Muß sich der Arzt an eine Patientenverfügung halten?

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3 Antworten

Patientenverfügungen sind nach wie vor ein zweischneidiges Schwert. Der Arzt muss sich daran halten, aber die meisten haben nach wie vor Angst davor, dies zu tun.

Gerade wenn du z. B. noch zuhause erfolgreich reanimiert worden bist, aber verfügt hast, dass du nicht künstlich am Leben gehalten werden möchtest, ist das sehr schwierig.

Der Arzt darf die Geräte abschalten, theoretisch auch gegen den Willen der Angehörigen, weil es schließlich deine Entscheidung war, es nicht zu wollen. Trotzdem bleibt ja immer noch ein Restleinchen an Hoffnung, dass du wieder halbwegs genesen könntest und er es deswegen nicht macht.

Aber grundsätzlich lässt sich deine Frage mit "JA" beantworten (auch wenn die Praxis anders ausschaut).

Der Gesetzgeber verlangt, dass eine Patientenverfügung konkret sein soll. Dafür ist es hilfreich zu differenzieren, wann bestimmte Maßnahmen unterlassen werden sollen, statt pauschal Aussagen wir "keine Maximalversorgung" zu benutzen, zumal sicher keine Einigkeit darüber besteht, was darunter zu verstehen ist.

An eine konkrete Patientenverfügung, die auf die Situation paßt, muss sich ein Arzt halten. Dafür ist es aber hilfreich, wenn ein Bevollmächtigter darauf achtet, weil es sonst evtl. nicht auffällt, dass der Arzt die PV ignoriert.

Die Bundeszentralstelle Patientenverfügung bietet ein Hinweiskärtchen zum Bei-sich-tragen an, aus dem hervorgeht, dass vorgesorgt wurde und wer im Notfall benachrichtigt werden kann. Für dort hinterlegte Patientenverfügungen wird auch ein Notfallpass angeboten, aus dem hervorgeht, was im akuten Notfall gemacht werden soll und was nicht, und wer benachrichtigt werden soll.

Die Bundeszentralstelle Patientenverfügung hilft auch bei der Erstellung von Patientenverfügungen und bietet dazu kostenlose Beratung an. Deren Adresse ist www.patientenverfuegung.de

Interessant kann auch die Seite standard-patientenverfuegung.de sein, wo man sich selber eine Patientenverfügung zusammenstellen kann, die einem dann mit Vorsorgevollmachten und dem Hinweiskärtchen zugesandt wird.

Ja, er muß.

Ein besonderer Ausweis ist nicht verfügbar.

Hast Du Deine Verfügung im Unglücksfall nicht dabei, muß er jedoch davon ausgehen, daß Du weiterleben willst - unter allen Umständen. Würde er Dich dann nicht retten, wäre das eine strafbare Handlung. Hier hilft auch nicht der mündliche Hinweis eines Angehörigen - der Arzt braucht das alles schwarz auf weiß. Taucht die Verfügung im Verlauf dann auf, kann er ja seine Behandlung immer noch abbrechen.

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