Knorpelschaden im Knie, hilft Muskelaufbau?

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Hallo Knorpelleidende!

Ich bin 24 Jahre alte und habe mir vor recht genau einem Jahr einen Knorpelschaden beim Fußball zugezogen. Es war ein recht übler Zusammenprall Knie an Knie. Durch diese hohe Gewalteinwirkung ist die Kniescheibe rausgesprungen und durch die Quetschung sind auch Knorpelteile abgesprungen (retropatellar). Ich habe mir die Knorpelteile in einer Arthroskopie vom Orthopäden entfernen lassen und zusätzlich wurde der Knorpel, also das Überbleibsel zurechtgeshaved. Ein Knorpelteil soll laut Arzt 2,5 cm dick gewesen sein. Zumindest kann man sagen, dass ich einen erheblichen Knorpelschaden davongetragen habe. Dieser Arzt, welcher gleichzeitig auch Sportmediziener war und dementsprechend eine recht optimistische Einschätzung hat (ähnlich wie Sportärzte im Profibereich ;) ), war tatsächlich der Meinung, dass ich nach 8 Wochen wieder Fußball spielen kann. Das war natürlich nicht der Fall. Ich habe von ihm Krankengymnastik verschrieben bekommen. Also genau die Krankengymnastik die Ottonormalverbraucher so verschrieben bekommt. 2-3 mal die Woche ein paar Alibi-Übungen absolvieren. Dadurch haben sich meine Beschwerden (stechender Schmerz unter der Kniescheibe bei Belastung) nicht verbessert. Nach dieser Erkenntnis war ich dann bei einem anderen Arzt, welcher sich mein MRT-Bild staunend angeschaut hat. Seine Aussage war: "Fußball können Sie vergessen. Probieren Sie es mit Fahrrad fahren!" Da ich leistungsorientiert Sport betreibe, war das für mich eine Horror-Nachricht. Ich habe dann einen dritten Arzt aufgesucht, welcher die seriöseste und ehrlichste Meinung hatte. Dieser hat sich wirklich eine halbe Stunde mit mir Zeit genommen und sich damit beschäftigt. Er hat mir versichert, dass ich bald wieder Fußball spielen kann, wenn ich intensiv Muskelaufbau (Oberschenkel) betreibe. Wies aber gleich auf die Schwierigkeit hin, dass man dabei seine Birne einsetzen muss, denn bei einem retropatellaren Knorpelschaden ist die Kniescheibe gereizt und verursacht Schmerzen. Man sollte schon an die Schmerzgrenze gehen und vielleicht auch ein kleines bisschen darüber hinaus, aber dann sollte gut sein. Diesen Rat habe ich befolgt. Ich habe über 12 Wochen Jeden Tag im Kraftraum (Reha-Zentrum) trainiert. Am Wochenende habe ich dann meinem Knie Pausen gegönnt oder war mit dem Fahrrad unterwegs. Die Schmerzen wurden teilweise schlimmer aufgrund der gereizten Kniescheibe und ich dachte das wird nichts mehr. Doch irgendwann nachdem auch mehr Muskeln dazugekommen sind hat es sich nach und nach gebessert. Nach jedem "Regenerations"-Wochenende hat mein Knie sich stärker angefühlt. Ich konnte schließlich nach 8 Monaten (7 Monate nach Arthroskopie) wieder Fußball spielen, worauf ich sehr stolz bin. Man muss aber aufpassen, dass man anfangs beim Fußball kein Vollgas gibt, denn auch hier gilt es, auf seinen Körper zu hören. Ich bin jetzt seit 4 Monaten wieder im Fußball-Training (3mal die Woche + Spiel) und ich hätte nie gedacht, dass ich jemals wieder an meinen alten Fitnessstand herankomme, aber es ist durchaus möglich! Nur nicht unterkriegen lassen!

Wichtigste, aber auch schmerzhafteste Übung für den Muskelaufbau ist der "Strecker" (Sitzstellungund dann in die Streckung gehen mit Gewichten)! Ohne den kann man alles vergessen. Die anderen Oberschenkelübungen können als Zusatzübungen verstanden werden, um die Balance zu halten. Ich hatte das Glück, dass ich in der Reha eine perfekte Ausstattung hatte, wo wöchentlich meine Kraftwerte kontrolliert worden sind (Beinstrecker mit angeschlossenem PC, der die Werte erfasst hat). Trotz der Erhöhung der Schmerzen am Anfang, haben wir die Steigerungen der Kraftwerte Mut gegeben!

Ich bin zwar nahezu beschwerdefrei, aber natürlich ist das Knie nicht so hergestellt wie es einmal war, denn der Knorpel wächst ja bekanntlich nicht nach. Hier und da merke ich es noch und stelle bei mir auch das typische Knirschgeräusch fest. Ich werde es mein Leben lang merken, dass das eine Knie nicht ganz so "geschmiert" läuft, wie das andere. Das ist nun mal so und lässt sich nun mal nicht verhindern (evtl. durch eine aufwendige und komplizierte Knorpeltransplantation). Aber durch Muskelaufbau kann man einiges erreichen und es gibt ja schließlich Studien die belegen, dass der Knorpel durch Sport im Hinblick auf die Nährstoffversorgung eher gestärkt wird statt geschädigt. Fußball ist vielleicht da nicht die optimale Belastung im Vergleich zum Fahrrad fahren, aber immerhin deutlich besser als nichts zu tun und somit den Verfall des Knorpels zu provozieren.

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