Patientenverfügung und Suicidversuch

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Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Zunächst würde ich überlegen, ob ich das einen Selbstmord nennen will, denn bei einem Mord werden immer niedere Motive angenommen.

Sollte es sich um einen Freitod oder Suizid handeln, kann davon ausgegangen werden, dass die Rettungskräfte zunächst alles in ihrer Macht liegende tun werden einen zu retten. Wer das verhindern will, muss gut vorsorgen. Die Patientenverfügung kann jedoch die lebenserhaltenden, lebensverlängernden und/oder wiederbelebende Massnahmen untersagen, bzw. ihre Einstellung fordern. Sie kommt aber i.d.R. erst nach der Notfallbehandlung zur Kenntnis. Um sie zur Anwendung zu bringen und durchzusetzen, bedarf es eines oder mehrerer geeigneter Bevollmächtigter.

Wenn jemand z.B. einen alters- oder krankheitsbedingten Bilanzsuizid begehen will, empfiehlt es sich Angehörige oder andere vertrauenswürdige Personen einzuweihen, die einen dann dabei unterstützen können. Einige davon können mit Vollmachten ausgestattet werden, die es ihnen erlauben den mutmaßlich aktuellen Willen zur Geltung zu bringen.

Wichtig ist dann noch eine Methode zu wählen, bei der Andere nicht traumatisiert werden. Am humansten und universell anwendbarsten ist hier der freiwillige Verzicht auf Nahrung und Flüssigkeit (siehe www.fvnf.de). Zur Sicherheit sollte eine Modifizierung der Garantenpflicht unterschrieben werden, die die Begleiter von der Verpflichtung zur Lebensrettung entbindet. Zudem sollte ein vertrauenswürdiger und verständnisvoller Arzt eingeschaltet werden, der einen palliativmedizinisch begleitet.

Du kannst Dir ziemlich sicher sein, dass - Patientenverfügung hin oder her - alles Menschenmögliche getan wird, um den Lebensmüden zu "retten". Die Ärzte, die erkennen, wenn "der Sterbeprozess bereits eingesetzt" hat und dann auf Wiederbelebungsmassnahmen verzichten, kannst Du mit der Lupe suchen. Das ist verständlich, denn sie müssen damit rechnen, wegen unterlassener Hilfeleistung oder Schlimmerem vor Gericht zu kommen.

Zu diesem Thema kann ich Dir ein wunderbares Buch empfehlen: Michael de Ridder, "Wie wollen wir sterben", Ein ärztliches Plädoyer für eine neue Sterbekultur in Zeiten der Hochleistungsmedizin.

Weiter hilft da wohl eher: Chabot, Boudewijn / Walther, Christian: Ausweg am Lebensende – Selbstbestimmtes Sterben durch freiwilligen Verzicht auf Essen und Trinken

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