Schlaf / Sedierung / Narkose

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Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Servus Taigar,

die gängigen Schlafmittel (wie z.B. Propofol oder Etomidat), die bei beiden Verfahren (Sedierung und Vollnarkose) zum Einsatz kommen, bedeuten nicht grundsätzlich auch eine notwendige Beatmung. Richtig ist, die Medikamente rufen Atemdepression hervor. Je höher die Dosis, desto wahrscheinlicher auch das Aussetzen der Atmung. Was letztendlich die Beatmung unausweichlich macht, ist bei der Vollnarkose die Verwendung eines Muskelrelaxans (wie z.B. Rocuronium oder Suxamethonium) - die letztendlich sind für die Erschlaffung aller Muskeln verantwortlich. Also ist auch eine Atmung nicht mehr möglich. Übrigens ist auch eine Vollnarkose "nur" eine Sedierung. Nur eben eine tiefe. Der Übergang ist fließend und kann durchaus schnell passieren - je nach Dosis.

Je nach Medikament (z.B. Midazolam) wirkt es eher schlaffördernd, bei höheren Dosierungen folgt die Ausschaltung der Wahrnehmung. Da das Präparat primär ein Beruhigungsmittel ist. Man könnte nun die Wirkungsweise aller beteiligten Präparate aufzählen, aber das ist eher nicht die Frage.

Alles in allem hat also der eigentlich normale Schlaf nichts damit zu tun. Es handelt sich um einen künstlichen Schlaf, der durch verschiedene Medikamente hervorgerufen wird (bzw. werden kann).

Wie Alois schon sagte: Es ist nicht bekannt, was tatsächlich in diesen Situationen passiert. Außer das der Patient nun im künstlichen Schlaf liegt. Es ist lediglich bekannt, was die Präparate bewirken bzw. wie sie wirken. Vereinzelt ist selbst das nicht genau bekannt, sondern man erahnt es in diese Richtung.


Achso, um vielleicht noch etwas zu dem oben stehenden Punkt zu sagen, damit es nicht zu irgendwelchen Unklarheiten oder Verwechslungen kommt:

Es gibt verschiedene Möglichkeiten zur Sedierung. Erwägt man tatsächlich eine tiefe Sedierung, also eine Vollnarkose, gibt es ein Standardprogramm. Das besteht, wie schon erwähnt, aus einem Opiat (z.B. Fentanyl), einem Schlafmittel (z.B. Propofol) und in den meisten Fällen aus einem Muskelrelaxans (z.B. Nimbex). Auf Station oder vor dem Eingriff wird in den meisten Fällen zusätzlich zur Prämedikation ein Sedativum verabreicht (wie z.B. Midazolam, bekannt als Dormicum). Im Grunde also Schmerz- und Bewusstseinsausschaltung.

Je nach Zweck gibt es auch einfache Analgosedierungen (Opiat + Sedativum) mit dem Vorteil, der Patient ist schläfrig und schmerzfrei, reagiert aber auf Reize.

Eine "einfache" Sedierung (wie sie eher bekannt ist) ist nahezu das gleiche, außer das es zu keiner Schmerzausschaltung kommt (da kein Opiat verabreicht wird). Auch hier reagiert der Patient auf Reize - vergleichbar mit einem Dämmerzustand.

Grüße

Hi,

Danke für Ihre wirklich ausführliche und hilfreiche Antwort. Sind alles Details die mir nicht bekannt waren und ich als sehr Interesant erachte.

Einfach Top wieviel Zeit Sie sich nehmen um das ganze zu Erklären.

danke und grüße

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Hallo Taigar,

der sog. normale Schlaf ist etwas völlig anderes als eine künstlich herbeigeführte Sedierung, soviel sollte eigentlich klar sein; letztere ist auch schädlich: Das Narkoserisiko steigt proportional mit der Dauer an, weshalb Chirurgen grundsätzlich nicht herumzutrödeln pflegen....

Die wirklichen Grundlagen dieses Themas wurden jedoch nie wirklich umfassend erforscht - tatsächlich sind die tatsächlichen Wirkmechanismen der Narkosegase und auch der meisten Beruhigungsmittel eigentlich weitgehend unbekannt;

Da das einigen Leuten aber nicht so recht passt, werden einzelne Theorien als Wahrheit vorgestellt - in Wirklichkeit weiß man aber kaum etwas wirklich konkretes darüber.

Liebe Grüße, Alois

Hi Alois,

Danke für deine ausführliche und wirklich sehr hilfereiche Antwort. Finds klasse dass du dir die Zeit nimmst hier soviele Fragen zu beantworten.

Ist ja ein unding dass wir tatsächlichen Wirkmechanismen weitgehend unbekannt sind.

Werd mich mti dem Thema mal näher auseinandersetzen so weit wie möglich.

Vielen lieben dank Alois :)

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