Skoliose Therapie für Erwachsene?

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2 Antworten

Hallo Klara,

ich an Deiner Stelle würde diese Therapie nicht machen.  

Denn damit würdest Du Dir viel Zeit, viel Müh, vermutlich zusätzliche Schmerzen, viel Geld und vor allem eine Riesenenttäuschung ersparen.

Die Skoliosen dieser Welt entwickeln sich bei Menschen in aller Regel bereits in sehr jungen Jahren, oft idiopathisch, also ohne erkennbaren Grund. Sind aber die Gründe bekannt, werden erst die Gründe behoben, dann oder zeitgleich die Skoliose behandelt, und gut ist. Mangels Disziplin vieler Betroffener hält sich der Erfolg selbst beim jungen Menschen sehr in Grenzen.

Wer heute 64 Jahre alt ist, so wie Du und ich, der hat seine Skoliose also schon sehr lange. Und glaube mir, sämtliche Anteile unseres gesamten Bewegungsapparates haben sich auf die Fehlstellung der Wirbelsäule eingerichtet. Besonders die WS selbst. So auch alle Wirbelgelenke und bes. sämtliche Bandscheiben, sie sind an diese Schrägstellung einzelner Wirbel angepasst, d. h. sie haben sich auch schräg abgenutzt.

Diese Frau Schroth hat die Idee ihrer spez. Therapieform ca. 1910 entwickelt und bis 1920 so ausgebaut und festgelegt, wie die Therapie überwiegend noch heute durchgeführt wird. Es ist somit eine rel. alte Therapieform. Wäre diese Therapie wirklich so erfolgreich, wie uns einige Leute Glauben machen wollen, dann wäre diese Therapie längst Standard, sie würde längst von allen Kassen bezahlt, sie würde längst an allen KG-Schulen und allen Physiotherapeutenschulen automatisch serienmäßig gelehrt. Sie wäre also längst allgemein bekannt und üblicher Bestandteil der Behandlung der Skoliosen.

Ist aber alles nicht so!

Und jetzt erhoffst Du Dir in Deinem Alter Erfolg dadurch? Never! Dein Wunsch die Folgeschäden zu reduzieren ist natürlich sehr verständlich. Aber ich bin sicher, Du würdest die Bandscheiben mit dieser dreidimensionalen Therapieform sehr hoch belasten und verstärkte Schäden an den Bandscheiben provozieren. Von muskulären Problemen und Problemen an diversen Gelenken ganz zu schweigen.

Dass diese Schroth-Therapie bei Kindern und auch noch bei Jugendlichen gewisse Erfolge zu verzeichnen vermag, kann ich nicht bestreiten, aber in Deinem Fall hat Dein Arzt völlig Recht, glaube und vertraue ihm, lG

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Hooks 26.09.2017, 19:44

Wäre diese Therapie wirklichso erfolgreich, wie uns einige Leute Glauben machen wollen, dann wäre diese Therapie längst Standard

So würde ich niemals argumentieren im medizinischen Bereich. Da haben zuviele Menschen und Organisationen ein finanzielles Interesse.

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Winherby 27.09.2017, 00:57
@Hooks

Die KK haben alle, seit längerer Zeit bereits, ein gesteigertes Interesse zu sparen. Für dieses Ziel kommen sehr hilfreiche Therapien wie gerufen, statt weniger wirksame Therapieformen weiterhin zu finanzieren. Und nun liebe Hooks, überleg mal, weshalb wohl die Schroth-Therapie in den letzten 100 Jahren noch keine  Standardtherapieform wurde. 

Um eine Therapie-Empfehlung abgeben zu können ist es zudem sehr wichtig, die Ursache (ob idiopathisch oder sekundär) der Skoliose zu wissen und den Grad der Verkrümmung zu kennen, sowie ob eine Rotation deutlich sichtbar ist, z. B. ein Rippenbuckel. Da die Fragestellerin einerseits dazu keinerlei Angabe gemacht hat, aber andererseits Folgeschäden befürchtet, ist davon auszugehen, dass sie die Skoliose bereits lange hat und dass die Krümmung schon mehr als 20° nach Cobb beträgt.

