst. 

Die Kraft ist, wenngleich vermutlich etwas gemindert, da, aber der Kopf hemmt die Bewegung in Erwartung des dabei entstehenden Schmerzes. Du hast also nur eine Schmerzblockade. 

Die Beugung und später auch das Auftreten werden auch überwiegend vom Kopf verhindert, bzw. gemindert, eben um den Schmerz am Gelenk zu vermeiden. Das ist ein natürlicher Schutzreflex der nicht zu vermeiden ist, denn der ist genetisch angelegt. 

Durch die Physiotherapie wird dem Kopf step by step klar gemacht, "na bitte, geht doch", dadurch verbessert sich die Beweglichkeit step by step immer weiter. 

Unter Narkose könnte das Knie sicher komplett gebeugt werden, es ist also keine mechanische, nur eine psychische Bremse/Blockade eingebaut.

Die raumfordernde Schwellung behindert die Beugung natürlich auch etwas, aber sicher nicht im gleichen Maße, wie der Kopf die Beugung verhindert.

Mach Dir/Deinem Kopf keinen Vorwurf, es ist völlig natürlich. Wobei es natürlich von Mensch zu Mensch Unterschiede in der Ausprägung der Bewegungshemmung gibt. 

Mach Du so wie bisher weiter, Du solltest jetzt das Üben nicht forcieren nach dem Motto, ist ja nur der Kopf der bremst und viel hilft viel. Je heftiger der Schmerz dann beim Üben ausfällt, umso heftiger wird wieder die wieder die Schmerzblockade. Also, Geduld und immer schön sachte mit den jungen Pferden. LG

Kommentar von Bienal ,

Danke für Deine Antwort Winherby. 

Dann weiss ich auf jeden Fall das ich das mit "bis zur Schmerzgrenze üben" ned auf Dauer geht. 

Was mir aber immer noch komisch vorkommt ist, dass diese Kniescheibensehne viel schneller wehtut. Ich mein, klar, sie muss das gewicht vom unterschenkel halten können. Aber, wenn ich stehe, den oberschenkel leicht anhebe und dann versuche den unterschenkel auch zu heben, geht das vielleicht mal grade 10 cm. Naja, dann kommt der schmerz leider schon und die sehne "verkrampft sich" und ich kann danach auch nicht mehr normal beugen. Nach ein paar minuten gehts dann. 

Kommentar von Winherby ,

Mit "bis zur"  Schmerzgrenze ist das etwas "grenzwertig" ausgedrückt. 

Bis "an", bis "auf", bis "über" - die Schmerzgrenze, das wären die drei Stationen die möglich sind.

Bis an die Schmerzgrenze bedeutet, noch kurz vor dem Einsetzen des Schmerzes die Bewegung stoppen, doch damit erweitert sich der Bewegungswinkel nicht, ist also kontraproduktiv. 

Bis über die Schmerzgrenze hinaus bewegen, damit löst Du jedesmal heftigen Schmerz aus, damit aktivierst Du aber die Schmerzhemmung, das verhindert ebenfalls die Erweiterung des Winkels, also auch kontraproduktiv.

Bis auf die Schmerzgrenze wäre somit auch hier der goldene Mittelweg. Es sollte die Bewegung soweit geführt werden, dass Du zwar einen beginnenden Schmerz spürst, der aber noch so gut erträglich ist, dass davon nicht die Schmerzhemmung ausgelöst wird.

Das ist leider ein sehr enger Bereich innerhalb der Bewegung im Grenzbereich, also eine kleine Gratwanderung. Doch je mehr Du übst, Dich vorsichtig an diesen Bereich herantastest, umso eher stellt sich das Gefühl für diesen schmalen Bereich ein, Deine Wahrnehmung dafür wird geschärft. 

Wenn Du also Deine Bewegung immer bis auf die Schmerzgrenze führst, kannst Du einerseits den Bewegungsspielraum immer mehr erweitern, dabei andererseits die Bewegungshemmung vermeiden. Das dürfte für die optimale Rekonvaleszenz sorgen.

Deine Patellasehne kann nicht schmerzen, - mangels Schmerzrezeptoren. Sie kann auch nicht verkrampfen, mangels Kontraktionsvermögen. Eine Sehne ist ein faseriges, zähelastisches Knorpelgewebe ohne Schmerzrezeptoren, die lediglich die Kraft eines Muskels über ein Gelenk hinweg an den korrespondierenden Knochen weiterleitet. Nur so ist die Bewegung eines Gelenkes möglich.

Was Du also bei der beschriebenen Übung spürst ist das der Sehne umliegende Gewebe, dass durch Op und Schwellung gereizt ist. Und der einsetzende Schmerz nach 10cm löst die Hemmung aus, die ich oben nun ausführlich genug beschrieben habe, verkrampfen kann dabei nur der Muskel, also der Quadriceps im Oberschenkel, dessen Kraft die Sehne weiterleitet. LG

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