Sturz älterer Menschen-wie kann man den Alltag (noch) sicherer gestalten?

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2 Antworten

Hallo Sonne,

 ich schreibe Dir einfach mal wie meine/unsere Erfahrungen in Sachen Senior sind. Vielleicht ist da was bei, von dem Du/Ihr profitieren könnt.

In Sachen Bett: Spätestens wenn ein Pflegedienst tgl. 2x kommen muss, ist ein Pflegebett dringend nötig. Im Fall meines damals dementen Vaters hat der Pflegedienst das in die Wege geleitet, - schon im eigenen Interesse, denn das Windeln wechseln, waschen, anfangs noch Ankleiden, usw. ist im normalen Bett zu anstrengend für den Rücken der Pfleger. Den Antrag für das Bett hat natürlich meine Mutter unterschrieben, aber zuvor die Formulare besorgen und korrekt ausfüllen, das alles machte damals die Verwaltung des Pflegedienstes für meine Eltern. 

Aber: Das war allerdings zu einer Zeit, als es noch keine Pflegeversicherung gab, das alles lief damals also noch über die KK.  Falls auch Deine Mutter pflegerische Betreuung bekommt, oder bekommen soll, frag die Mitarbeiter des Pflegedienstes, die werden sich bestimmt auskennen, wie es mit der Pflegeversicherung zu händeln ist. Ich denke aber, es ist wohl ähnlich wie damals, nur jetzt heisst die Institution eben Pflegekasse.
 

Durch mittlerweile sechs Hüftoperationen ist meine Mutter soweit, dass sie nicht mehr so gut aus dem Bett kommt. Allerdings wollte sie bisher kein Pflegebett, wohl noch in Erinnerung an die Zeit mit Vaddern damals. So haben wir ihr für kleines Geld (<200 €) in einem stinknormalen Möbelhaus ein sog. Seniorenbett gekauft.  Das lässt sich in sechs versch. Höhen aufbauen. Wir haben die höchste Stufe gewählt und es klappt wunderbar, kaum sind beim Aufstehen die Beine seitlich aus dem Bett „geschwungen“, steht sie schon fast. Nach der letzten OP haben wir zusätzlich eine Aufrichthilfe für´s Bett über die KK genehmigt bekommen. Das Ding heisst üblicherweise „Galgen“ und wird in richtigen Pflegebetten am Bettgestell eingehakt. Unser Teil aber steht auf dem Boden, ist stabil und tut sehr gute Dienste. 

Zusätzlich hat Mutter eine Tempurmatratze im Bett. Für sie ist das wegen der Hüfte sehr wichtig, bei Vaddern hat damals solch eine Matratze gegen Dekubitus ein wahres Wunder bewirkt, alle anderen Maßnahmen zuvor erwiesen sich als wirkungslos.  Also diese Art Matratze ist für all die Menschen, die sehr viel liegen müssen höchst empfehlenswert. 

Im Badezimmer hat Mutter einen erhöhten Hocker vor dem
Waschbecken, in der Dusche einen klappbaren Sitz an der Wand und zusätzlich an
allen drei Seitenwänden eine stabile, lange Haltestange.  Den Duschboden haben wir so umbauen lassen,
dass sie nicht über eine hohe Borde steigen muss. Für Badezimmer wo dieser
ebenerdige Duschzugang nicht möglich ist, gibt es sehr flachbordige
Duschtassen. Heute werden bis zu 4000 € Zuschuss für eine barrierefreie
Dusche/Badezimmer gezahlt, - falls ich recht informiert bin. Für das hochheben gefallener Menschen gibt es den sog. Rauteckgriff (bitte google-Bilder). Aber ich habe leise Zweifel, dass dieser Griff für die (übergewichtige?) Mutter und auch für Dich immer und bei jeder misslichen Lage praktikabel ist. Denn trotz guter Grifftechnik ist es sehr anstrengend einen schweren Menschen, der sich womöglich noch sacken lässt,
hochzuhieven. Für diesen Fall solltest Du Dir dringend die Hilfe mehrerer
kräftiger junger Männer organisieren, die telef. erreichbar sind. (aus Familie, Nachbarschaft, freiw. Feuerwehr, Pflegedienst, Rettungsdienst etc.). Da musste einfach checken, was da in Deiner Umgebung möglich ist. Notfalls muss Mutter erstmal am Boden bleiben, denn wenn Du Dich an Rücken oder Knie kaputt machst, kannste den Pflegedienst bald für Zwei bestellen, - und das will doch keiner. Also schütze Deine Gesundheit an erster Stelle.

