Sind stark gedämpfte Schuhe immer gut?

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Eigentlich ist es das beste, gar keine Schuhe zu tragen, sehr zum Ärger der Sportschuhindustrie. Der Hauptfehler, der sich beim Gehen und Laufen mit Schuhen fast zwangsläufig einstellt, ist, den Fuß mit der Ferse aufzusetzen. Hier hat die Evolution keine Dämpfung vorgesehen, die Polsterung der Schuhe bringt nicht nur nichts, sondern schirmt außerdem die Selbstwahrnehmung ab, die eine Entlastung herbeiführen könnte. Dazu kommt, daß der Tritt eher instabiler wird und (durch längere Hebel) die Gefahr eines Supinationstraumas (Umknicken) mit Schuhen größer wird.

Die Konstruktion des Bewegungsapparats legt nahe, daß der Fuß vorn aufgesetzt wird, die Kräfte werden über die Achillessehne von drei großen Muskeln des Unterschenkels aufgenommen, die Ferse trifft, wenn überhaupt, den Untergrund ohne oder mit minimaler Krafteinwirkung. Diese "Dämpfung" ist jeder Polsterung, werde sie noch so marktschreierisch beworben, um Größenordnungen überlegen.

Die Ferse ist von der Konstruktion her nicht zum Gehen und Laufen vorgesehen, sondern für einen sicheren Stand.

Sicher ist, daß jemand, der dem barfüßigen Laufen völlig entwöhnt ist, dessen Bewegungsapparat (Muskeln, Sehnen, Bänder) also teilweise verkümmert ist, Wochen, Monate und evtl. Jahre braucht, um die vollständige Funktion zu erreichen. Daher sollte, ohne Übertreibungen, langsam und behutsam ins Barfußlaufen eingestiegen werden.

Dazu kommt, daß bei notorischen Schuhträgern auch die Fußsohle sehr dünn und überempfindlich ist. Bis die Überempfindlichkeit zurückgegangen und die Haut dicker (etwas lederig, aber voll flexibel) geworden ist, braucht auch seine Zeit.

Die Kälteempfindlichkeit nimmt ebenfalls ab, die Durchblutung wird besser. Nach ein bis zwei Jahren dauerhaften Barfußgehens sind durchaus leichte Frosttemperaturen möglich. Da das eine kneipp'sche Anwendung darstellt, werden auch die Abwehrkräfte gestärkt, Erkältungen werden wesentlich seltener.

Da durch den verbesserten (genauer natürlichen) Bewegungsablauf die Stöße in den Körper hinein effektiv vermindert werden, profitieren auch Knie, Hüften und Wirbelsäule davon. Barfußgehen hilft oft bei Rückenschmerzen. Auch harter Untergrund ist bei richtigem Bewegungsablauf überhaupt kein Problem, Strand und Wiese sind gar nicht erforderlich.

Als Barfüßiger fällt man heutzutage sehr auf, da über die Frage "Schuhe oder nicht" in der Regel gar nicht nachgedacht wird. Es wird ähnlich wie ein Tabubruch erlebt, die Reaktionen sind teilweise recht unreflektiert und emotional. Es gibt sogar Leute, die herumpöbeln, aber das sind offensichtlich dumme Menschen, an deren Meinung man sich nicht orientieren muß. Andererseits gibt es oft anerkennende Äußerungen und freundliche Gesichter, mutmaßlich von Menschen, deren Geist etwas freier ist.

Schuhe sind selbst im Alltag verzichtbar, wenn man nicht gerade in einer Fabrik oder auf einer Baustelle zu tun hat (oder bei anderen gefährlichen Situationen, wo die Schutzfunktion gebraucht wird). Bei vielen Sportarten verbessert Barfüßigkeit die Wahrnehmung des eigenen Körpers und der eigenen Kräfte, was wiederum besserer Leistungen bei vermindertem Überlastungsrisiko ermöglicht.

Fußpilz kann ein Barfüiger übrigens nicht bekommen, weil die Voraussetzungen (feuchte Wärme) für die Einnistung des Pilzes fehlen. Ähnlich ergeht es den Bakterien, die den unangenehmen Geruch beschuhter Füße erzeugen.

Zuletzt sei noch erwähnt, daß Barfußgehen und -laufen sehr angenehm ist, man spürt sich selbst und den Grund, auf dem man läuft. Dies wirkt auch der heute verbreiteten Selbstentfremdung entgegen, indem es zur Freude am eigenen Körper und dessen Bewegung beiträgt.

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