Ist die private Krankenversicherung qualitativ besser als die gesetzliche?

5 Antworten

Hallo! Ich bin privat versichert, war aber auch mal gesetzlich versichert, so dass ich ganz gut vergleichen kann.

Sicherlich gibt es Ärzte, die große Unterschiede zwischen gesetzlich und privat Versicherten machen. Das fängt dann z.B. schon bei der Terminvergabe an. Bei einem Orthopäden hatte ich es mal erlebt, dass ich für einen Termin als Neu-Patientin angerufen habe und gleich am nächsten Tag einen Termin bekommen habe. Im Wartezimmer traf ich eine Bekannte. Sie sagte "jetzt musste ich schon 3 Monate auf meinen Termin warten und sitze trotzdem schon 3 Stunden hier". Ich habe dann lieber nicht gesagt, wann ich meinen Termin bekommen habe. Und nach 5 Minuten wurde ich schon aufgerufen...

Aber so extrem ist es auch nicht bei allen Ärzten. Ich habe auch viele Ärzte erlebt, die überhaupt keinen Unterschied zwischen gesetzlich und privat versicherten machen. Mein Hausarzt z.B. Da kommt man immer genau der Reihe nach dran, wer zuerst gekommen ist, wird auch als Erster behandelt (es gibt da keine festen Termine außer für bestimmte Untersuchungen). Natürlich wird bei Notfällen eine Ausnahme gemacht.

Und auch mit den Terminen geht es als privat Versicherter nicht immer schneller. Diese Erfahrung habe ich gerade in den letzten Tagen gemacht. Und dabei erwähne ich immer schon, dass ich Privatpatient bin (auch wenn ich das eigentlich ungerne mache). Ich sollte einen Termin beim Kardiologen, beim Neurologen und beim Endokrinologen machen. Der Neurologe war der schnellste, da gibt es den Termin schon Ende August. Bei den Kardiologen (ich habe 6 verschiedene angerufen) lagen die angebotenen Termine bei Wartezeiten zwischen 3 Monaten und "wir haben den nächsten freien Termin im März". Höhepunkt war aber heute morgen der Endokrinologe. Da sagte mir die Sprechstundenhilfe doch glatt, dass es den ersten freien Termin für Neupatienten erst nächstes Jahr im Juni (!) gibt. Also hat man auch bei der Terminvergabe nicht immer Vorteile. Zumal ja immer mehr gesetzliche Kassen auch einen sog. Terminservice anbieten und garantieren, in spätestens 3 Wochen einen Termin zu bekommen.

Vorteilhaft kann auch sein, dass man sich u.U. problemlos an spezielle Ambulanzen an den Kliniken wenden kann, die bieten ja häufig Privatsprechstunden an. Diese Möglichkeit ist für gesetzlich versicherte nicht immer und überall gegeben.

Vielleicht nehmen sich manche Ärzte auch für ihre Privatpatienten etwas mehr Zeit, fertigen diese nicht in 2 Minuten ab, sondern befassen sich auch mal 10 Minuten mit ihnen. Das liegt aber wohl auch daran, dass bei den privat Versicherten jeder Patientenkontakt abgerechnet werden kann und nicht nur eine Quartals-Pauschale.

Im Krankenhaus hast du als privat Versicherter auch mögliche Vorteile. Das was ich am Wichtigsten ansehe ist, dass man - je nachdem, wie man versichert ist - in einem 1 - oder 2-Bett-Zimmer untergebracht wird und nicht in 3er oder 4er Zimmern. Du wirst dann auch meistens vom Chefarzt behandelt. Das kann, muss allerdings kein Vorteil sein, denn manche Chefärzte sind so betriebsblind oder abgehoben, dass man vom Oberarzt oder Stationsarzt besser behandelt werden würde.

In manchen Krankenhäusern gibt es für Privatpatienten auch eine größere Speisenauswahl, zusätzliche Getränke (z.B. Säfte) oder auch die Tageszeitung. Aber ich finde, das sind eigentlich alles unwesentliche Dinge.

