Qi gong und Tai chi - Was ist besser für die Entspannung?

2 Antworten

Taijiquan und Qigong sind nicht das Gleiche, sie sind jedoch miteinander verknüpft.

Qigong (Qi = Energie, Atem und Gong = Bemühung, Arbeit) ist eine jahrtausendealte chinesische Disziplin, die Lebensenergie im Körper zu führen. Dazu wurden schon sehr früh Gesundheitsübungen entwickelt. Diese Übungen sind auch bei uns schon sehr lange bekannt, der Begriff «Qigong» hat sich jedoch hier erst in den 30er Jahren des letzten Jahrhundert eingebürgert.

Taijiquan entstand im 17. Jahrhundert, als die chinesische Kriegskunst von den körperlichen zu den technischen Mitteln überging. Einzelne Formen der Kampfkunst wurden miteinander kombiniert zu einer Art Choreographie, der sogenannten «Form». Diese «Form» wurde nun verknüpft mit der Führung der Lebensenergie.

Taijiquan gilt aus diesem Grund als die Königsdisziplin des chinesischen Dao-Yoga (Taijiquan, Qigong, Meditation, Tuina = Energiemassage).

Von einer alten Chinesin weiß ich, wie wichtig der energetische Aspekt des Taijiquan in China genommen wurde (was heute bei uns leider kaum noch der Fall ist). Als sie als junge Frau in China Taijiquan erlernte, forderten ihre Lehrer von ihr, immer zugleich auch die Energie zu führen, überhaupt wurde sie zum Taijiquan nur zugelassen, nachdem sie im Qigong erfahren war. Diese Lehrer merkten sofort, wenn ihre Schülerin die «Form» nur äußerlich als Gymnastik ausführte. Sie musste dann abbrechen und die «Form» von vorn beginnen.

Qi Gong und Taijiquan sind tatsächlich fast das Gleiche, zumindest wenn man es von außen beobachtet. Ich versuche mal, die Unterschiede zu erklären:

Beim Qi Gong lernt man im Grunde Gesundheitsübungen. Das können sehr einfache Übungen sein, die sehr einfach aussehen und auch einfach auszuführen sind. Das Schöne daran ist, dass man sich dabei gut entspannen kann: man muss nicht mehr über die Bewegung nachdenken und kann daher daran denken, die Muskeln zu entspannen. Außerdem brauchen diese Übungen oft nicht so viel Platz, d.h. man kann sie gut in den Alltag integrieren. Es gibt auch komplexere Übungsabläufe, das hängt ganz davon ab, was der Lehrer oder die Lehrerin unterrichtet.

Taijiquan: da lernt man eine "Form", eine Choreographie von Bewegungen. Man bewegt sich dabei sehr langsam, so dass man während man sich bewegt über die Bewegung nachdenken kann. (Übrigens: wenn man die Form schnell machen würde, könnte es fast wie KungFu o.ä. aussehen!). Es gibt sehr viele unterschiedliche Formen, die unterschiedlich lange dauern (von 2-3 Minuten bis hin zu 30 Minuten). Man braucht natürlich etwas Zeit, bis man die Bewegungen gelernt hat, das schult also die eigene Geduld und Konzentrationsfähigkeit! Und ich persönlich finde es gut, dass ich intensiv über die Bewegungen nachdenke, d.h. in meinem Kopf ist dann kein Platz mehr für die Alltagssorgen. Das finde ich sehr entspannend.

Probier einfach mal aus, was Dir besser gefällt. Oft wird Qi Gong auch zum Aufwärmen im Taijiquan-Unterricht genutzt. Probier auch verschiedene Lehrer und Lehrerinnen aus, denn Du solltest Dich bei ihm oder ihr wohl fühlen.

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