Frage von alegna796, 76

Kann das ein eingeklemmter Nerv sein?

Ich habe in meinem linken Schultergelenk schlimme Schmerzen, die bis ins Handgelenk streuen. Unter der Haut fühle ich ständig ein kribbeln, so wie Ameisen. Außerdem habe ich starke Bewegungseinschränkungen und Taubheitsgefühl.

Der Arzt hat mir gesagt, meine Gelenkpfanne an der Schulter wäre geschrumpft, wahrscheinlich durch die 33 Bestrahlungen, die ich auf dieser Seite wegen Brustkrebs bekommen habe. Es ist nun vier Jahre seit der Bestrahlung her. Ich frage nun mal die Fachleute, kann denn das sein? Was kann ich tun, dass mein Arm wieder belastbar wird?

Der Orthopäde hat mich ziemlich im Regen stehen lassen und mir nur Schmerzmittel verschrieben.

Danke für Eure Hilfe.

Antwort
von Winherby, 35

Hallo alegna,

das ist mit hoher Wahrscheinlichkeit ein gereizter Nerv.

Die Frage ist lediglich, wo wird da ein Nerv gereizt?

Meistens steht sofort die HWS im Verdacht. Focussiert sich ein Orthopäde dann auf die HWS/Bandscheiben, wird dabei dann meist der Plexus Bracialis übersehen. 

Dieser Plexus besteht aus mehreren Nerven aus der unteren HWS stammend und verläuft, zusammen mit Blutgefäßen, durch eine Art Fascienschlauch in den Arm. 

Die dabei kritische Stelle liegt im Bereich zwischen 1. Rippe und dem Schlüsselbein. Je stärker ein Mensch verkrampfte Muskeln im Schulter-/Nackenbereich hat, umso dichter werden diese 1.Rippe und die Clavicula zusammengezogen. Und ab einer bestimmten Stärke der Verkrampfung ist der Abstand dieser beiden Knochen sooo gering, dass dieser Fascienschlauch gedrückt wird. 

Dass das dann neg. Einfluss auf die Nerven und Blutgefäße nimmt, ist wohl verständlich.

Ich habe viele Pat. behandeln dürfen, nachdem sie an Carpaltunnelsyndrom operiert wurden. Denn diese Menschen hatten nach der OP keinerlei Verbesserung ihrer Symptome. 

Dann habe ich die Muskeln im o.g. Bereich gelockert, die Wirbelblockaden mobilisiert, evtl. das Schulter-/Armgelenk bei Bedarf mobilisiert, und siehe da, sämtliche Paresen, Parästesien und Durchblutungseinschränkungen waren weg.

Ein MRT kann evtl. eine HWS-Beteiligung am Geschehen bestätigen oder eben nicht. 

Wenn Du selbst das Empfinden hast, Du seiest im Schulter- und Nackenbereich ausreichend locker, dann wäre zunächst das MRT der HWS sinnvoll.

Spürst Du dort aber deutliche starke Verkrampfung, dann sollte der PB im Focus des Arztes stehen.

Du erwähnst zwar Bewegungseinschränkungen, schreibst aber nicht in welchem Gelenk oder Bereich. Ist es das Schultergelenk, dann kann es wohl mit der Schrumpfung zu tun haben. Ist es aber der Bereich HWS, dann sollte der o.b. Plexus mal vom Neurochirurgen beäugt werden. 

Die meisten Orthopäden sind mit solch komplexen Problemen überfordert, so meine Erfahrung. Da kann man nur mit Frakturen,Stauchungen oder Sehnen- und Bänderabrissen hingehen. Sobald Paresen etc. im Spiel sind geh besser zum Neurochirurg. Keine Bange wg. der Berufsbezeichnung, die schnibbeln nicht so schnell.

Gute Besserung, Winherby















Kommentar von alegna796 ,

Hallo Winherby, ich danke Dir ganz herzlich für Deine Ausführungen. Jetzt bin ich auch der Meinung, dass es der Plexus Bracialis ist, denn die Muskeln im Schulter-/Nackenbereich sind sehr verspannt. Man kann im Schulterbereich richtige Muskelknoten fühlen. Die Schmerzen ziehen von der Schulter bis ins das Handgelenk, die Gelenke sind aber beweglich, nur die Muskeln ziehen sich zusammen. Ich kann z. B. nichts richtig festhalten und der Oberarm fühlt sich richtig taub an.

Sobald ich die Arme nach vorn halte, z. B. beim Bügeln, essen  u. ä. kommen die Schmerzen in Höhe Halswirbelsäule Übergang zur Brustwirbelsäule dermaßen stark, dass ich meine ich hätte Zahnschmerzen im Rücken.

Nun muss ich nur noch sehen, dass ich irgendwann mal einen Termin beim Neurologen bekomme.

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