Kann man von Tilidin abhängig werden?

4 Antworten

Ich habe mal gelesen, dass bei diesem Schmerzmittel, wie auch bei anderen dieser Art zwar keine körperliche Abhängigkeit entsteht aber eine psychische entstehen kann.

Ich bin seit Jahren Schmerzpatient und nehme Tilidin. Dank der Retardierung hab ich nie einen Höhenflug gehabt und würde lieber heute als morgen mit dem Zeug aufhören. Leider erinnern mich zunehmende Schmerzen regelmäßig daran, daß ich es (noch) brauche. Ich frage mich, wie ich da eine psychische Abhängigkeit entwickeln kann.

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Hallo! Ich möchte mich meinen Vorschreibern anschließen, du brauchst dir da wirklich keine Gedanken machen. Natürlich ist man immer erstmal entsetzt, wenn man das Stichwort Opiat hört, aber das ist völlig unbegründet.

Tilidin gehört zur Gruppe der Opioide und wird überwiegend in retardierter Form (Retardtabletten) verabreicht. Diese Darreichungsform vermindert an sich schon das Risiko für eine Abhängigkeit. Daneben ist das Tilidin meistens auch noch mit einem sog. Antagonisten kombiniert, also mit einem Mittel, was eben einer solchen süchtig machenden Wirkung entgegensteht, die Wirksamkeit der Tabletten aber nicht beeinflusst. Meist ist dies Naloxon.

Etwas anders sieht es bei der Darreichung in Tropfenform aus, hier ist das Suchtpotential etwas größer, da hier auch kein Antagonist mit drin ist. Deswegen sollte man die Tropfen nur für Schmerzspitzen nehmen, für die regelmäßige und dauerhafte Medikation aber auf die Retardtabletten.

Ich denke, wenn der Arzt deinem Freund diese Tabletten verschrieben hat, dann sind die auch wirklich notwendig, vermutlich würde er dann mit den üblichen Schmerzmitteln (Ibuprofen, Paracetamol etc.) keine ausreichende Schmerzlinderung erfahren. Und wenn man davon zu viel nimmt, ist das nicht nur um einiges schädlicher für den Körper (Leber, Niere, Magen), sondern auch da können sich schnell Abhängigkeiten entwickeln.

Ich selber nehme Tilidin-Tabletten bereits seit ca. 4 1/2 Jahren. Und bisher hatte ich eigentlich keine Probleme damit. Solange man sie in der verordneten Dosis regelmäßig nimmt, entstehen keine Entzugssymptome. Nur dann, wenn man von jetzt auf gleich weniger nimmt oder das Mittel ganz absetzt. Mir hat man mal im KH nur die halbe Dosis gegeben - was ich aber nicht wusste. Nach einigen Tagen ging es mir sehr schlecht, mit Zittern, Schwindel, Schweißausbrüchen etc. Die Ärzte meinten dann, ich hätte ein psychisches Problem und wollten mich einweisen. Erst hinterher im Befundbericht habe ich gesehen, dass es nur die halbe Menge war und da war mir gleich klar, dass die Beschwerden daher kamen. Als ich wieder regelmäßig meine übliche Dosierung nehmen konnte, ging es mir auch sehr schnell wieder besser.

Ein verantwortungsbewusster Arzt wird dann bei deinem Freund auch das Mittel beim Absetzen ausschleichen. D.h. nicht auf einmal gar nichts mehr nehmen, sondern langsam die Dosis herabsetzen. Alles Gute, auch für deinen Freund!

Woher ich das weiß:Eigene Erfahrung – hab (leider) schon viel mit Schmerzen erlebt

Das Süchtigmachende bei Tilidin ist der "Kick". Der ist jedoch in der Schmerzmedikation nicht erwünscht und wird daher entsprechend verhindert. Die Darreichungsform ist etwas verändert und wird außerdem meist in Retardform verabreicht mit dem Ziel, einen gleichmäßigen Schmerzmittelspiegel im Blut zu erzeugen.

Opiate sind gut wirksame Schmerzmedikamente und haben weniger schädigende Nebenwirkungen als die üblichen Schmerzmedikamente, die bei starken Schmerzen entweder nicht genügend Wirkung zeigen oder hochdosiert gegeben werden müssen.

Du kannst darauf vertrauen, daß Deinem Freund bestmöglich geholfen wird und er in keine Abhängigkeit kommen wird - höchstens von der netten kleinen Schwester, die ihm die Medikamente bringt. ;o)

Zwar gehört Tilidin zu der Gruppe der Opioide, doch besteht keine Gefahr, dass dein Freund davon dauerhaft abhängig wird. Es ist nämlich bewiesen, dass kein Patient, der unter extrem starken Schmerzen (Krebs, Brüche, etc.) leidet bei einer richtigen Behandlung mit Opioiden von diesen psychisch abhängig wird. Schließlich nehmen diese Patienten die Medikamente um von den Schmerzen befreit zu werden und nicht um einen farbenfrohen Tripp zu erleben. Solange er diese Medikamente unter ärztlicher Kontrolle einnimmt ist keine Gefahr zu erwarten. Bei einem Solchen Bruch bewirken Aspirin, Paracetamol und Co. lediglich die Veränderung der Tonhöhe seiner Schreie. Die physische Abhängigkeit lässt sich zwar nicht vermeiden, jedoch gestaltet sich der Entzug einfacher, da keine psychische Abhängigkeit vorliegt.

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