Das krasseste Erlebnis mit der Unterscheidung zwischen GKV und PKV habe ich vor Jahren mal in einer Spezialklinik gemacht. Da war ich wirklich froh, dass ich privat versichert war. Ich bekam ein 2-Bett-Zimmer (wie versichert), eine Mitpatienten, die ich da kennengelernt habe, war gesetzlich versichert, die lag in einem 6-Bett-Zimmer! Unser Zimmer wurde jeden Tag geputzt, deren Zimmer nur 2-3x/Woche. Wir bekamen Mineralwasser, soviel wir brauchten, die gesetzlich versicherten mussten es sich kaufen. Und wenn der Mindestaufenthalt bei 2-3 Wochen liegt, kann das ordentlich ins Geld gehen (es war weit und breit kein Discounter). Gegessen wurde in einem Speisesaal. Den privat Versicherten wurde viel mehr Auswahl z.B. beim Brotbelag angeboten (z.B. roher und gekochter Schinken, verschiedene Käsesorten, Nutella u.a.), die gestzlich Verischerten bekamen nur den Standard-Brotbelag. Und beim Mittagessen gab es für die einen z.B. 3 Kartoffeln, für die anderen nur 2. Bzw. insgesamt unterschiedlich große Portionen. Da war es mir manchmal schon peinlich, privat Versichert zu sein (wobei wir dann Dinge bestellt und den anderen gegeben haben).

Ich denke aber, dass bei der grundlegenden medizinischen Versorgung keine Unterschiede bestehen, es ist wohl eher so, dass bei den Privatpatienten eher noch was oben drauf kommt, aber nicht, dass bei den gesetzlich Versicherten was abgezwackt wird.

Viele Grüße

In erster Linie ist wohl eine bevorzugte Terminvergabe das Plus. Allerdings hört man in letzter Zeit häufig, dass Privatpatienten mit unnötigen Untersuchungen und Behandlungen 'belastet' werden. Die private Krankenversicherung zahlt ja....

Andererseits gibt auch sinnvolle Behandlungsmethoden, die bestimmte Private zahlen, viele gesetzliche Versicherungen jedoch ablehnen (z. B. Akupunktur).

Eine Behandlung durch den Chefarzt kann auch einem gesetzl. Versicherten zugute kommen. Es kommt halt auf das Krankheitsbild an. Wobei ein Arzt, der jeden Tag 'am Patienten arbeitet' sicher genauso gut, wenn nicht besser sein kann, als ein Chefarzt, der sich auf die Verwaltung konzentriert und nur ab und zu aktiv ist.

Ein großer Vorteil ist natürlich, dass man wohl nicht in einem 3-Bett-Zimmer untergebracht wird. Der große Nachteil: Die hohen Versicherungskosten, die vor allem im fortschreitenden Alter belastend sein können.

Hallol,

es gibt Ärzte, die bei der Terminvergabe und den Zeiten im Wartezimmer Unterschiede machen.

Bei Leistungen ist aber nicht nur wichtig, was man bekommt, sondern auch was von der Versicherung erstattet wird.

In der GKV erfährt man meistens direkt vom Arzt vor der Behandlung, was die Krankenkasse nicht bezahlt. Man kann dann entscheiden, ob man die Leistung privat bezahlen möchte (oder sich bei der Krankenkasse erkundigen/beschweren).

In der PKV erbringt der Behandler zunächst die Leistung. Bei den vielen verschiedenen PKV-Tarifen kann er gar nicht wissen, wer was versichert hat. Wenn man die Rechnungen zur Erstattung einreicht, entscheidet die Versicherung, ob diese Leistung im Tarif enthalten ist und ob die Leistung das Maß des Notwendigen überschreitet. Häufiger hat man den Eindruck, dass dieser letzte Punkt besonders bei Kranken und Älteren intensiver geprüft wird (man kann ja praktisch nicht mehr wechseln).

Leistungen, bei denen die GKV häufig mehr bietet als die PKV:

  • Reha/Kuren (auch Mutter-Kind-Kuren)

  • Heilmittel (Ergotherapie, Podologie)

  • Psychotherapie

  • Hilfsmittel

GKV-Hilfsmittelkatalog:

http://www.gkv-spitzenverband.de/krankenversicherung/hilfsmittel/hilfsmittelverzeichnis/hilfsmittelverzeichnis.jsp

  • Haushaltshilfe

  • Krankengeld bei Erkrankung des Kindes

  • Taxifahrten

  • Hebammenhiulfe

  • Mutterschaftsgeld

häufige Beschwerden von PKV-Versicherten:

.pkv-ombudsmann.de/taetigkeitsbericht/

Wenn man in die PKV gewechselt ist, kann man nur in wenigen Sonderfällen zurück in die GKV wechseln (diese Sonderfälle sinfdin den letzten Jahrebn per Gesetz immer weiter eingeschränkt worden). Man sollte vor einem Wechsel immer einen lebenslangen Vergleich der Beiträge machen: als Alleinstehender, mit Familie (ggf, nicht berufstätiger Ehegatte), als Rentner mit niedrigeren Einnahmen

Noch Fragen offen?

