Patientenverfügung/ Operation

2 Antworten

Was passiert, wenn keine Patientenverfügung vorhanden ist?

Ohne Einwilligung des Patienten dürfen Ärzte keine Behandlungen durchführen. Ohne sie geht der Arzt das Risiko ein wegen Körperverletzung strafrechtlich belangt zu werden. Ist nun der Patient nicht in der Lage seinen Willen mitzuteilen, muss der mutmaßliche Wille aus allen dem Arzt zur Verfügung stehenden Anhaltspunkten ermittelt werden. In der Regel wird dann bei schwerwiegenden Eingriffen vom Betreuungsgericht ein Betreuer bestellt. Immer wieder kommt es dann dazu, dass Patienten entgegen ihrem eigenen wirklichen Willen Behandlungen unterzogen werden. **Im Zweifel ist der Arzt verpflichtet, sich für lebenserhaltende und lebensverlängernde Maßnahmen zu entscheiden. Ist auch der konkrete Wille des Patienten aus einer Vorsorgevollmacht oder Betreuungsverfügung bekannt, so kann doch der Betreuer oder Bevollmächtigte nicht allein für den Patienten entscheiden, sondern es muss auch hier erst die Genehmigung des Betreuungsgerichts eingeholt werden. Der Verfügende (aus Vorsorgevollmacht oder Betreuungsverfügung) kann sich also nicht sicher sein, ob sein Wille in Bezug auf schwerwiegende medizinische Fragen, vor allem aus dem Bereich der passiven Sterbehilfe, auch wirklich ausgeführt wird.

Quelle: http://www.verfuegungszentrale.org/cms/front_content.php?idcatart=175&lang=1&client=1

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Also ist die Patientenverfügung laienhaft ausgedrückt die Vollmacht die ich dem Arzt erteile, mich nicht an Lebenserhaltene Maschinen anzuschliessen, falls die OP nicht positiv verläuft. Was ist, wenn die Heilungschancen aber dennoch gut sind, ich erstmal im Koma bin? Und was passiert, wenn ich sie nicht erteile und liege im Koma? Ist man dann solange an der Maschine angeschlossen, wie man durch sie am leben bleibt?

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@relait

angeschlossen an Maschinen bis man das zeitliche segnet?

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@relait

Naja, das Thema ist doch sehr komplex. Eine Vollmacht kann man das eigentlich eher weniger nennen. Denn diese Verfügungen dienen ja dazu, seinen eigenen Willen auszudrücken - auch wenn man dazu in einer bestimmten Lage nicht mehr fähig ist. In dieser Verfügung kann man verschiedenes festlegen.

Zum Beispiel:

  • ob man künstlich ernährt werden möchte, oder nicht.
  • ob auf lebensverlängernde Maßnahmen verzichtet werden soll, oder nicht.
  • usw.

Sagen wir mal so:

Operationen verlaufen nur sehr selten mit Komplikationen. Ich bin jetzt seit 6 Jahren als Chirurg im Krankenhaus tätig und habe dementsprechend schon hunderte Operationen durchgeführt - sowohl als Operateur, als auch als Assistent. Mit hunderte meine ich: > 200 Operationen.

Ich kann mich - da bin ich ganz offen - nur an 4 Operationen erinnern, bei denen es intraoperativ (also während der OP) zu Komplikationen kam. Selbst diese Komplikationen waren nur geringe. Also es gab bisher keine schwerwiegenden Komplikationen, die eine Reanimation oder ähnliches benötigt haben.

Solche Vorfälle sind wirklich sehr sehr selten. Allgemein kommen mittlere bis schwerwiegende Komplikationen nur relativ selten vor. Glücklicherweise. Also eigentlich kann man sagen, das die Operationen - und natürlich auch die Narkose - heutzutage mehr als ungefährlich bzw. unproblematisch ist.

Die Angst, nicht mehr aufzuwachen oder andere Horrorszenarien sind eigentlich eher dem Fernsehn und Internet zu verdanken und hat mit der Realität nur sehr wenig zu tun. Denn so wie es gerne geschildert wird, läuft es eigentlich fast nie ab.

Ich weiß, die Aufklärungen schrecken manchmal sehr ab. Gerade weil dort von vielen Komplikationen und Folgen geredet wird. Aber das gehört leider dazu. Eine lückenlose Aufklärung ist die Rechtsgrundlage. Aber wie schon gesagt: Intraoperativ kommt es nur sehr selten zu Problemen.

Was ist, wenn die Heilungschancen aber dennoch gut sind, ich erstmal im Koma bin?

Etwas unklar. Meinst Du ein künstliches Koma? Wenn ja, dann kann man das ja beeinflussen. Denn das ist ja ein gewolltes "Koma". Mit dem Sinn und Zweck, das sich der Körper erhohlt. Das ist also nichts wildes. Auch völlig unproblematisch.

Handelt es sich um das "normale" Koma, dann ist genau das der Fall, indem alles mit Angehörigen geklärt werden muss. Dort muss man dann darüber sprechen. Da spielt sicherlich auch die Heilungschancen bzw. die Prognose eine wichtige Rolle.

Und was passiert, wenn ich sie nicht erteile und liege im Koma? Ist man dann solange an der Maschine angeschlossen, wie man durch sie am leben bleibt?

Wie gesagt, wenn keine Patientenverfügung vorliegt, muss mit Angehörigen und ggf. auch mit dem Hausarzt Kontakt aufgenommen werden. Denn diese Personen können Deinen Willen wohl am Besten einschätzen - wenn Du nicht dazu fähig bist. Sie entscheiden dann, wie es weiter gehen soll.

