Kann ich meinen Verdienstausfall bei zu langen Wartezeiten geltend machen?

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2 Antworten

informiere Dich mal bei einem Anwalt. Ich kann es mir aber ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass man einen Arzt belangen kann wegen zu langen Wartezeiten! Versuche doch einfach mal den ersten Termin zu bekommen. Somit vermeidest Du die Wartezeit. Ansonsten würde ich mal den Arzt darauf ansprechen. Sage ihm doch einfach, dass Du mit seiner Behandlung sehr zufrieden bist, aber Probleme mit Deinem Arbeitgeber bekommst, wenn Du so lange warten musst. Vielleicht lässt sich ja etwas ändern. Wenn nicht musst Du doch darüber nachdenken, den Arzt zu wechseln.

Ich glaube da müßten faßt alle den Arzt wechseln.

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Bestellt der Arzt den Patienten zu einem bestimmten Termin ein und kann diesen nicht einhalten, ist er verpflichtet, seinen Patienten zu informieren, wenn der vereinbarte Zeitpunkt um mehr als 30 Minuten überschritten wird.

Dies gilt unabhängig davon, ob bereits ein Behandlungsvertrag zustande gekommen ist oder nicht, da sich auch gegenüber Patienten, die das erste Mal zur Behandlung kommen, für den Arzt vorvertragliche Verpflichtungen ergeben.

Kommt der Arzt dieser Informationspflicht nicht nach, kann daraus dem Patienten ein Schadenersatzanspruch erwachsen, den erstmals ein Urteil des Amtsgerichts Burgdorf richterlich bestätigt hat.

Verzögerungen bis zu 30 Minuten muss der Patient hinnehmen; er kann nicht darauf vertrauen, dass der Arzt den Bestelltermin minutiös verbindlich einhält.

Bei einem Zeitraum von über 30 Minuten jedoch muss der Arzt beziehungsweise sein Personal den Patienten über die voraussichtliche Wartezeit in Kenntnis setzen, damit er sich entscheiden kann, ob er warten oder sich einen neuen Termin geben lassen will.

Vorraussetzung für einen Schadenersatzanspruch des Patienten ist ein Organisationsverschulden des Arztes, das heißt, die überlange Wartezeit muss für den Arzt objektiv vorhersehbar gewesen sein.

Zu seiner Entlastung muss der Arzt beweisen, dass die Verzögerung auch bei sorgfältiger Planung nicht voraussehbar war, zum Beispiel weil sie durch die vorrangige Behandlung von Notfällen verursacht wurde.

Trifft den Arzt ein Organisationsverschulden für eine Wartezeit von mehr als 30 Minuten, haftet er dem Patienten für den daraus entstehenden Schaden, der etwa im Verdienstausfall bestehen kann.

Uneinheitlich beurteilen Rechtsprechung und Literatur die Frage, ob der Schaden auch die Fahrtkosten des Patienten beinhaltet.
Verfasser/in: R. Hellweg

(http://www.haeverlag.de/nae/n_beitrag.php?id=968)

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