Gruß

RHW

Stimmt, bei der Reha sind tatsächlich gesetzlich Versicherte besser dran. Die privaten Versicherer übernehmen da immer nur einen ganz geringen Betrag pro Tag, bei mir waren es letztes Jahr 9€/Tag. Auch die Beihilfe hatte Abzüge gemacht, so dass ich letztendlich bei meinem 4wöchigen Reha-Aufenthalt über 1000 € aus eigener Tasche bezahlen musste. Und die gesetzlich Versicherten nur ihre 10 € / Tag, sofern sie die 28-Tage-Grenze noch nicht erreicht hatten, sonst gar nichts.

Allerdings habe ich bei den Hilfsmitteln mit meiner Versicherung Glück, die übernehmen die Dinge, die ich wegen meiner künstlichen Ernährung brauche, aus Kulanzgründen, obwohl sie es nicht müssten. Da steht dann immer als Anmerkung drunter "Diese Leistung steht nicht in unserem Leistungskatalog. Entgegenkommend zahlen wir diese Leistung trotzdem" oder sowas in der Art. Das ist dann wohl auch von Versicherung zu Versicherung verschieden.

2
@Lexi77

Hallo Lexi77,

bei einer Reha ist wie allen Leistungen drr PKV immer der gewählte PKV-Tarif entscheidend. Bei vielen PKV-Unternehmen gibt es Billig-Tarif und leistungsstarke, teure Tarife. Für Reha-Leistungen gibt es meist separate Tarife. Als Arbeitnehmer hat man meist auch Ansprüche auf eine Reha gegenüber der Rentenversicherung. Als Rentner (auch Frührentner) entfällt dieser Anspruch aber. Dann hat man als Rentner ein Problem.

Leistungen, die nur auf Kulanzbasis übernommen werden, können für die Zukunft jederzeit abgelehnt werden. Wenn die Leistungen teurer als die gezahlten Beiträge werden, kann es schnell zu einer Ablehnung kommen. Dann sollte man über entsprechende finanzielle Rücklagen verfügen.

Gruß

RHW

0
@RHWWW

Klar, Leistung kostet Geld. Gute Leistung kostet mehr Geld. Aber für das Schmalspurhonorar, das die kranken Kassen zahlen, darf man ebenso wenig Leistungen erwarten, als beim Basistarif der PKV. Diesen halte ich sowieso für Bauernfängerei. Der Pat. meint, er sei gut versichert, wedelt am Praxisempfang mit seiner PKV-Billigheimer-Karte, um dann zu erfahren, dass ihn der Arzt zum 0,8 - 1,2fachen Hebesatz der GOÄ nicht behandelt will.

2

Leistungen, bei denen die GKV häufig mehr bietet als die PKV: [...]

Sorry, aber das halte ich für ein Gerücht. Gerade in den von dir aufgezählten Bereichen gibt es bei den GKV erfahrungsgemäßs massive Einschränkungen! Beim PP gibt es mit der Verordnung und Erstattung aber in aller Regel gar kein Problem.

Das gleiche gilt für den GKV-Hilfmittelkatalog.

Haushaltshilfe von der GKV?! Kannst du meistens vergessen. Erstens dauert die Bearbeitungszeit oft so lange, dass der Pat. nicht selten schon wieder gesund ist, bevor die Haushaltshilfe genehmigt wurde (oft erlebt) und zweitens zahlen die Kassen so wenig, dass man dafür keine Haushaltshilfe findet, bzw. der Pat. sowieso das meiste selbst zahlen muss.

Taxifahrten werden von der GKV grundsätzlich nur übernommen, wenn sie vorher beantragt und genehmigt wurden.

Hebammen mögen Privatpatientinnen auch viel lieber als Kassenpatientinnen, weil sie an der GKV-Patientin kaum was verdienen und Mutterschaftgeld gibt's bei Privaten Versicherungen auch, meist sogar mehr als bei der GKV.

1
@Landarzt

Hallo Landarzt,

es gibt wirklich viele Tarife in der PKV, die in den o.g. Leistungsbereichen gar nichts oder nur sehr wenig anbieten. Beispiele:

http://www.gutefrage.net/frage/unterschied-zwischen-rehabilitationsmassnahme-und-anschlussheilbehandlung-

.gutefrage.net/frage/wem-wurden-schon-rechnungen-von-der-privaten-krankenversicherung-pkv-abgelehnt

Erfahrungen von Eltern behinderter Kinder zum Thema Hilfsmittel und zur PKV:

.rehakids.de/phpBB2/ftopic23562.html

In der GKV gibt es ohne Zweifel auch Einschränkungen. Nur Leistungen, die im PKV-Tarif gar nicht nicht enthalten sind, kann man gar nicht einschränken!

Bei Haushaltshilfe gibt es große Unterschiede zwischen den gesetzlichen Krankenkassen (Satzungsleisztung). Im Übrigen ist wenig mehr als nichts!

