Sind Kinderkrankheiten für Erwachsene gefährlicher?

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Viele einst bedrohliche Infektionskrankheiten sind in den Industrieländern dank konsequenter Impfprogramme zurückgedrängt oder nahezu "ausgerottet" worden.

Die Pocken wurden sogar völlig zum Verschwinden gebracht.

Zu den ernst zu nehmenden Infektionskrankheiten gehören auch die so genannten Kinderkrankheiten: Sie sind hoch ansteckend und treten deshalb meist schon im Kindesalter auf.

Infizieren können sich aber auch Erwachsene – unter Umständen mit schwerwiegenden Komplikationen für sich und andere.

Erkrankt ein Jugendlicher oder Erwachsener an einer Kinderkrankheit, ist der Verlauf häufiger ernst, als bei einem kleinen Kind.

Außerdem können erkrankte Erwachsene ihre ungeborenen oder neugeborenen Kinder gefährden.

Typische Beispiele sind die Infizierung einer Frühschwangeren mit Röteln oder die Ansteckung eines Säuglings mit Keuchhusten.

Typische Kinderkrankheiten beim Erwachsenen:

  • Keuchhusten (Pertussis)

Die Erkrankung oder die Impfung hinterlassen eine lang anhaltende aber nicht lebenslange Immunität. Wenn die Immunität abnimmt (bei durchgemachter Erkrankung: nach etwa 15-20 Jahren; bei vollständiger Impfung: nach etwa 10 Jahre) verläuft die Keuchhustenerkrankung bei Jugendlichen und Erwachsenen meist untypisch; sie sind deshalb oft ansteckend ohne es zu bemerken.

So können sie einen ungeschützten Säugling infizieren, bei dem eine Impfung erst ab dem dritten Monat möglich ist. Für diese Altersgruppe ist die Erkrankung besonders gefährlich, denn bei ihnen kann die Atmung aussetzen:

Seltene Komplikationen der Erkrankung sind Lungenentzündungen und neurologische Störungen.

Je älter die erkrankte Person ist, umso höher ist jedoch die Wahrscheinlichkeit eines schwerwiegenden Verlaufs.

  • Masern (Morbilli)

Masern sind eine keineswegs harmlose, hoch ansteckende Infektionskrankheit.

Auch hier wächst die Wahrscheinlichkeit von Komplikationen mit steigendem Lebensalter.

Während bei Kleinkindern auf 10.000 Masernerkrankungen eine Gehirnentzündung kommt, tritt sie bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen bei einem von 500 Maserninfizierten auf.

  • Mumps (Ziegenpeter, Parotitis epidemica)

Häufiger als bei Kleinkindern verläuft Mumps beim Erwachsenen mit Komplikationen. Die Erkrankung dehnt sich auf andere Organe aus, infiziert vor allem die Bauchspeicheldrüse, Gehirn oder Hirnhäute. Eine seltene, aber dennoch typische Folge der Erkrankung ist die meist einseitige, mitunter auch beidseitige Hörstörung.

Eine häufige und besonders unangenehme Komplikation trifft geschlechtsreife Jungen und erwachsene Männer: Bei gut einem Viertel der männlichen Erkrankten tritt eine Hodenentzündung (so genannte Mumps-Orchitis) auf, die zur Unfruchtbarkeit führen kann.

In der Schwangerschaft kann die Erkrankung - vor allem wenn sie während der ersten drei Monate auftritt - eine Fehlgeburt auslösen.

  • Röteln(Rubeola)

Besonders gefürchtet sind die Röteln in der Schwangerschaft: Dann besteht das Risiko, dass die Infektion auf das Kind im Mutterleib übertragen wird.

Dabei kann besonders in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft das Ungeborene schwer geschädigt werden (Röteln-Embryopathie).

Es kann zu Fehlbildungen des Herzens und des Gehirns, zu Blindheit und Taubheit kommen.

  • Windpocken (Varizellen, Wasserpocken)

Kommt es bei einer Schwangeren zu einer Erkrankung, kann dies beim Kind zu Hautnarben, Augenmissbildungen und krankhaften Veränderungen des Gehirns führen.

Ganz besonders schwere Konsequenzen hat es, wenn eine Schwangere 5 Tage vor der Geburt oder bis zu 48 Stunden danach erkrankt: 30 % der zu diesem Zeitpunkt angesteckten Neugeborenen sterben.

(ausführlich: http://www.gesundheit.de/krankheiten/infektionskrankheiten/kinderkrankheiten/index.html)

Sollen sich auch Erwachsene gegen Kinderkrankheiten impfen lassen?

Ja.

Auch Erwachsene können so genannte Kinderkrankheiten bekommen, die teilweise schwerer verlaufen als bei Kindern.

Frauen mit Kinderwunsch sollten vor der Schwangerschaft ihren Impfpass kontrollieren und fehlende Impfungen gegebenenfalls nachholen lassen, da einige Infektionskrankheiten, insbesondere Röteln und Windpocken, während der Schwangerschaft schwerwiegende Folgen für Mutter und Kind haben können.

(...impfenaktuell.de/impfungen-erwachsene-impfen/#c300)

In der Tat können Kinderkrankheiten für Erwachsene gefährlicher sein. Den besten Schutz haben Erwachsene, die bereits im Kindesalter alle Krankheiten "durchgemacht" haben, sei es durch Impfung, oder auch durch die praktische Erfahrung. Ich selbst hatte erst mit 12 Jahren Windpocken. Zwar kein Kind mehr, aber dennoch hat es mich richtig "umgeworfen".

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