Kann man eine Depression ambulant behandeln lassen?

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4 Antworten

Die Angst Deiner Freundin, dass sie gleich "dabehalten" wird, ist unbgeründet.

Natürlich können Therapien auch ambulant durchgeführt werden.

Sollte ein stationärer Aufenthalt sinnvoller sein, wird der Arzt ihr die Gründe erklären. Ohne ihr Einverständnis erfolgt jedoch keine Einweisung.

Falls Ihr Euch mal über das Thema informieren wollt, kann ich diese Seite empfehlen:

http://www.kompetenznetz-depression.de/main.htm

Dort findet Ihr u.a. ein Online-Forum, in dem sich Patienten und Angehörige austauschen und könnt nach Kliniken in der Nähe suchen.

Depressionen sind schon lange kein Tabuthema mehr. Jeder 2. Mensch leidet daran. Eins vorweg, es wird kein Patient gezwungen sich stationär behandeln zu lassen. Das sind Härtefälle, die eingewiesen werden. Eine ambulante Therapie ist gängig. Am besten in Kombination mit einem Psychiater. Als erstes sollte sie sich von ihrem Hausarzt eine Überweisung zum Psychologen und zum Psychiater ausstellen lassen. Je nach Bedarf kann sie dort wöchentlich eine Therapiestunde wahrnehmen. Der Psychiater verschreibt zusätzlich Psychopharmaka. Bei Depressionen absolut notwendig, auch wenn der Psychologe etwas anderes sagt! Ich hatte vor 2 Jahren auch Depressionen und habe mich in Therapie begeben. Wichtig ist, über seine Probleme reden zu können. Das alleine hat nicht geholfen. Also habe ich mir vom Psychiater Medikamente verschreiben lassen. Seither geht es mir wieder gut! Ich wünsche Deiner Freundin alles Gute und hoffe, dass ihr der Ratschlag einer "Gleichgesinnten" Mut macht. Ach übrigens finde ich es ganz toll, dass Du sie so unterstützt!

Ich bin mit "Depression" seit 1997 in ambulanter Behandlung, nehme seit damals Antidepressiva ein. Mein Eindruck ist, daß bei Depression in den seltensten Fällen - und nur bei schweren, auch schon chronischen Fällen - stationärer Aufenthalt erforderlich ist. Es gibt ein breites Angebot von Medikamenten, mit denen sehr wirkungsvoll ambulant behandelt werden kann. .

Die Frage wäre, ob es sich im vorliegenden Fall "nur" um eine Depression handelt oder ob ein Psychiater evtl. etwas anderes / weiteres erkennen würde - wie z.B. eine psychotische Störung. Dann würde auch wahrscheinlich eine andere Gruppe von Medikamenten infrage kommen - sogen. "Neuroleptika". Möglicherweise empfiehlt dann der Facharzt auch eher einen stationären Aufenthalt.

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Die Selbsthilfebewegung Psychiatrie-Erfahrener ebenso wie einige sehr verantwortungsvolle Psychiater haben den Eindruck, daß Neuroleptika oft zu früh und in zu hoher Dosis verabreicht werden. In vielen Fällen würde man - trotz der Diagnose "Psychose" - auch OHNE Neuroleptika (die nicht unproblematisch sind) auskommen!

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Als ersten Ansprechpartner empfehle ich den Hausarzt. Der wird bei der Einschätzung helfen und erforderlichenfalls zum Facharzt überweisen - auch zur genaueren Diagnose. In eindeutigen / milderen Fällen verschreibt auch der Hausarzt entsprechende Medikamente.

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Nach 14 Jahren ehrenamtlicher Tätigkeit in diesem Bereich rate ich dazu, frühzeitig sich um die Lösung der anstehenden Probleme zu kümmern. Oft ist eine "Psychose" die Steigerungsform einer depressiven Störung. Vor allem sollte deine Freundin, wenn sie zur Behandlung geht und ein Antidepressivum bekommt, die Besserung ihres Zustandes nutzen, um die Ursachen/Auslöser anzugehen, die sie in diesen Zustand gebracht haben.

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Mein damaliger Psychiater hat mich leider nicht auf die Möglichkeiten der Psychotherapie bzw. der Arbeit am eigenen Bewußtsein aufmerksam gemacht. Daß das in JEDEM Fall zu erwägen ist, mußte ich mir selbst erarbeiten. Viele Psychiater halten nicht viel von der "sprechenden Medizin", stellen sogar teilweise deren Wirksamkeit in Abrede. Aussagen von Patienten, die ich persönlich kenne, belegen das. Eine Schwäche des Systems!

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Ein Teil meiner Erfahrungen aus dem Bereich Psychiatrie findet sich in meinen Tipps hier bei GF.

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