Mit einer Angststörung zur Schule?

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2 Antworten

Hi du, also erstmal: Ich finde du klingst überhaupt nicht so, als hättest du keine Lust auf Schule oder so was. Bin leider kein Experte auf dem Gebiet, kann aber deine Gefühle durchaus irgendwo nachvollziehen.

Ich mag Schule selbst nicht besonders gern, ich weiß auch wie ätzend es ist, wenn man keine richtigen Freunde dort hat. Aber Schule ist wichtig und Sozialkompetenz leider auch. Ich weiß, dass es nicht einfach ist. Hast du schon mal darüber nachgedacht, vielleicht nach der 10. Klasse Fachabi zu machen? Dann wärst du schon mal von den alten Strukturen weg und würdest in einem anderen Umfeld neue Leute kennenlernen.

Aber bis dahin gibt es noch einiges zu tun. Ich denke, bevor du an deiner Sozialkompetenz arbeiten kannst, muss sich vor allem eins verändern: Deine Einstellung. Sei nicht so negativ dir selbst gegenüber. Du bist ein toller Mensch und du bist schon so weit gekommen. Sei nicht so streng mit dir. Du kannst verdammt nochmal stolz auf dich sein.

Und du hälst die 2 Jahre durch, so musst du das sehen. Deine Gedanken sind nicht "dumm". Ich nehme dich ernst. Und deine Mutter tut das, denke ich, auch. Du bist noch minderjährig, irgendwer muss den Psychologen bezahlen und wenn deine Mutter dich und deine Probleme nicht ernst nehmen würde, dann würde sie das nicht übernehmen. Vielleicht ist es auch einfach die Lebensphase, in der wir grade sind, in der man das Gefühl hat, niemand nimmt einen ernst. Kenne ich auch zu Genüge.

Vielleicht mal kurz zu mir: Ich kann mich in deinem Text irgendwo wiederfinden. In der Unter- und Mittelstufe war ich eher ängstlich, hatte kaum Freunde, besaß kein Selbstbewusstsein und kaum Sozialkompetenzen. Mir fiel es auch immer sehr schwer mit anderen Menschen zu kommunizieren. Habe leider auch außerschulisch mit Gleichaltrigen eher negative Erfahrungen gemacht. Irgendwann habe ich aber gemerkt: mit Schüchternheit kommt man leider nicht weit im Leben. Ich habe dann meine eigene Strategie entwickelt: Smalltalk mit Leuten anfangen und einfach als Übung betrachten, danach die Gespräche im Kopf in Kategorien einteilen: Erfolgreiche Kommunikation oder misslungene Kommunikation. Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie viele missratene Versuche ich hinter mich gebracht habe und wie oft ich mich überwinden musste, aber mit der Zeit werden die Erfolge häufiger. Heute bin ich in der Lage ganz normal mit Menschen zu reden und habe gelernt: Es ist alles Übungssache.

Ich weiß, das unterscheidet sich von deinen Erfahrungen. Aber ich habe mich damals auch so gefühlt, als würde ich es nicht mehr schaffen und ich wollte nur noch, dass es aufhört. Ich hatte auch Angst und ich hab mich immer einsam gefühlt. Mir hat es geholfen, dass ich versucht habe, alles etwas lockerer zu sehen. Und es hat mir geholfen, dass ich mir irgendwann der Tatsache bewusst geworden bin, dass ich eigentlich nur mich selbst brauche um glücklich zu sein. Damit kam dann auch ein bisschen das Selbstbewusstsein und damit dann auch die sozialen Kontakte. Die meiner Meinung nach notwendig sind, um den Schulalltag erträglich zu machen. Die Leute müssen nicht meine besten Freunde sein, ich muss denen nicht alles über mich erzählen, es reicht schon, wenn ich in jedem Kurs jemanden hab, neben dem ich sitze, mit dem ich mich unterhalten und mit dem ich Partnerarbeit machen kann. "Zweckfreundschaften" sozusagen.

Glaub an dich und versuche, alles etwas positiver zu sehen. Ich weiß, dass es einen Weg aus deiner Angststörung gibt!

LG

dinska 06.09.2017, 10:49

Eine sehr gute Einstellung und gute Strategien. Strategien sind immer wichtig, um das Leben zu meistern und zu sich selbst zu finden und zu stehen!

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Zunächst möchte ich Dir sagen, dass Deine Angststörung auf jeden Fall ernstzunehmen ist.

Aber Du stellst uns hier vor ein kaum lösbares Problem: Ein Schulwechsel kommt für Dich nicht in Frage, aushaltbar erscheint es Dir aber auch nicht, und Deine Psychologin hat in nächster Zeit keine Termine (warum eigentlich nicht, wenn Du schon bei ihr in Behandlung bist? ... erscheint ein bisschen merkwürdig). Der einzige Weg wäre also, Deine Angst und Abneigung gegenüber Deiner aktuellen Schule zu bewältigen. Eigentlich glaube ich, dass Du dazu professionelle Hilfe brauchst, oder zumindest Unterstützung, aber einen Vertrauenslehrer gibt es bei Euch nicht ... wie wäre es mit dem schulpsychologischen Dienst? Oder gibt es einen sozialen Dienst / Sozialberatung an Eurer Schule?

Jedenfalls fürchte ich, dass ein paar Tips aus dem Internet nicht ausreichen werden, so festgefahren, wie die Sache bei Dir erscheint. Man müsste erstmal wissen, was die Abneigung gegen alles, was diese Schule ausmacht und gegenüber allen Menschen in dieser Schule (Lehrer, Klasse, Mitschüler, Freunde) verursacht. Was ist so schrecklich für Dich? Und daraus könntest Du vielleicht Strategien entwickeln, das zu überwinden. Allgemein bewältigt man Angst am besten, wenn man sich ihr stellt und sich damit konfrontiert - am besten abgestuft, so weit, wie man eben in der Lage dazu ist. Aber ich glaube, dass Du dazu Hilfe brauchst, Anleitung, Unterstützung und Ermutigung.

Davonlaufen ist meist keine Lösung, dadurch verfestigt sich die Angst, und es kann keine Selbstsicherheit und Selbstvertrauen wachsen, die für Dein zukünftiges Leben so wichtig sind. Du würdest nur wieder ein Scheitern erleben, und das würde sich in Deinem Bewusstsein festsetzen und Dich prägen. Außerdem geht das in Deinem Fall ohnehin nicht, wir haben in Deutschland 10 Jahre Schulpflicht. Und ein Schulabschluss ist wichtig für Deine Zukunft.

Also wünsche ich Dir, dass Du es schaffst, Mut zu fassen und Dir Hilfe zu holen.

Viel Glück!

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