Und das alles im Kontext zum Alter lässt mMn keine Empfehlung für diese Schroth-Therapie zu. Good n8

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Hooks 27.09.2017, 10:52
@Winherby

Die Therapie nach Schroth besteht hauptsächlich darin, die WS auseinanderzuziehen (das ist doch nicht schädlich für Bandscheiben??) und in diesem Zustand muskulär zu festigen. Das kann auch nicht falsch sein.

Mechanische Unterstützung gibt es dabei von außen durch das sanfte Drücken der verschiedenen Buckel in die richtige Richtung (durch Kissen, auf denen man liegt) und von innen durch den Versuch, die Atmung zu verbessern und an die Stellen zu leiten, wo gerade keine Buckel sind sondern eingebleute Stellen, um von innen die Seite zu dehnen. Das ist mMn die einzige Sache, wo man durch "zuviel" Schmerzen verursachen kann - aber das läßt sich ja individuell steuern.

Ich finde diese Therapie allemal besser als nichts zu tun. Muskelaufbau ist auch im Alter noch möglich!

Die FS schreibt von Schmerzen, und ich halte Muskelaufbau immer noch für sinnvoller, als sich mit Schmerzmitteln vollzustopfen. Bei Skoliose mußt Du aber immer Muskelaufbau auf unsymmetrische Weise betreiben - und das vernachlässigen viele heutige Therapien.

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Hooks 27.09.2017, 10:58
@Winherby

Die KK haben alle, seit längerer Zeit bereits, ein gesteigertes
Interesse zu sparen. Für dieses Ziel kommen sehr hilfreiche Therapien wie gerufen, statt weniger wirksame Therapieformen weiterhin zu finanzieren.

Naja, ich bin davon nicht überzeugt. Wenn man dann mit der Diagnose "rheumatoide Arthritis" mit Cortison und MTX behandelt wird, ist das wesentlich teurer als die einzig wirksame Therapie mit hochdosiertem Vitamin D3 (D-Mangel wurde noch nicht einmal untersucht!). Und es erforderte die zusätzliche Verschreibung von Magenschoner und Antischwitzmittel - das klingt nicht nach Interesse an Sparen.

Genauso wie die Behandlung von Neurodermitis und Depressionen. Da wird zuallererst nach teuren Keulen gegriffen.

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Winherby 27.09.2017, 12:09
@Hooks

Liebe Hooks, ich kenne noch mehr Beispiele, wo die KK die Chance zum Sparen verstreichen lassen (müssen), in den meisten Fällen liegt die Schuld aber nicht bei den KK, sondern am finanziellen Interesse Anderer, die wiederum mit Hilfe von Lobbyarbeit Einfluss auf Regierungen haben. Zu dem von Dir genannten Beispiel sage ich mal nichts, da ich den Fall nicht kenne. Doch wenn es so einfach wäre mit hochdos. Vit. B die genannte Erkrankung zu behandeln, na dann bräuchte der Arzt dieses Vitamin B doch nur zu verordnen und das Problem wäre gelöst. Ich bin sicher, soooo einfach ist es leider nicht.

Zudem gab es in den letzten 100Jahren, seit es die Schroth-Therapie gibt, auch andere Regierungen, die sich nicht von Lobbyisten beeinflussen ließen. Den Regierungen bis 1945 wäre es ein leichtes gewesen, diese Therapie nach Schroth in den regulären Behandlungsplan gegen Skoliose aufzunehmen. Also sooo supererfolgreich war diese Therapie offensichtlich auch zu dieser Zeit nicht gewesen. 

Aber zurück zur Skoliose: Deine Beschreibung "die WS auseinanderzuziehen..." ist als erstes eine extrem laienhafte Formulierung, denn keine WS wird tatsächlich "auseinander" gezogen, das ist bestenfalls eine bildliche Vorstellung. Die Zeiten des Mittelalters, als dies eine beliebte Foltermethode gewesen sein soll, sind vorbei. Das Auseinanderziehen hätte eine sofortige Querschnittslähmung als Folge, da wären die zu erwartenden Bandscheibenschäden nur noch kleine Kollateralschäden. Und der Luftstrom unserer Atemluft lässt sich auch nicht kanalisieren und daher nicht dorthin lenken, wo es nach der Idee der Frau Schroth von Vorteil wäre. 