Darüber hinaus kann der behandelnde Arzt auch dann alle Maßnahmen die das Leben erhalten anordnen bzw. durchführen. Das heißt: Du wirst in diesem Fall an die Maschine angeschlossen, damit das Leben erhalten wird. Denn es besteht ja immer die Möglichkeit, das man aus einem Koma wieder erwacht.

Ich hoffe, ich habe nichts vergessen... Und... Ich hoffe, ich hab das jetzt alles verständlich geschrieben :)

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@Nic129

Danke für Ihre ausführlichen Antworten. Es ist für mich die erste Operation, deswegen hab ich bisschen Bammel davor. Aber ausfallen lassen kann ich sie (leider) nicht und eine Hüft OP klingt trotzdem mehr nach Routine als eine Herzoperation. Was mir Sorgen bereitet ist die Narkose, also der Moment wenn man merkt das es losgeht und man nichts gegen tun kann, das stelle ich mir nicht sehr prickelnd vor. Mal schauen ;-)

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@relait

Bitte Bitte, kein Problem.

Man kann die Hüft-OP durchaus als Routine ansehen. Die wird ja täglich in nahezu jedem Krankenhaus durchgeführt. Also nichts, was man nicht jeden Tag hat.

Vor der Narkose brauchst Du auch kein Bammel zu haben. Es gibt sogar Patienten, die bekommen diese Operation in Spinalanästhesie gemacht und sind dementsprechend voll ansprechbar. Aber Vollnarkose ist da doch weniger belastend. Also wie gesagt: Vollnarkosen sind in der heutigen Zeit auch kein wirkliches Risiko mehr und auch viel besser verträglich, als früher.

Mach Dir da mal keine Sorgen. Diese Horrorszenarien, die man immer wieder mal so im Fernseh sieht oder im Internet liest, sind meistens fernab von der Wirklichkeit. Also wach werden, das wirst Du sicherlich ;-)

In der Tat! Einfach ganz entspannt sein. Vor der OP bekommste ja auch eine "Leck-mich-am-Arsch-Pille". Wenn Du Glück hast, bekommst Du die Prozedur in der Einleitung schon gar nicht mehr richtig mit - nur noch so halb. Ansonsten ist das ja auch nur halb so schlimm.

Lass Dich überraschen! ;-)

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@Nic129

Ich glaub auch das es nichts bringt, wenn man sich vorher allzu verrückt macht, die Operation ist noch früh genug...auf die neue Frage von jetzt eben zu Vollnarkose, müssen Sie nicht antworten ;-)) danke

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Es wird zu einer gängigen Praxis im Krankenhaus bei der Aufnahme nach einer Patientenverfügung gefragt zu werden. Das heißt aber nicht, dass wir sie dort vorlegen müssen. Wenn wir nicht vorzeitig an unserer Patientenverfügung sterben wollen, sollten wir sie zuhause lassen und im Krankenhaus nur angeben, dass wir eine haben und wer die Bevollmächtigten sind. Dafür ist es wichtig rechtzeitig (ab der Volljährigkeit) Vollmachten auszustellen (Vordruck dafür können hier kostenlos heruntergeladen werden: http://www.patientenverfuegung.de/vollmachtenformulare/vollmacht-gesundheit).

Wenn Sie nicht möglichst schnell versterben wollen, genügt es, wenn Ihre Bevollmächtigten unverzüglich benachrichtigt werden, sich von den Ärzten über Ihre Lage aufklären lassen und dann mit ihnen erörtern welche Maßnahmen nun zu treffen sind. So sieht es auch das Gesetz vor (BGB 1901b). Wenn die Patientenverfügung schon vorher im Krankenhaus vorliegt, kann es dazu führen, dass Ärzte sie lesen und im vorauseilenden Gehorsam danach handeln, bevor sie sich mit den Bevollmächtigten beraten haben. Das muss dann nicht in Ihrem besten Interesse sein.

Da Sie freiwillig ins Krankenhaus gehen – wohl in der Hoffnung hinter besser dazustehen als zuvor – kann das Vorlegen der Patientenverfügung bei der Aufnahme kontraproduktiv sein. Wenn in Ihrer Verfügung z. B. steht, dass Sie nicht reanimiert werden wollen, dann kann es sein, dass die Ärzte es ablehnen Sie überhaupt zu behandeln; so war es meinem Vater bei einer Hüft-OP ergangen. Sollten Sie auf dem Operationstisch oder der Intensivstation einen Herz-/Kreislaufstillstand haben, ist das der beste Ort dafür, denn dort stehen die Chancen erfolgreich wiederbelebt zu werden am höchsten (ca. 30 %). Sie werden dann also erst mal wiederbelebt und wenn es erfolgreich war, ist es hoffentlich in Ihrem Sinne. Wenn nicht, werden Sie so lange künstlich am Leben erhalten, bis Ihre Bevollmächtigten erschienen sind und mit den Ärzten Ihren mutmaßlich aktuellen Willen eruiert haben. Wenn dann aus der Verfügung hervorgeht, Sie hätten gar nicht wiederbelebt werden wollen, können die lebenserhaltenen Maßnahmen eingestellt werden, mit der Konsequenz, dass Sie an Ihrem Krankheitszustand natürlich versterben dürfen.

Damit Ihre Bevollmächtigten aber wissen und belegen können, was Ihr Wille ist, brauchen sie eine Patientenverfügung, denn ohne müssten sie erst einen Richter davon überzeugen, dass Sie in der aktuellen Situation nicht mehr am Leben erhalten werden möchten. Eine über die Empfehlungen des BMJ weit hinausgehende aber vollständig legale Vorlage können Sie am oben angeführten Orte finden. Sie ist als Ankreuzvariante auch sofort kostenlos nutzbar.

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