Patientenverfügung - künstliches Koma ablehnen möglich?

3 Antworten

Ja, das ist rechtlich möglich.

Eine konkrete, sorgfältig abgefasste Patientenverfügung ist nach geltender Rechtslage für alle Beteiligten verbindlich. Dies gilt laut BGH-Beschluss 2005 auch (und gerade) bei gewünschten Abbruch der Behandlung bzw. künstlichen Ernährung für den Fall des Wachkomas, wenn der Patient nicht im Sterben liegt, sondern noch viele Jahre leben könnte. Dies sieht ausdrücklich auch die Bundesärztekammer so vor.

https://www.patientenverfuegung.de/hintergruende

In der Praxis sieht das leider immer noch etwas anders aus. Denn zum einen werden Patientenverfügungen oft so schwammig formuliert (z. B. "ich lehne es ab, an Schläuchen dahinzuvegetieren"), dass es im Falle eines Falles großen Ermessensspielraum gibt. Es wird empfohlen, keinen standardisierten Text aus dem Internet zu verwenden, sondern ausführlich zu beschreiben, was genau man da eigentlich ablehnt.

Bei jungen Menschen wie Dir kommt noch ein weiterer Stolperstein hinzu. Wenn Du jetzt eine diesbezügliche Patientenverfügung machst, der Fall des Falles aber erst Jahre oder gar Jahrzehnte später eintritt, wird man sich fragen, ob Du nicht vielleicht inzwischen Deine Meinung grundlegend geändert und nur vergessen hast, auch dies schriftlich zu hinterlegen. Daher wird empfohlen, die Patientenverfügung spätestens alle zwei Jahre neu zu unterschreiben und damit zu bekräftigen, dass der hinterlegte letzte Wille weiterhin aktuell ist.

Fazit:

  • Eine Patientenverfügung muss "wasserdicht" formuliert sein, um eine Chance zu bekommen, im Ernstfall auch beachtet zu werden. Lass Dich entsprechend beraten!
  • Die Ausführung Deines letzten Willens liegt auch weiterhin in den Händen von Menschen, die das Genfer Ärztegelöbnis (früher: "Hippokratischer Eid") so verstehen, dass der Arzt Leben retten und nicht beenden soll. http://flexikon.doccheck.com/de/Genfer_%C3%84rztegel%C3%B6bnis
  • Es wird empfohlen, seinen diesbezüglichen letzten Willen auch im Familien- und Freundeskreis immer wieder klarzustellen. Wenn es hart auf hart kommt, d. h. Deine niedergelegte Verfügung gerichtlich eingeklagt werden muss, sollen solche zusätzlichen "Zeugenaussagen" angeblich von Nutzen sein.

evestie: Wenn die Fragestellerin das künstliche Koma schlechthin meint, wird ein Ausschluss nicht respektiert werden, weil das künstliche Koma i.d.R. bei Menschen angewandt wird, um Körperfunktionen vorübergehend zu entlasten.

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@kreuzkampus

Na und? Es soll überhaupt kein künstliches Koma eingeleitet werden. Da wird es nicht heißen: "Ich möchte im Falle eines künstlichen Komas nicht an Schläuchen hängen." Da wird es heißen: "Bei Nichteintreten eines komatösen Zustandes durch Unfall oder Erkrankung selbst lehne ich die Herbeiführung eines solchen Zustandes, die unmittelbar einem chirurgischen Eingriff vorausgeht, durch Medikamente ab. Auch lehne ich die medikamentöse Verlängerung eines durch einen Unfall oder eine Erkrankung eingetretenen komatösen Zustandes ab." Die genaue Formulierung muss ich sicher noch ändern; ich hatte bisher nicht die Möglichkeit, mir da eine wirkliche Beratung zu holen. Aber ich denke, Du verstehst, was ich meine.

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Ich würde mich auf jeden Fall beraten lassen, in jeder Beziehung, auch was das künstliche Koma betrifft. Habe das Gefühl, dass du damit negative Erfahrungen gemacht hast und jetzt Angst davor hast. Aber es kann eben auch "kleinere" Sachen geben, zB ein Schädel-Hirn-Trauma, was dann ein kurzfristiges künstl. Koma erfordert. Dadurch soll dann die Heilung beschleunigt und erleichtert werden. Du bist so jung, da sollte man diesen Schritt der Ablehnung nicht "leichtfertig" gehen. Anhand dessen, was du schreibst, sehe ich ja, dass du dich ernsthaft damit befasst und will es auch nicht irgendwie abtun, so ist das leichtfertig auch nicht gemeint. Wenn du einen vertrauensvollen Hausarzt hast, dann rede mit ihm /ihr und lass dich bei der Formulierung beraten. Wenn du genau sagst was du willst bzw nicht willst, kann der dir dabei helfen. Wenn du dann auch eine enge Vertrauensperson im Familien-Freundeskreis hast, rede mit der. Nicht zwecks Beratung sondern zur Information, was,wie und evtl auch warum, damit jemand da ist der bescheid weiß und deinen Wunsch versteht. Falls was ist, kann er dich so auch vertreten. Ich bin selbst Mutter und weiß, was ich nicht möchte, vor allem, wenn ich es nicht verstehen kann. Wünsche dir alles Gute und das wir hier nur in der Theorie reden. Hoffe, ich konnte dir helfen?!?

Ja, ist möglich. 

Wie Evistie schreibt: Es kommt darauf an, die Situation, in der die Verfügung greifen soll, so exakt und eindeutig wie möglich zu beschreiben. Auch sollte dezidiert aufgeführt werden, welche Maßnahmen in diesem Fall zu unterlassen sind (maschinelle Beatmung, Anlage einer Ernährungssonde, Maßnahmen der Reanimation etc.).

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