Und im Zustand der Extension kann auch keine Muskulatur gestärkt werden, eventuell der Lachmuskel, sowie der Schließmuskel.

Ganz oben, in meiner Antwort, habe ich doch genau beschrieben, weshalb diese Therapie nicht zu empfehlen ist, ich war der Meinung dies sei gut verständlich, und ich habe auch geschrieben, dass eine Skoliose-Therapie (egal welche) nur bei Kindern und Jugendlichen wirklich erfolgversprechend ist. 

Aber je älter der Mensch ist, umso mehr haben sich alle an der Bewegung des Körpers beteiligten Strukturen soweit "gesetzt" und an die Fehlstellung angepasst, dass jede statische Veränderung zu Problemen führen kann.  Diese Probleme können bei der FS primär an den (ca. 50 Jahre lang) schräg belasteten Bandscheiben, an den (ca. 50 Jahre lang) einseitig belasteten Bändern, den einseitig belasteten kl. Wirbelgelenken und an den seit 50 Jahren angepassten Muskeln entstehen. Von weiteren potentiellen Möglichkeiten, wie den Auswirkungen der in diesem Alter zu erwartenden Osteochondrose etc., mal ganz zu schweigen, die kommen noch on Top.

Ich denke das sollte sich Jeder gut vorstellen können, es ist doch auch wirklich leicht nachvollziehbar. Das sollte besonders Dir einleuchten, wo Du doch selber im Alter von nur 15 Jahren erfolgreich in Sobernheim warst. Klar nehmen die Älteren das Problem ernster, sind die ernster bei der Sache als Jugendliche, denn die spüren ja auch schon seit längerem die Auswirkungen. Aber diese intensivere Teilnahme dieser Älteren an den Maßnahmen, ist noch lange kein Garant für den gewünschten Erfolg. LG

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Hooks 27.09.2017, 16:32
@Winherby

Ich hatte Deine Aussage schon verstanden. Aber kennst Du denn überhaupt diese Übungen? Die Festigung dabei geschieht durch angespanntes langes Ausatmen auf "f", das übrigens täglich extra geübt wird, u.a. durch Spirometerblasen (das ist eigentlich zum Messen da, aber durch dauerndes Messen wird trainiert, ähnlich wie bei einem Blechblasinstrument). Außerdem wurde gezielt die Ausdauer beim Ausatmen trainiert. Sprich Muskulatur von Zwerchfell und allgemein Bauchmuskeln. Beim Abholen stellte sich mein Vater auf meinen Bauch (Rückenlage), ich konnte ihn problemlos halten. Auch der 3 Tage später stattfindende Landesposaunentag war ein Klacks für mich, obwohl ich wochenlang nicht geblasen hatte.

Also hier eine Auswahl von Streckübungen, so weit ich mich erinnern kann:

  • Mehrmals täglich minutenlang in der Glissonschlinge stehen vor Spiegel, da zieht man sich an einem am Kopf befestigten Flaschenzug selbst hoch bis zu einem gewissen Punkt, den man vorher lernt (Fersen bleiben am Boden), das tut so gut bei Schmerzen. Ist allerdings passiv und beidseitig.
  • Mehrmals wöchentlich bäuchlings Streckbank zwischen zwei Spiegeln, Kopf eingespannt an einem in der Mitte gelagerten Stab, den man abwechselnd mit den ausgestreckten Armen zu sich heranzieht, so daß der andere Arm langgezogen wird. Dabei beobachtet man sich, damit nicht ein Bogen größer gezogen wird; Anstrengung nur bis kurz vorher.
  • Ebenso das "über den Tisch ziehen", wobei der Patient ab Hüfte schräg nach unten liegt und zwei Griffe am Stuhl eines Therapeuten faßt, während dieser langsam mit dem Stuhl nach hinten fährt und dabei ständig die WS nach unten, also Richtung Kopf, ausstreicht. Direkt nach dieser Übung war ich 3 cm größer. Es wird übrigens erwartet, daß man in dieser Zeit der Reha wächst, also größer wird ( = gerader).
  • Aktives Strecken durch viertelstundenlanges Tragen eines ganz eng anliegenden, geformten, 10-20 cm breiten Plastikgürtels, an dem Griffe hängen, wo man sich abwechselnd nach oben stemmt.
  • Aktives Geradeziehen zwischen zwei Stangen und zwei Spiegeln, wobei man die eine Stange auf den Boden drückt und sich darauf lehnt und auf der anderen Seite mit Stange und ausgestrecktem Bein balanciert, wenn ich mich recht erinnere. Faszinierend, wie bei dieser Übung selbst sehr stark verkrümmte Rücken ganz gerade aussehen können. Ich hatte ja nur 19 ° Verschiebung am größten Bogen (BWS), andere hatten wesentlich mehr.