Taxifahrten werden von der GKV grundsätzlich nur übernommen, wenn sie vorher beantragt und genehmigt wurden.

In den meisten PKV-Tarifen werden Taxifahrten gar nicht bezahlt.

Hebammen mögen Privatpatientinnen auch viel lieber als Kassenpatientinnen, weil sie an der GKV-Patientin kaum was verdienen

Das sehe ich auch so. Es ist nur ungünstig, wenn man einen PKV-Tarif ohne Hebammenleistungen hat. Vielleicht auch vom Ehemann für die Ehefrau beim männlichen Makler abgeschlossen.

und Mutterschaftgeld gibt's bei Privaten Versicherungen auch, meist sogar mehr als bei der GKV

Erläuterungen des PKV-Verbandes zum Thema Mutterschaftsgeld:

.pkv-bb.de/Mutterschaftsgeld_Krankenversicherung.html

Gruß

RHW

2
@RHWWW

Hallo RHW,

du hast natürlich Recht. Wenn man aber einen Billigtarif bei der PKV abschließt muss man sich nicht wundern, wenn Leistungen nicht bezahlt werden. Leistung hat ihren Preis, beim Arzt und bei der Versicherung.

Wer aber eine vernünftige PKV abschließt, nicht am falschen Ende spart und die üblichen Risiken des Lebens versichert, was bei Frauen im gebärfähigen Alter selbstverständlich auch die Möglichkeit der Mutterschaft einschließt, fährt mit der PKV fast immer besser und als Gutverdiener oft billiger, als mit der GKV, welche in ihren Leistungen ja an den §12 SGB V gebunden ist.

Was Taxifahrten bei medizinsicher Notwendigkeit angeht, werden diese eigentlich immer von der PKV erstattet, sofern eine ärztliche Verordnung vorliegt. Der Patient muss diese Fahrten auch nicht vorher genehmigen lassen. Bei der GKV scheint das eher ein Glücksspiel zu sein. Die letzten zwei, die von mir verordnet wurden, wurden nicht genehmigt, sonst habe ich das Gefühl, es läuft etwa 1 : 1.

VG

Landarzt

1
@Landarzt

Hallo Landarzt,

hier beispielhaft die Leistungen eines Tarifs eines bekannten Unternehmens:

http://www.dkv.com/productdb_img/pdf/B504.pdf

-> Fahrkosten werden nur im Notfall übernommen, Taxifahrten also praktisch nie.

Kostenerstattungen für Fahrten mit dem eigenen PKW, Taxi oder öffentlichen Verkehrsmitteln zur nächstgelegenen Behandlung sind sehr selten anzutreffen.

Aussage eines größeren Versicherungsvermittlers, der wie jeder Makler von der Provision erfolgreich vermittelter Versicherungen lebt:

.cecu.de/lexikon/pkv/1499-krankentransporte-pkv.htm

Auch das erleben Privatversicherte:

.gutefrage.net/frage/als-selbstaendiger-in-die-gesetzliche-krankenversicherung-zurueck

Hier eine Übersicht zu den Leistungen bei Kuren:

.huk.de/produkte/krankenversicherung/krankenvollversicherung.jsp

In der PKV werden Leistungen, soweit sie das medizinisch notwendige Maß nicht übersteigen, erstattet. Was notwendig ist, prüft die Versicherung, wenn man Rechnungen einreicht. Der Leistungserbringer hat aber trotzdem einen Anspruch auf Vergütung. Im Übrigen werden - je nach Tarif - oft nur anerkannte Methoden erstattet.

§5 Absatz 2 und § 4 Absatz 6 PKV-Musterbedingungen:

.pkv.de/recht/musterbedingungen/mbkk2009.pdf

Hebammenleistungen: Punkt 1.1. d)

Z.B. werden in diesem Tarif Hebammenkosten nur bei ambulanter Entbindung bezahlt, d.h. Geburtsvorbereitung, Rückbildung und Wochenbettbetreuung sind nicht versichert. Hebammen werden sdiede Privatpatienten natürlich trortzdem gerne behandeln.

Hier sind alle Beschwerden, die beim PKV-Ombudsmann eingereicht wurden, beschrieben bzw. zusammengefasst:

.pkv-ombudsmann.de/

.ukv.de/web/html/resources/downloadgalerien/tarifuebersicht/CompactPRIVATOptimalB-A.pdf

Fazit: Die meisten Privatversicherten haben Tarife mit Lücken. Nur wenige haben entsprechende umfangreiche Tarife abgesichert (die oft auch erst seit Dezember 2012 = Unisextarife existieren).

Gruß

RHW

0

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