Das war´s, was mir dazu spontan einfällt, Dir und Deiner Mutter alles Gute, Winherby

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Kommentar von sonne123
31.01.2016, 22:08

Danke für deine sehr ausführliche Antwort. Sie hat PS 1, da wird es sicherlich Probleme mit der Genehmigung eines Pflegebettes geben. Aber als Alternative bliebe ja, wie auch von dir genannt,noch ein beweglicher "Galgen" und somit ganz sicher eine Erleichterung für sie. Für ein sicheres Bad hat sie einen Wannenlift, denn ohne wäre es nicht mehr möglich. Eine Dusche ist leider nicht vorhanden. 

Danke auch für den Tip mit dem Rauteckgriff....eigentlich ganz simpel, wenn man es weiß. Ich hatte nur versucht sie unter die Arme zu greifen und dann heben. Wenn sie wenigstens noch eigene Kraft hätte,aber sie sagte selber zu mir, wie ein nasser Sack....

LG und einen schönen Wochenanfang 

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Hallo liebe sonne 123, ob Pflegemittel genehmigt werden hängt auch von der Pflegestufe und der Kasse ab. Du solltest unbedingt mit der Kasse Verhandlungen aufnehmen und auch mit dem behandelnden Arzt vorher alles absprechen, damit du Atteste vorlegen kannst. Meine Mutter hatte Pflegestufe 2 und es wurde ein Pflegebett genehmigt, nachdem wir auch einen Pflegedienst mit eingeschaltet hatten.

Den Notfallknopf sollte sie immer um den Hals tragen, das war auch bei meiner Schwiegermutter hilfreich und als sie mal in meinem Beisein wegkippte, brauchte ich nicht lange zu suchen und es war bald Hilfe da.

Ihr solltet euch wirklich überlegen, ob ein Pflegedienst angebracht wäre, der bei bestimmten Tätigkeiten Hilfe leisten kann. Bei meiner Mutter war das erst nur morgens, dann auch abends und zum Schluss auch noch mittags notwendig. Wir mussten zwar am Ende zuzahlen, aber die Sicherheit geht vor.

Ich weiß, dass die letzten Jahre sehr anstrengend und belastend sind und man selbst oft an seine Grenzen stösst. Deshalb sollte man sich immer um Hilfe bemühen, damit man nicht selbst kaputt geht. Wir haben mit Hilfe eines Pflegedienstes erst meinen Schwiegervater, dann meine Mutter und zuletzt auch meine Schwiegermutter bis zu ihrem Tod zu Hause gepflegt.

Ich wünsche dir und deiner Mutter alles Gute und eine gute Lösung des Problems!


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Kommentar von sonne123
31.01.2016, 15:06

Der Pflegedienst kommt 7 Tage die Woche. In erster Linie wegen Insulin spritzen und Kompressionsstrümpfe anziehen. Des weiteren 1 x die Woche die große Pflege und 2x Fußpflege. An den anderen Tagen unterstütze ich sie nur morgens. In soweit habe ich schon Hilfe. Es wäre auch alles nicht so schlimm, wenn wir in einem Haus wohnen würden, aber das ist leider nicht so. Wenn das Bett nicht genehmigt werden sollte, dann wäre noch eine andere Alternative einen beweglicher Bettgalgen oder eine Aufstehhilfe, die seitlich am Bett befestigt wird....morgen muß ich so und so zu ihrem Hausarzt und werde das mit ihm besprechen. Danke dir ganz lieb :-) und noch einen schönen Sonntag 

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