Der Luftstrom läßt sich mit einiger Anstrengung und Übung tatsächlich lenken, wobei ich den Eindruck habe, daß das vermutlich eher die Muskeln waren - aber es geht. (Du kennst Du schon alleine den Unteschiedzwischen Brust- und Bauchatmung, und es gibt eben noch enige Stationen dazwischen)

Es dauert natürlich etliche Übungsstunden, bis man kapiert, was "im rechten Winkel atmen" bedeutet, aber es geht wirklich. Und weil die Übungsstunden da sehr geballt waren, geht das flott innerhalb eingier Tage. Man hat ja eine Einführungswoche. Diese Atmung hat mir sehr geholfen bei den Geburten; ich hatte die verschiedenen Atemtechniken fast sofort drauf.

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Hooks 27.09.2017, 17:46
@Winherby

Doch wenn es so einfach wäre mit hochdos. Vit. B die genannte Erkrankung zu behandeln, na dann bräuchte der Arzt dieses Vitamin B doch nur zu verordnen und das Problem wäre gelöst. Ich bin sicher, soooo einfach ist es leider nicht.

Es ging um Vitamin D, genauer D3; B kann man schlecht messen. Letztes Jahr sprach ich mit meinem Hausarzt noch einmal darüber, als er meinte, warum ich denn eigentlich so eine Diagnose hätte, es sei doch alles in Ordnung, da  sagte ich: ja, seit ich D3 nehme. Und zwar etwa 3,5 mal so viel, wie die Rheumatologin als Höchstdosis erlaubt hatte (ich hatte ihr auch von meinen Erfolgen erzählt). Sie nimmt 20.000 pro Woche, ich 2-3.000 tgl + 50.000 pro Woche.

Kommentar: Ja, wenn man uns messen würde, hätten wir wohl alle D3-Mangel. Klasse Aussage, was? Wenn er das ernstgenommen hätte, wären mir jahrelange MTX-Injektionen erspart bleiben können samt ihrer Dämpfung der Lebensqualität. Und die KK hätte eine Menge an Geld gespart.

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Ich war mit 15 in der Klinik in Sobernheim, das war super. Es waren auch sehr viele Ältere dabei, und auch die verspürten Besserung! Das Alter spielt wirklich keine Rolle, weil es hier um dreidimensionalen Muskelaufbau geht.

Ältere sind vielleicht sogar noch ernsthafter dabei, weil sie wissen, was auf dem Spiel steht. Ich habe es damals ziemlich locker genommen, und selbst mir hatte es geholfen.

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Winherby 27.09.2017, 12:16

Im Alter von 15 Jahren mag diese Therapie super, und von Erfolg gekrönt sein. 

Leider aber ist die FS fast 50 Jahre älter! Fünfzig Jahre sind bei dieser Krankheitsform keine Welten, sondern Galaxien, -leider. LG

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Hooks 27.09.2017, 16:06
@Winherby

Ich habe ja geschrieben, daß auch Ältere da waren, und die paar, mit denen ich gesprochen habe, sagten, ihnen täte das gut.

In all den Vorträgen habe ich nie etwas darüber gehört, daß man das im Alter anders angehen müsse als in der Jugend. Und wir wurden viel Theorie gelehrt da.

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