Kann eine Matratze zu hart sein für den Rücken?

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Ja, eine Matratze kann dem Rücken schaden, wenn sie zu hart ist.

Dass die Matratzen mit der Zeit eher weicher werden, kann so auch nicht gesagt werden, es kommt da nämlich auf das Material und Qualität an, aus dem sie gefertigt ist. Federkernmatratzen werden mit der Zeit weicher, Latexmatr. werden tendenziell härter, Schaumstoffmatr. werden mit der Zeit einfach nur platter, unelastischer, bröselig.

Ob eine Matratze als bequem oder unbequem empfunden wird, hat nichts mit der Festigkeit zu tun, sondern nur mit dem individuell unterschiedlichen Empfinden.

Nun zu dem Grund, weshalb eine harte Matratze schaden kann. Zum besseren Verständnis ist eine kleine Exursion in die Anatomie und Physiologie des Körpers nötig. Der Rücken besteht aus Wirbelknochen, Zwischenwirbelringen, Rückenmark und Nervenwurzeln, Muskeln und Bändern. Die Wirbelknochen sind übereinander "gestapelt" zur Wirbelsäule. Zwischen den Knochen sind die Zwischenwirbelringe (Volksmund: Bandscheiben ) angeordnet als Federelemente und als Distanzringe, damit die Nervenwurzeln Platz haben, die dem Rückenmark entspringen. Rund um die WS sind Bänder angebracht, die die WS von oben bis unten umhüllten, die Bandsch. fixieren und auch die Wirbelknochen zueinander fixieren. Die Muskeln schließlich sorgen für Bewegung, geben Kraft, tragen sehr zur Stabilität der WS bei und sie geben unserem Körper die Haltung. Soweit ganz grob die Beschreibung.

Nun werden wir abends ( manche schon vorher ) müde und gehen zu Bett, u.a. um zu Schlafen. Warum wir schlafen müssen gibt es viele Gründe. Einer sind unsere Muskeln. Sie werden im Laufe des Tages immer weniger leistungsfähig, verbrauchen eingelagerte Kraftstoffe, reichern Schlacken an. Im Schlaf entspannen die Muskeln weitestgehend, können dabei sauber gespült werden und sich regenerieren. Dabei geht dann allerdings die Stütz- und Haltekraft der Muskeln weitgehend zurück. Jetzt kommt die Matratze ins Spiel. Genauer gesagt kommt die Matratze plus Lattenrost ins Spiel. Diese beiden Komponenten übernehmen nun gemeinsam von der Muskulatur die Stützarbeit für die WS . Exakter gesagt übernimmt der Lattenrost den Part der Stützarbeit, die Matratze den Part der Bequemlichkeit, damit wir ruhig schlafen können.

Die recht unterschiedlichen Figuren sollen nun im Schlaf nicht "durchhängen" aber auch nicht an den "Ausbuchtungen" aufliegen und der Rest schwebt im Freien.

Ist die Abstützung des Lattenrost zu gering, dann hängt der schlafende Körper mit seinem Schwerpunkt Beckenring durch, ist der Lattenrost (und die Matratze) hart wie ein Brett, dann liegt der Körper an einigen Druckpunkten auf, der Rest liegt frei. Beides ist ungut. Das Lattenrost ist dann ideal, wenn man sich mal ohne Matratze vorsichtig drauflegt und der Auflagedruck überall als gleich fest empfunden wird. In Rückenlage sollte unter dem Po der Rost so tief nachgeben, dass darüber das "Hohlkreuz" dennoch von den Latten gestützt wird. In Seitlage sollte der L.-Rost von der Schulter und dem Becken so tief eingedrückt werden, dass die Taille ( soweit vorhanden ) auch noch von unten Gegendruck, also Abstützung erfährt. Wer dies beim Lattenrost-Probeliegen so empfindet, der hat den richtigen Lattenrost. Nun kommt die Matratze ins Spiel: Auch wenn der L.-Rost sehr schön anpassungsfähig und elastisch ist, so liegt man dennoch darauf hart und unkommod. Dafür haben wir die Matratze. Sie muss nun passend zum Gewicht des Nutzers so dick sein, dass einerseits die harten Holzlatten nicht mehr zu spüren sind, andererseits muss sie so dünn sein, dass die gute Anpassung des Lattenrostes nicht verringert wird. Dazu muss die Matratze eine möglichst hohe Punktelastizität aufweisen. Nur dann kann sie sich, genau wie der vorher erprobte Lattenrost, der Körperform geschmeidig anpassen. So liegt dann der Körper einerseits vom Lattenrost stabil formgerecht gestützt, aber andererseits dennoch schön bequem.

Tests in Schlaflaboren haben gezeigt, dass Menschen auf festen, unnachgiebigen Matratzen/Lattenrosten sich im Schlaf bis zu 300 Mal drehten, die Schlafstellung wechselten. Menschen auf anschmiegenden Matratzen dagegen änderten nur ca. 30 Mal die Körperhaltung.

Die untersuchenden Wissenschaftler führen das darauf zurück, dass unser Hirn auch im Schlaf registriert, ob der Körper irgendwo hohe, ungute Auflage-Druckbelastung erfährt, - oder nicht. Ist die Matratze hart, sucht er halt die ganze Nacht nach einer erholsamen Position. Passt sich das Bett dem Körper an und stützt ihn formgerecht, dann gibt es für´s Hirn keinen Grund für einen Stellungswechsel, so kann der Körper ruhig ud erholsam schlafen.

Viele werden jetzt widersprechen, " ich kann nur auf harten Matratzen gut schlafen", aber dies ist nur die subjektive Empfindung. Spätestens wenn morgens "die Knochen" wehtun, dann sollten sie jetzt wissen warum die weh tun. LG

Sehr gut erklärt, bin begeistert. :))

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Natürlich kann eine zu harte Matratze schädlich sein, genau wie eine zu weiche. Ich würde dir raten, eine gute Matratzenauflage zu kaufen. Ich habe das gemacht, weil mein Mann seine ziemlich neue auch durchgelegen hat. Es hat gut funktioniert und er hat keine Beschwerden mehr.

Crashpad als Matratze

Hallo! Ich habe eine Frage: Ich "leide" an angeborener Bindegewebsschwäche, die mir häufig starke Rückenschmerzen verschafft. Ich schlafe im Moment auf einer durchgelegenen Federkernmatratze, und so langsam wird es zur Qual, deshalb muss einen neue her. Und da ich leidenschaftlicher Kletterer bin, spiele ich mit dem Gedanken, mir ein sog. Crashpad zu kaufen, also sehr harte matten, die beim Klettern ohne Seil als Schutz auf den Boden gelegt werden. Jetzt meine Frage: Wäre es möglich, ein solches Crashpad als Matratze zu benutzen? Ich kenne mich in dem Thema nich so aus, und wollte einfach mal fragen, ob dies ratsam wäre, da ich im internet keine wirkliche antwort finde. Aber der Großteil der Antworten in Foren bestand auf eine harte Matratze. Ich habe schon mal auf so einem Crashpad geschlafen, und muss sagen, in der Seitenlage ist es ungewohnt, da ich wie gesagt auf der sehr weichen Matratze schlafe, aber in der Rückenlage ist es wesentlich angenehmer. Ist es also ratsam, sich zusätzlich zu dem Crashpad eine teuere Matratze anzuschaffen, oder wäre es mit dem Crashpad möglich, Schlaf zu finden?

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