Psychologie: wie mit einem 87-jährigen, geistig fitten, gelangweilten, extrem neugierigen ADHS-Senior umgehen, ohne sich die eigene Gesundheit zu ruinieren?

...komplette Frage anzeigen

7 Antworten

Ich halte hier auch am meisten von Konsequenz. Natürlich kannst Du Deinen Opa nicht von Grund auf ändern. Aber Du kannst ihm schon verständlich machen, was Du nicht mitmachst und tolerierst und ihm klare Grenzen setzen. Sich aufregen bringt gar nichts, macht Dich nur krank und ändert sein Verhalten nicht. Ihn deswegen ins Altenheim abzuschieben oder damit zu drohen, finde ich auch daneben. Außerdem kannst Du ihn gegen seinen Willen vermutlich gar nicht dazu zwingen (ich nehme mal nicht an, dass Du eine diesbezügliche Betreuung hast?).

Aber Du solltest ihm zeigen, dass sein Verhalten Konsequenzen hat. Gesagt hast Du es ihm schon oft genug. Geistig klar scheint er ja zu sein. Ich würde ohne viel Aufhebens, wenn er wieder Deine Taschen durchwühlt, sofort gehen. Ihm klar sagen und zeigen, dass das die Konsequenz ist. Und dann vielleicht mal eine Woche nicht kommen. Völlig den Kontakt abbrechen würde ich an Deiner Stelle deswegen nicht, wenn er auch menschlich gute Seiten hat, das könntest Du später bereuen, wenn er mal tot ist.

Dass er sich langweilt, ist meiner Ansicht nach sein Problem. Er ist ein erwachsener Mensch. Es ist seine Verantwortung zu entscheiden, was er mit seiner Freizeit macht. Du kannst ihm Vorschläge und Ideen geben, aber wenn er sie nicht annimmt, ist das sein Problem. Und auch sein gutes Recht. Du kannst Dich aber auch dagegen verwehren, dass er sich in Dein Leben einmischt. Nicht mehr alles erzählen, klar sagen, welche Kommentare unerwünscht sind und dann das Thema wechseln z.B.

Und mit "Internet-Diagnosen" solltest Du vorsichtig sein, und woher kommt eigentlich die ADHS-Diagnose?

Viel Glück für Euch beide!

Vielen Dank für das Statement und die Tipps!

ADHS: Die Symptome hat er schon seit Leben lang. Und es passt fast alles zu dieser Diagnose: Hyperaktivität, ständige Unruhe, nicht zuhören können, extrem leicht ablenkbar, u.v.a.m.

0

Ich gehe hier vielleicht etwas gegen den Strom, aber das ist meine Meinung:

Du bist in allererster Linie für dich und deine eigene (geistige) Gesundheit verantwortlich. In dem Moment wo du dir jemand so zu schaffen macht, musst du die Notbremse ziehen und dich selber schützen. Es gibt gewisse Grenzen, die niemand überschreiten darf, egal wie alt oder krank, egal ob Freund oder Familie und egal wie viele gute Eigenschaften dieser Mensch sonst hat.

Du musst deinem Opa klipp und klar sagen, welches Verhalten du nicht tolerierst und zwar so konkret wie möglich. Nicht: "Ich finde es doof dass du immer alles besser weißt", sondern: "es geht nicht, dass du meine Taschen durchwühlst".

Er muss wissen, dass dir dieses Verhalten schwer zusetzt und dass du ihn nicht mehr besuchen kannst, wenn sich daran nichts ändert. Du solltest dich auf das Gespräch vorbereiten und ihm die zwei Alternativen aufzeigen: 

  • Er reißt sich zusammen, lässt die Finger von deinen Privatangelegenheiten, du kommst weiterhin gerne vorbei um ihm Gesellschaft zu leisten und alles ist gut
  • Wenn es doch noch einmal vorkommt, kommst du nicht mehr. Wichtig ist, dass du auch hier so konkret wie möglich bist: Es kommt dieser und jener Pflegedienst, ich bin in der Zeit auch telefonisch für dich nicht mehr zu erreichen. Wenn etwas wichtiges ist, kann mich der Pflegedienst anrufen, ich gebe ihnen meine Nummer. In einem Monat komme ich wieder und dann schauen wir ob wir besser zurechtkommen.

Alles weitere ist seine Entscheidung, er ist ein erwachsener Mensch und du stellst ihn vor die Wahl ohne etwas unmenschliches zu verlangen.

Ganz wichtig ist, dass es hier nicht darum geht, deinen Opa irgendwie für sein Fehlverhalten zu bestrafen oder umerziehen zu wollen. Das musst du ihm auch klar machen. Es geht ganz alleine darum, dass du dich selber schützt.

In dem Alter kannst du ihm nichts mehr beibringen. Auch ändern lässt sich so ein alter Mensch nicht mehr - kenne das aus eigener Erfahrung. Ich habe das bei meinem Vater auch versucht und bin auf die Schnauze gefallen. Habe es dann auch mal mit "deutlichen" direkten Worten versucht (ihm mal so richtig die Meinung gesagt) - das Resultat war, dass er 6 Monate mit mir nicht mehr gesprochen hat.

Sei froh dass der alte Mann gesund ist und nimm ihn so wie er ist. Wer weiß wie lange er es noch macht. Danach tut es dir womöglich Leid wenn du zuviel gekontert hast. Lass ihn einfach machen. Und wenn ihm irgendwann zu langweilig wird, wird er sich schon selbst Beschäftigung suchen.

