Frage von sonne123, 93

Morphium - ein Segen in der letzten Lebensphase?

Hallo,

ein sehr naher lieber Angehöriger ist mit seinen Kräften am Lebensende angelangt und möchte sterben. Es ist nicht leicht zu akzeptieren.

Ich mache mir viele Gedanken, kann ehrlich gesagt an nichts anderes mehr denken.....Da sind so viele Fragen....Wann wird es soweit sein? Wie lange ziehen sich die einzelnen Phasen des Sterbens hin? Gibt es Anzeichen die auf den bevorstehenden Tod hinweisen können usw. Tägliche Besuche auf der ITS werden immer anstrengender, weil man nur noch am Bett stehen kann, das Gesicht streicheln und die Hand halten. Eine verbale Kommunikation ist nicht mehr möglich. Dann geht man nach einer gewissen Zeit und fragt sich, was ist wenn ich nicht da bin und es passiert........ Morphium wird zur Schmerzlinderung gegeben. Aber ist der Patient wirklich schmerzfrei? Desöfteren habe ich den Eindruck das es nicht so ist.

Alles in allem schwere Wochen, erst Hoffen und Bangen, dann die Gewissheit dass es nie mehr so sein wird, wie es Mal war.. .

Danke fürs Lesen und LG

Antwort
von Winherby, 64

Hallo liebe Sonne,

es ist immer schwer die Mutter zu verlieren, und Du weisst, dass wir alle diesen Weg gehen müssen,...eines Tages.

Jeder auf seine Art, - der eine plötzlich durch einen Unfall ohne jeden Abschied, der andere verliert gegen eine schwere Krankheit an der die anderen Organe versagen, der nächste ist einfach zu altersschwach und schläft friedlich für immer ein. Letzteres wünscht ein jeder für sich und seine Lieben, aber hat man die Wahl?

Sei froh Mutters Hand noch streicheln zu können, sag ihr danke für alles was sie Dir und Deiner Familie Gutes getan hat, sie wird es spüren und sich freuen, da bin ich sicher. Und lass sie los, klammere sie nicht, lass sie in Ruhe und Frieden gehen, das wird dann auch Dir gut tun. Stell Dir doch vor, wenn Du eines fernen Tages in diesem Bett liegst und Deine Kinder Dich besuchen kommen, was Du Dir wünschen würdest, wie sie sich am besten zu Dir verhalten. Und dann mach Du es jetzt genau so mit Deiner Mama. Dann kann sie in Ruhe gehen und auf ein erfülltes Leben stolz sein. GlG, Herbert

PS.: In Sachen Morphium haben die Ärzte in aller Regel soviel Erfahrung, dass die Patienten wirklich schmerzfrei sind. Sprich nochmal mit einem der Ärzte wegen Deiner Zweifel an der Schmerzfreiheit. LG.

Kommentar von sonne123 ,

Ich wünsche ihr nichts sehnlicheres als in Frieden einzuschlafen. Sie will sterben und ich möchte ihr nicht im Wege stehen. Sie soll sich nicht quälen. Seit über einer Woche ist sie auf der ITS. Seit Sonntag steht fest, das es zu Ende gehen wird. Nur wann???? Das ist die Frage, die ich mir immer wieder stelle. Habe ihr gesagt, sie soll sich nicht quälen, das ich sie lieb habe und wir uns wieder sehen werden. Ihr Herz ist noch sehr stark, der Blutdruck gut, die Herzfrequenz, obwohl sie keine Mittel mehr bekommt. Ich Weine nicht an ihrem Bett, Versuche ihr Ruhe zu vermitteln, was ganz ganz schwer ist. Dazu die sichtbaren körperlichen Veränderungen. Einzelheiten möchte ich darüber nicht schreiben, nur eines, es ist schwer anzusehen. 

Ich wünsche mir nur eines , sie soll sich nicht mehr lange quälen....Das ist mein einziger größter Wunsch. ;-((

Kommentar von sonne123 ,

Danke für die lieben Worte.

Kommentar von Winherby ,

Hallo Sonne,

ich nochmal. Die Frage nach dem Wann, ist nicht sicher zu beantworten. 

In meiner Familie gab es in den letzten Jahren drei Todesfälle durch schwere Erkrankungen. Bei diesen drei Leuten war es auffällig, dass sie sich unerwartet besser fühlten. Alle Verwandten und Freunde glaubten, - jetzt hat sie es geschafft, - sie hat den Tod besiegt, - sie hat ein starkes Herz, - endlich wirken die Medikamente, so und ähnliche Gedanken wurden ausgesprochen, die Hoffnung auf Heilung wurde groß. Am nächsten Morgen kam vom Arzt die Todesnachricht.

Dieses "letzte Aufbäumen" war also ein signifikantes Zeichen dafür, dass es bald zu Ende sein würde. Man hört diese Beobachtung eig. auch aus anderen Familien öfters mal. 

Diesen kl. Hinweis wollte ich jetzt nur loswerden, vielleicht hilft es Dir irgendwie, glG, Herbert

Kommentar von sonne123 ,

Das was du beschreibst, habe ich hier im Internet auch gelesen. Ich habe mir viele viele Seiten angeschaut, zuerst über ihre Krankheit, über die Chancen so einigermaßen die Lebensqualität zu erhalten und nicht zuletzt Seiten wo das Lebensende ,die Phasen des Sterbens beschrieben werden. Ich spüre genau, das es ihr immer schlechter geht. Nur das mit anzusehen ist unsagbar schwer. Und irgendwann wird das das letzte Bild sein......Trotzdem bringe ich die Kraft auf, ja wirklich Kraft, sie jeden Tag zu besuchen. Andererseits hätte ich das Gefühl, sie im Stich zu lassen. . .Man schafft alles und wächst über sich hinaus. 

