Sind Depressionen erblich?

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3 Antworten

Ich glaube, ich selbst bin einer von denen, die der beste Beweis dafür sein können, daß auch bei einer naheliegenden - genetischen oder erworbenen - Veranlagung die Möglichkeit besteht, ein - scheinbar ebenso naheliegendes - Schicksal zu vermeiden.

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Eine gewisse Neigung zu Sensibilität / Empfindsamkeit, auch Melancholie und Tiefsinnigkeit scheint in der Familie zu liegen. Meine beiden jüngeren Brüder sind 1987 und 1992 durch Suizid, im Alter von 29 bzw. 38 Jahren aus dem Leben geschieden. Ich habe diese Ereignisse zum Anlaß genommen, die Ursachen und Zusammenhänge zu erforschen und 1992 - aus Angst - beschlossen, daran etwas zu ändern, um NICHT so etwas zu erleiden.

Trotz intensiver Aktivitäten in Richtung Bewußtseins- und Persönlichkeitsentwicklung kam 1997 für mich die Diagnose "Depression" - und ich fürchtete schon, in Bälde dem - evtl. zwanghaften, nicht zu vermeidenden - Suizid anheim zu fallen. Aber ich erkannte und beschloß weitere Dinge bezüglich meiner Psyche, meiner Denk- und Lebensweise und ließ mir auch psychotherapeutisch helfen.

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So bin ich seit 1997 zwar auf Medikamente (Antidepressiva) angewiesen (die ich wie eine Krücke oder Prothese verstehe), aber die Aktivitäten in Richtung Persönlichkeits- bzw. Selbst-Entwicklung haben dazu geführt, daß ich mein Leben jetzt bedingungslos, unter allen Umständen, annehmen und mich einen bedingungslos glücklichen Menschen nennen kann.

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Im wweiteren Sinne ähnliche Schicksale wie meines hörte ich in den letzten Jahren von etlichen Betroffenen (ich bin ehrenamtlich in der Selbsthilfebewegung engagiert) und alle sagten unisono, daß diese Erfolge nur möglich waren, weil sie sich wirklich für ihre Gesundung und Entwicklung interessiert und engesetzt hatten.

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Auf der anderen Seite gibt es nämlich leider auch sehr viele Betroffene, die trotz immer weiter entwickelter Medikamente und differenzierter Angebote von Psychotherapie, Rehabilitation usw. im Grunde nicht wirklich glückliche Menschen sind.

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Ein bedingungslos glücklicher oder NICHT wirklich glücklicher Mensch zu sein, hat offenbar mit einer - psychischen - Störung oder Erkrankung NICHTS zu tun. Auch MIT einer (evtl. chronischen) Krankheit oder Behinderung kann man DENNOCH ein glücklicher Mensch sein, der für sein Leben dankbar sein kann.

Ich habe auch eine Depression hinter mir, bedingt durch äußere Ereignisse, nicht ererbt - obwohl, da bin ich mir nicht ganz sicher, ob da nicht ein Familiengeheimnis besteht.

Ich wünsche dir, heureka - aber auch allen anderen, die damit zu tun haben - viel Kraft und Mut.

Es gibt immer Situationen, wo man denkt, es ist so schlimm, was mir passiert.

Das nachfolgende Video telativiert diese Annahme. Bitte Lautsprecher einschalten - leider nur auf Englisch

http://www.4marks.com/videos/details.html?video_id=723

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@JinShin

Ein sehr bewegender Film. Hat mich sehr berührt - und gefreut...Danke!

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Lieber heureka47, bewegende Antwort, ich bewundere Deine (mittlerweile) positive Einstellung trotz der Schicksalsschläge! Hut ab!

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Depression und Veranlagung:

Beim Entstehen einer Depression spielt auch die Veranlagung eine Rolle.

Die Wissenschaft unterscheidet zwischen genetischer und erworbener Veranlagung.

(Eine erworbene Veranlagung wird im Gegensatz zur genetischen Veranlagung nicht vererbt, sondern entsteht zum Beispiel durch ein frühkindliches Trauma.)

Im Folgenden ist nur von der genetischen Veranlagung die Rede.

Familien-, Zwillings- und Adoptionsstudien legen nahe, dass bei manchen Menschen eine genetisch bedingte Empfindlichkeit für Depression besteht.

Zwillingsstudien weisen darauf hin, dass im Vergleich zu Effekten der gemeinsamen familiären Umgebung genetischen Faktoren die entscheidende Bedeutung zuzukommen scheint.

Die Zwillingsstudien zeigen umgekehrt aber auch, dass der genetische Faktor nur ein Teilfaktor ist.

Selbst bei identischer genetischer Ausstattung erkrankt der Zwillingspartner des depressiven Patienten in weniger als der Hälfte der Fälle.

Beim Entstehen einer Depression spielen immer auch Umweltfaktoren eine Rolle.

Darüber, wie die mögliche genetische Grundlage der Depression allerdings aussehen könnte, besteht keine Einigkeit.

Einvernehmen herrscht im Moment nur darüber, dass es ein isoliertes "Depressions-Gen" nicht gibt.

Zu bedenken ist, dass zwischen genetischen Faktoren und Umweltfaktoren komplizierte Wechselbedingungen bestehen können.

So können genetische Faktoren z.B. bedingen, dass ein bestimmter Mensch durch eine große Risikobereitschaft sich häufig in schwierige Lebenssituationen manövriert.

Umgekehrt kann es von genetischen Faktoren abhängen, ob ein bestimmter Mensch mit einer psychosozialen Belastung gut zurecht kommt oder depressiv erkrankt.

(http://www.kompetenznetz-depression.de/)

hallööchen, das kann durchaus sein.

nämlich genau dann, wenn ich GLAUBE, das z.b. auch depressionen erblich sind, und ich mich in mein "schiksal" füge.

da der mensch ein lebewesen mit entscheidungsmöglichkeit ist, können wir uns auch dafür entscheiden, das wir depression nicht erben. das bedeutet: ich entscheide mich für ein leben mit viel freude... und da hat depression keinen platz... alles gute

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