kleine, aber gesunde Schilddrüse - Unterfunktion?

2 Antworten

Eine lange Geschichte, viel Ungereimtheiten und sehr viele Fragen.

Schilddrüse :Mit einem TSH-Wert allein untersucht man keine Funktionsstörung der Schilddrüse, eine Hashimoto-Erkrankung schon gar nicht. Dazu gehören neben den fT3 und fT4 Werten auch die Schilddrüsenantikörper ( Antikörper gegen thyreoidale Peroxidase und eine Thyreoglobulinbestimmung.

Bei der erfolgten Therapie mit Thyroxin ( hast Du richtig gehandelt) sollte mit der niedrigsten Dosis begonnen und nur bei völliger Beschwerdefreiheit mit dieser Dosierung mit ebenso niedrigen Dosen gesteigert werden. Dabei sind vor Dosissteigerung ständig die Blutkontrollen erforderlich.

Bei einer Hashimoto-Erkrankung muss man wissen, dass wegen der Autoimmun-Entzündung erst eine Hyperthyreose, dann eine Euthyreose und erst später eine Hypothyreose gefolgt von einer Athyreose besteht. Entsprechend ist therapeutisch zu verfahren.

Blutzucker : Bei einer low carb-Diät sind deutliche Blutzuckerschwankungen normal. Wenn diese extremen Schwankungen schon vor Deiner Diät vorkamen, sollte ein Blutzuckertages-Profil durchgeführt werden und, falls dies pathologisch weitere Untersuchungen ( z.B. ein Glucose-Toleranz-Test ).

Gewicht: Wenn Du trotz Deiner Diät weiter an Gewicht zunimmst, warum führst Du diese ja auch nicht ganz unumstrittene Diät weiter fort ? Eine Gewichts-Regulierung seitens der Schilddrüse erfolgt erst, wenn längerfristig eine Euthyreose erreicht ist.

Woher ich das weiß:
Berufserfahrung

Also, der Blutzuckerwert pendelt bei jedem Menschen stets um den Normalwert herum. Man könnte da alle paar Minuten einen anderen Wert ermitteln, je nach dem wann man was gegessen und wie viel körperliche Aktivität, wie lange zuvor man gerade hatte. Unser endokrines System misst die Werte auch ständig, nur ohne Messgerät, und kompensiert Mangel und Überschuss von sich aus.

Auch wenn man wenig Kohlenhydrate zu sich nimmt, sollte der Blutzuckerspiegel davon nicht in einen gefährlich niedrige Bereich geraten. Wir können nämlich aus Fett und Proteinen ebenfalls Blutzucker machen, sprich, Energie gewinnen.

Wartet man mit der nächsten Mahlzeit aber bis man nagenden Hunger hat, dann geht eine halbe Stunde später der Blutzuckerspiegel durchs Dach, geht eine weitere halbe Stunde später in den Keller ..., pendelt also extrem, bis das wieder im Lot ist. Wer häufig unterzuckert ist, kann das mit mehr über den Tag verteilten kleinen Mahlzeiten in den Griff bekommen.

Die Medizin fischt in Bezug auf die Schilddrüse schon lange nicht mehr im Trüben. Man weiß recht genau um die Zusammenhänge, könnte dir ganze Romane erzählen. Die Endokrinologie isst ein weites Feld. Dein Hausarzt kennt sich damit ganz am Rande natürlich auch aus, sicher etwas besser als ich, aber richtige Schilddrüsenprobleme sollten mit einem Endokrinologen angegangen werden.

Schilddrüsenwerte: Hier nur einen Wert zu betrachten reicht nicht aus, um die Schilddrüsenfunktion korrekt einzuschätzen. Es gibt etliche Werte, die sich der Endokrinologe ansieht, um eine Diagnose zu stellen.

Das TSH der Hirnanhangdrüse regt die Schilddrüse an. Daraufhin produziert die dann Throsin3 und Thyrosin4. Ist davon dann genug im Blut, hört die Hirnanhangdrüse wieder auf, TSH auszuschütten. Erst das Verhältnis von TSH, T3 und T4 wird aussagekräftig. Und das ist erst ein Regelkreis in Bezug auf die Schilddrüsenfunktion.

Hashimoto ist eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse. Auch bei wenig TSH legt die SD eine Überproduktion hin, es kommt zu Entzündungsprozessen, und die Schilddrüse "verbrennt sich selbst" um es einfach auszudrücken. Sie schrumpft dadurch, und kann zuletzt nicht mehr leistungsfähig genug arbeiten. Man hat dann zunächst mehr oder weniger eine Überfunktion, und läuft dann allmählich in eine Unterfunktion hinein, weil die SD zu klein wird, um leistungsfähig genug zu sein.

Mit Ultraschall und Szintigrafie kann man sich die Schilddrüse gut ansehen. Bei Hashimoto würden sich heiße Knoten finden, Entzündungsherde zuerkennen sein ...

Wenn deine Schilddrüse also klein ist, dann prodziert sie vielleicht wenig T3 und T4. Deshalb wird sie ständig mit TSH aus der Hirnanhangdrüse gepuscht. Nimmst du dann L-Thyroxin, braucht es ein paar Tage, vielleicht auch zwei Wochen, bis die Hirnanhangdrüse "gemerkt hat", dass sie nicht mehr so viel TSH auszuschütten braucht. Daher deine vermeintlichen Überfunktions Symptome bei 50 µg.

Um deinen Bedarf an L-Thyroxin genau einstellen zu können, ist es äußerst wichtig, dass du die Dosis nicht willkürlich immer wieder änderst. Dieses Einstellen auf das Medikament ist zunächst Versuch und Irrtum. Das ist ein Experiment, an dem Endokrinologe und Patient gleichermaßen beteiligt sind.

Es ist nicht ratsam, wenn der Hausarzt dem Endokrinologen ins Programm mischt. Es kann bis zu einem Jahr dauern, bis die richtige Dosierung für dich gefunden ist. Je genauer du dich an die Dosierungs-Vorgaben hältst, desto schneller geht das.

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