Danke! 

Antwort
von Lexi77, 53

Liebe "Sonne123",

es tut mir furchtbar leid, dass es deiner Mutter so schlecht geht. Ich kann verstehen, dass du zur Zeit keine anderen Gedanken hast.

Das was du beschreibst kenne ich so ähnlich von der letzten Zeit meiner Oma. Sie konnte zum Schluss auch nicht mehr sprechen lag nur im Bett, meist mit geschlossenen Augen und hat starke Medikamente bekommen. 

Wir waren so oft wir konnten bei ihr. Auch wenn wir nicht mehr tun konnten als ihre Hand zu halten. Ab und zu habe ich ihr Lieder vorgesungen, die sie immer mit mir gesungen hat, als ich klein war. Manchmal konnte man dann sogar eine kleine Reaktion feststellen. 

Die Frage, ob man merkt, wann es soweit ist, haben wir uns auch oft gestellt. Im Nachhinein weiß ich, ja ich hätte es ahnen können, konnte es damals aber nicht richtig deuten. 

An einem Sonntagmittag war ich bei ihr. Meine Eltern waren im Urlaub. Ich habe ihr erzählt, dass ich am späten Nachmittag zu einer Freundin fahre, da ich am nächsten Tag eine Prüfung an der Uni hätte. Ich sagte ihr, ich könne erst am nächsten Abend wieder kommen. Als ich mich verabschiedet habe, hatsie meine Hand gedrückt und versucht zu sprechen. Das hat sie ein halbes Jahr vorher nicht mehr gemacht. Am Montag ist sie gestorben. Im Nachhinein glaube ich, dass sie es gespürt hat und sich von mir verabschieden wollte. 

Übrigens ist es ganz oft so, dass solche Menschen genau dann sterben, wenn gerade mal keiner im Zimmer ist. Als ob sie auf den Moment warten. Bekannte von mir hatten bei ihrem Vater einen 24 Std. Dienst organisiert, dass immer jemand bei ihm war. Und genau in dem Moment, als der Sohn, der gerade "Wache" hatte, auf Toilette war, ist der Vater gestorben. Als ob er dafür alleine sein wollte.  Versuche also bitte, dir keine Vorwürfe zu machen, wenn du in dem Moment gerade nicht bei ihr bist. Du kannst schließlich auch nicht rund um die Uhr an ihrem Bett sitzen.

Ich wünsche dir ganz viel Kraft für die nächste Zeit! 

Ganz liebe Grüße, Lexi 

Kommentar von sonne123 ,

Danke liebe Lexi. Dir geht es selbst nicht gut und findest trotzdem Zeit hier zu antworten. Danke....Ich fühle mich so hilflos, war all die Jahre für meine Eltern und die letzten 2,5 Jahre für meine Mutter da. Auch wenn es nicht leicht war immer, bin oft an der Grenze meiner Kräfte gestoßen, trotz allem ist und bleibt es die Mutter. Es ging ihr schon die letzten Monate nicht gut bis zu dem Augenblick, wo ich gesagt habe, es geht nicht mehr, ich hole eine Einweisung ins KH. Das war am 25. April.....Und heute haben wir den 25. Mai. Sie wird nie wieder nach Hause kommen. Manchmal denke ich, hätte ich doch nur nicht die Einweisung geholt, dann wäre das alles nicht passiert und müsste nicht im Sterben liegen. Aber ich kann es nicht mehr ändern und muss damit klar kommen. Sie soll sich nicht quälen.... Danke ! 

Antwort
von Klaus13, 15

Hallo

Sonne

So ging es mir auch ,sie hat ein starkes Schmerzmittel bekommen und ist dann 2Tage später eingeschlafen (genau am Muttertag)Morgen ist die Beisetzung ,mir ging es genauso ich konnte nicht immer bei ihr sein ,war aber fast jeden Tag dort ,und ausgerechnet am Muttertag konnte ich aus gesundheitlichen gründen nicht :-( .Glaub mir sich vorwürfe machen wenn man gerade nicht da ist wenn es passiert.ich hab gut reden aber es belastet mich trotzdem sehr. Ich hoffe das die Qual bald vorbei geht und wünsche dir alle Kraft.

Ein mitfühlender Klaus13

Kommentar von sonne123 ,

Danke dir Klaus. Mein Beileid. Sie hat es nun geschafft und ist Freitag Abend friedlich eingeschlafen. 3 Stunden nachdem wir sie besucht haben. Es tut weh, aber ich gönne ihr die ewige Ruhe. 

Antwort
von MaryCherry, 66

Liebe Sonne, Ich kann deine Frage leider nicht genau beantworten, ich denke die verabreichte Menge entscheidet wie schmerzfrei, aber auch wie sehr bei Bewusstsein der Patient ist. Wenn er sehr starke Schmerzen hat, braucht dein Freund womöglich eine so starke Dosis Morphium um schmerzfrei zu werden, dass er deine Besuche nicht mehr wahrnehmen könnte. Sicherlich ist es für ihn aber ein enormer Trost, dass du sn seiner Seite bist und seine Hand hältst. Ich wünsche dir viel Kraft in dieser schweren Zeit.

Liebe Grüße, Mary

Kommentar von sonne123 ,

Danke auch dir für die lieben Worte! 

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