Kann man etwas gegen Höhenangst machen?

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Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Er muss sich mit seiner Angst auseinandersetzen und darf die speziellen angstaauslösenden Situationen nicht vermeiden. Allerdings solltest du ihn nicht so unter Druck setzen. Wichtig sind kleine Schritte. Also die Höhen immer etwas steigern und sich dabei Zeit lassen. Es macht keinen Sinn glich in den Hochseilgarten zu gehen und da dann das Therapiewunder zu erwarten. Außerdem wirst du dich wohl damit abfinden müssen, dass aus ihm nie ein Fallschirmspringer oder Kletterer wird. Was aber nicht heißt, dass er nicht daran arbeiten kann.

Ja, gegen Höhenangst kann man aktiv was tun. Mir scheint aber, daß das inzwischen zum "Reizthema" zwischen Euch geworden ist. Gib ihm - ohne weitere Vorwürfe - doch mal dies hier zu lesen und sprich danach mit ihm darüber:

Die Höhenphobie lässt sich erfreulich gut behandeln! Die bekannteste und mit Erfolg am häufigsten eingesetzte Behandlungsform ist die „Konfrontations- bzw. Expositionsbehandlung“, die von Verhaltenstherapeuten angeboten wird. Sie nutzt das Prinzip, dass unser Gehirn durch Erfahrung hinzulernt: Wer sich also angstbesetzten Situationen in der Höhe aussetzt, wird – wenn er es lange genug aushält – sich daran gewöhnen und „lernen“, dass Höhe nicht zwangsläufig gefährlich ist. Entscheidend ist, dass man sich dieser Situation ausreichend lang und oft aussetzt und zwischenzeitlich nicht mehr den Kontakt zur Höhe meidet. Wer die Angst lange genug aushält, wird erleben, dass diese sich wider Erwarten nicht ins Unermessliche steigert, sondern nach einiger Zeit abflacht. Der wohl bekanntest „Patient“ mit Höhenangst, der sich auf diese Weise selbst kurierte, war Johann Wolfgang von Goethe, der offenbar im Anschluss an eine körperliche Erkrankung Höhenangst entwickelte. Um sich davon zu heilen, bestieg er den damals höchsten Kirchturm der Welt (das Straßburger Münster). Dies wiederholte er offenbar mehrfach in kürzeren Abständen.Die Konfrontation kann entweder langsam steigernd erfolgen oder aber – wie im Falle Goethes – sofort durch Konfrontation mit sehr starken Reizen beginnen (wie Turm- oder Bergbesteigungen, Aufenthalte auf Balkonen, Aussichtsplattformen, Klettergärten, Fahrten in Glasaufzügen). Meist ist es hilfreich, diese Exposition in Begleitung eines erfahrenen Therapeuten vorzunehmen. Dieser ermöglicht in mehrfacher Hinsicht ein „Lernen am Modell“: Zum einen führt er selbst vor, wie man problemlos die anfänglich noch beunruhigende Höhendifferenz überwindet, zum anderen kann man seine hilfreichen Kommentare und Ermutigungen übernehmen und so geeignete Formen der Selbstregulation erlernen. Wer direkt alleine übt, läuft Gefahr, sich dabei mit ungünstigeren Motivationsmitteln zu behelfen („Sei nicht schon wieder ein Versager!“ „Wenn du das nicht schaffst, bist du eine Niete!“). Während der alleine Übende ein Abbrechen auf halber Strecke vielleicht sofort als „erneutes Versagen“ werten würde, würde dies ein begleitender Therapeut vermutlich eher als „immerhin schon halb geschaffte Strecke“ würdigen.

Dank der modernen Technik kann man heute bereits in virtuellen Umgebungen üben, indem man sich beispielsweise vor einem großen Bildschirm oder mit Hilfe einer Datenbrille bewegten Bildern aussetzt, auf denen die gefürchteten Situationen gezeigt werden. In unserem Gehirn gibt es offenbar sogenannte Spiegelnervenzellen, die sowohl aktiv werden, wenn wir selbst etwas tun oder wenn wir nur beobachten, wenn andere Personen das Gleiche tun. Diesen Zellen verdanken wir es wahrscheinlich, dass wir durch „mentales Training“ lernen und unser künftiges Verhalten allein dadurch schon verbessern können. Offenbar lässt sich die virtuell gemachte „Bewältigungserfahrung“ (bzw. die Gewöhnung an den Reiz) auch auf das reale Leben übertragen. „Virtuelles Training“ hat wirtschaftliche und praktische Vorteile, weil Flugreisen und Bergtouren meist aufwändig und teuer sind und der nächste Fernsehturm auch nicht immer vor der Haustür steht. Trotzdem sollte man zusätzlich immer auch die „echte Konfrontation“ anstreben, da letztlich nur diese die Gewissheit vermittelt, künftig kaum oder nur noch wenig Höhenangst zu haben. Diese Gewissheit wird umso stabiler sein, je häufiger man sich entsprechende Erfahrungen gegönnt hat und je häufiger man auch unter variierenden Bedingungen (unterschiedliche Berge, unterschiedliche Hochhäuser usw.) geübt hat. Anfänglich sollten zwischen den Übungseinheiten nur kurze Zeiträume liegen (Vorschlag: zwei Behandlungen pro Woche), damit sich zwischenzeitlich nicht wieder Vermeidungsverhalten einschleichen kann. Offenbar lohnt es sich mitunter auch, den Behandlungserfolg nach einigen Monaten durch eine abschließende Behandlung „aufzufrischen“ bzw. zu stabilisieren. Eine erfolgreiche Phobiebehandlung stärkt in aller Regel das Selbstbewusstsein! Für die Einschätzung der Behandlungsdauer und der Methodenwahl wichtig ist immer auch die Frage, ob die Höhenphobie die einzige Angst ist oder nur eine Angst unter mehreren.

Jede Behandlung der Höhenphobie sollte mit einer genauen Aufklärung über die Zusammenhänge beginnen (so wie hier geschildert), weil bereits ein besseres Verständnis des Problems und seiner Lösungsmöglichkeiten Angst verringern kann. So kann mitunter schon die Beratung dazu beitragen, sich künftig weniger durch katastrophisierende Gedanken („Das ist lebensgefährlich!“ „Ich werde abstürzen.“ „Ich könnte außer Kontrolle geraten!“) in die Höhenphobie zu steigern. Man erlernt dazu den „Gedankenstopp“ oder weiß, wie man alternativ günstigere Gedanken aktiviert (sog. kognitive Verhaltenstherapie).Fast immer hat es sich auch bewährt, dem Patienten zusätzlich Methoden der „Selbstregulation“ zu vermitteln, mit deren Hilfe er sich in entspannte Zustände versetzen kann (Entspannungstraining, Atemtraining, Abrufen ressourcevoller Zustände). Diese kann er sich dann bei der Konfrontation mit Höhenunterschieden zugänglich machen und damit den bedrohlichen Symptomen der Höhenangst entgegenwirken.

http://www.dr-mueck.de/HM_Angst/Hoehenangst-Hoehenphobie.htm

Zusätzlich zu dieser sehr guten Antwort, würde ich Eckstein empfehlen, sich einmal Gedanken darüber zu machen, was er/sie unter "Freundschaft" versteht, wenn einerseits klar ist, dass der Freund unter Höhenangst leidet und andererseits von "egoistischer Haltung" gesprochen wird.

Diese Höhenangst/Höhenphobie hat Krankheitswert und ist kein Hirngespinst, mit dem Eckstein tyrannisiert werden soll.

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