Ist eine Vorsorgevollmacht im Alter oder Krankheitsfall sinnvoll?

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3 Antworten

Gesetzliche / rechtliche Betreuung - oder Patientenverfügung, General- / Vorsorge-Vollmacht? Tipp von heureka47 am 23.05.2009 um 13:53 Uhr

Um im Falle von Krankheit / Behinderung, Pflegebedürftigkeit, Geschäftsunfähigkeit usw. die gesetzliche / rechtliche Betreuung durch fremde Personen / Berufsbetreuer zu vermeiden, empfiehlt es sich, rechtzeitig Vorsorge zu treffen. Wer nicht möchte, dass eine vom Vormundschaftsgericht bestellte Person die – vor allem juristisch relevante - Entscheidungen trifft, sollte sich über die Möglichkeiten informieren, Personen seines Vertrauens per Patientenverfügung oder Vorsorge- bzw. Generalvollmacht zu bevollmächtigen.

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In Hamburg hat die zuständige Behörde schon vor einiger Zeit mit Flyer und einer umfassenden Broschüre auf dieses Thema aufmerksam gemacht. Ihr Titel „Ich sorge vor“.

Aus dem Erfahrungsumfeld Psychiatrie-Erfahrener ist mir seit Jahren bekannt, dass sich insbesondere Menschen mit psychischen Störungen / Erkrankungen von rechtlichen / gesetzlichen Betreuern oft nicht gut, nicht angemessen, vertreten sehen. Verbände von Psychiatrie-Erfahrenen haben deshalb schon vor Jahren Initiativen für Alternativen ins Leben gerufen und bieten für diesen Fall speziell das „Psychiatrische Testament“ an. Ansonsten ist eine der am meisten empfohlenen Alternativen die Vorsorge-Vollmacht.

Wichtig zu wissen, dass die „Rechtliche / gesetzliche Betreuung“ auf einem Gesetz beruht, das seit den 90er Jahren die frühere Vormundschaft ersetzt.

Aus Sicht Psychiatrie-Erfahrener ist der Begriff „Betreuung „ schlecht gewählt, denn wie sich zeigt, lassen sich viele Menschen zur Rechtlichen / gesetzlichen Betreuung überreden, weil sie – in Unkenntnis der gesetzlichen Grundlagen - wahrscheinlich glauben, dass sie eine bessere MENSCHLICHE Betreuung bekommen – was in den meisten Fällen sich als Irrtum herausstellt.

Uns ist von nicht wenigen Betroffenen auch mitgeteilt worden, dass die vom Vormundschaftsgericht bestellten gesetzlichen / rechtlichen Betreuer die Möglichkeiten genutzt haben, sich an vorhandenem Vermögen zu bereichern – zum Nachteil der Betreuten.

Wie uns schriftlich belegt wurde, hat in Hamburg ein rechtlicher Betreuer einen Stundensatz von sage und schreibe 300,- (dreihundert !) DM abgerechnet (der Betreute hatte eigenes Geld und Grundbesitz), was bei gerichtlicher Überprüfung immerhin auf die Hälfte reduziert wurde. Dieser immer noch hohe Stundensatz von 150,- DM wurde vom Gericht nur gebilligt, weil der Betreuer angab, die Betreuung dieses Klienten sei „sehr schwierig“.

In Zweifelsfällen raten wir, bei Errichtung einer gesetzlichen / rechtlichen Betreuung die Gründe und Gutachten prüfen zu lassen.

Es gibt inzwischen rund dreimal so viele Menschen mit gesetzlicher Betreuung als es vor der Gesetzesänderung Menschen gab, für die das Vormundschaftsgericht zuständig war! Eine aus Sicht der Betroffenen bedenkliche Entwicklung.

Insoweit Menschen mit psychischer Erkrankung betroffen sind, findet man Rat und Hilfe evtl. auch bei den Unabhängigen Beschwerdestellen für Menschen mit psychischer Erkrankung, die es in etlichen Städten seit einigen Jahren gibt.

(23-05-09)

Nein, man bekommt diese Vollmacht nicht automatisch. Es wäre schon sinnvoll, wenn Deine Mutter Dir zu Zeiten, wo sie selbst noch geistig fit ist, eine Vorsorgevollmacht erteilt. Weiterhin wäre es zweckmässig, wenn sie auch eine Patientenverfügung verfasst, so dass im Krankheitsfall, wenn die Mutter nicht mehr für sich entscheiden kann, dafür gesorgt ist, dass nach ihrem Willen verfahren wird. Bei einer Patientenverfügung ist es sinnvoll, gemeinsam mit dem Hausarzt die Formulare auszufüllen, so werden Fehler in der Formulierung vermieden und die Verfügung genau so abgefasst, wie die Mutter es wünscht. Eine Vorsorgevollmacht und eine Patientenverfügung sind nicht das Gleiche, wie schon mal fälschlicherweise angenommen wird. Ein Formular für eine Patientenverfügung kannst Du unter www.patientenverfuegungen.eu kostenlos downloaden.

Auch bei der Vorsorgevollmacht kann es angebracht sein, sich professionelle Hilfe zu holen.

Je nachdem wie umfassend sie sein soll (z.B. Generalvollmacht), sollte ein Notar hinzugezogen werden.

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Sie ist einfach IMMER sinnvoll.

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