Mein Vater sagte mal zu mir, als ich ihm gesunde Ernährung näher bringen wollte: "Du bist noch jung und dumm und hast keine Ahnung. Ich weiß mehr als du weil ich mehr Lebenserfahrung habe!" Dabei bin ich 50!!! Da ist man dann erst einmal sprachlos. Ähnlich mit Handys: seit Jahren zeige ich ihm wie man eine SMS schreibt, aber er bekommt das nie hin. Aber ich bin der der nichts weiß... Heute habe ich ihm mein altes Smartphone geschenkt. Mal sehen... :-))

Tja, so ist das mit den Alten. Mach das beste draus und lach auch mal drüber!!!


Das dich das nervt ist mehr als verständlich ABER...

wer weiss wie wir mal sein werden?

Wie lang wird es ihm noch so gut gehen wie lang wird er leben?

Er hat ein stolzes alter und wer weiss was er alles schon erleben musste.

Freu dich das er fit ist und versuche dich nicht aufzuregen denn das wirst du später bereuen.

Was ist schlimmer neugierige Nervensäge oder Opa der am Sauerstoff im Krankenhaus hängt? Ich denke dann würdest du dir von Herzen wünschen er würde fit in deiner Tasche kramen.

Nimm alle verfügbaren Taschen und Beutel, die du hast und stelle sie in Opas Reichweite. Dann lege in jedes Teil etwas hinein, was ihn eigentlich nicht interessiert. Bonbons, Blätter, Einlegesohlen und irgend welchen Quatsch. Da hat er erst einmal zu tun.

Auch Prospekte von Seniorenheimen sollten darin versteckt sein, mit dem Vermerk wie bei kleinen Kindern, wer neugierig ist und Blödsinn macht, der darf nicht mehr zu Hause bleiben.

In dem Alter erziehst du ihn nicht mehr um, sei froh, dass er nicht dement ist, das ist noch viel schlimmer. Alles Gute.

Verdammt  jetzt hab ich aus versehen auf danke geklickt...

"Auch Prospekte von Seniorenheimen sollten darin versteckt sein, mit dem Vermerk wie bei kleinen Kindern, wer neugierig ist und Blödsinn macht, der darf nicht mehr zu Hause bleiben."

hofffe du  hast dich verschrieben oder das ist nicht dein ernst? Sowas ist total kindisch und alles andere als respektvoll. Willst du gedroht bekommen abgeschoben zu werden weil du zB in die Windel machst?

Da kriegt man echt Angst alt zu werden

4
@help4you

So war das keinesfalls gemeint, er sollte ja nur beschäftigt sein. Meinen Vater habe ich jahrelang gepflegt, er hatte Demenz und ich weiß, was das bedeutet. Der Hinweis mit den Prospekten sollte auch nicht respektlos klingen, aber er hat bei uns immer geholfen. Denn als es zu Hause nicht mehr ging und er bettlägerig wurde, dann haben wir ihm gesagt, dass er in so ein schönes "Hotel" kommt, wo er sich immer die Bilder angesehen hat. Ob er es verstanden hat, das weiß niemand, er konnte zu der Zeit schon nicht mehr sprechen, aber auf seinem Gesicht lag ein lächelnder zufriedener Ausdruck.

Also, wenn das etwas anders als gewollt rüber gekommen ist, Sorry.

2

Ich weiß nicht, was Du daran als ADHS siehst. Diese Menschen haben meist reichhaltige Interessen und wollen sie mit anderen teilen. Das scheint mir eher Unerzogenheit zu sein.

Wieso bist Du überhaupt alle 2 Tage da? Mach Dich doch rar und gehe einmal die Woche hin. Ich würde ihn auch einmal genau danach ausfragen, warum er nicht in einen Verein gehen will. Vielleicht kennt er das nur nicht. Nimm doch mal das VHS-Programm mit, da gibt es doch massenweise Angebote fur Senioren.

Ich halte es sowieso für eine sehr schlechte Idee, wenn eine ein einzelne Person alle mitmenschlichen Kontakte ersetzen soll.

unser Opa ist mit seinen 83 Jahren sehr engagiert in der Asylantenhilfe. Vielleicht wäre das etwas für ihn?

ADHS: Die Symptome hat er schon seit Leben lang. Und es passt fast alles zu dieser Diagnose: Hyperaktivität, ständige Unruhe, nicht zuhören können, extrem leicht ablenkbar, u.v.a.m.

VHS-Programm, Urlaubs- und Kur-Prospekte, Seniorenkreise, Veranstaltungshinweise u.v.a.m.: habe ich Ihm alles schon mitgebracht und nahegelegt. Ergebnis: NULL Interesse. Er möchte in seinem täglichen Trott weiter machen, lehnt jede kleinste Veränderung ab und sein liebstes Hobby ist es mir, den Nachbarn u.a. auf die Finger zu gucken, Kommentare abzugeben und alles besser zu wissen...

0
@elvislebt

Trotzdem entstehen bei ADHS diese Symptome aus Interesse an anderen Dingen heraus, da kann es gar keine Interesselosigkeit geben.Außerdem gab es diese Diagnostellung früher nicht. In den 70er-und 80er Jahren nannte man das noch MCD. Gut, wenn das sein liebstes Hobby ist, dann sage ihm klar, daß das eines ist, das man alleine ausüben muß. Und dann kommst Du eben eine Weile nicht ,mehr, und dann nur noch höchstens 1x pro Woche, das reicht. 6oder noch seltener.

0

Nimm einfach nichts mehr mit, was er durchfühlen kann. Leere Mantel- oder Jackentaschen werden auf Dauer langweilig.

Und zu Drohungen à la:

Ihm drohen: du kommst ins Altersheim, wenn du noch mal so was machst?
Eine Werbung vom Altersheim auf den Tisch legen mit dem Vermerk "da
kommen Leute hin, welche die Sache von anderen durchwühlen"?

solltest du dich nicht hinreißen lassen, die sind unterste Schublade.

Was möchtest Du wissen?