ist das in der Altenpflege normal?

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7 Antworten

hallo novize! es ist eine unendlich schwere entscheidung, die mutter in ein heim zu geben. ich kenne das aus meiner sicht als tochter und auch aus der sicht einer altenpflegerin. meine mutter hat auch alzheimer, ich musste sie in das heim übersiedeln, in dem ich selber einemal als pflegerin gearbeitet habe. die schuldgefühle sind sehr intensiv und lange anhaltend. das erste gebot ist: der heimbewohner soll sich wohl fühlen und gut versorgt sein. das heißt auch: so wenig zwang wie möglich. die welt dieser menschen ist eine andere geworden. manche wollen alles essen, was ihnen in die finger kommt, weil das hungerzentrum nicht mehr funktioniert, so wie bei meiner mutter. aber sie ist ständig auf den beinen, wandert tag und oft auch nachts durch die gänge und zimmer, deshalb ist sie noch schlank. manche menschen wehren sich sehr kräftig, sie können da ungemein stark werden, gegen jegliche art von hygiene. wir mussten oft zu zweit arbeiten, einer hält und beruhigt (manchmal hilft singen), der andere pflegt, so schnell er kann. der zeitdruck ist enorm. wie überall: zu wenig personal. was die medikamente betrifft, die sollten UNBEDINGT überprüft und hinterfragt werden. sie haben jedes recht dazu. verwahrlosung sollte auf keinen fall toleriert werden, auch wenn sanfter nachdruck nötig ist. ich kenne die verpflichtungen in einer WG nicht, vielleicht wäre ein seniorenheim doch eine bessere alternative? ich wünsche ihnen, die schuldgefühle vergessen zu können, denn sie wollen nur das bestmögliche für ihre mutter. ihrer mutter wünsche ich noch eine zufriedene zeit mit verständnisvollen begleitern. solche patienten brauchen viel zuwendung und auch zärtlichkeit, das gefühl der geborgenheit. wie kleine kinder. alles liebe und gute!

Was du schreibst ist ziemlich normal für solche Aufenthalte mit entsprechender Pflege. Medikamente werden immer mehr und aran kann es auch liegen, dass deine Mutter zugenommen hat. Die Pflege beschränkt sich auf das Notwendigste. Doch du hast nur wenige Alternativen. Entweder du suchst ein neues Pflegeheim, betreust sie wieder selbst oder belässt es wie es ist. Es ist nicht immer einfach allem gerecht zu werden, aber ihr müsst einen geeigneten Weg für euch finden, vor allem für die eigenen Möglichkeiten und das eigene Gewissen.

Hallo Novize,

ich kann dich sehr,sehr gut verstehen.Vor 4 Monaten stand ich ebenfalls vor der Entscheidung Pflegeheim ja oder nein.....und das ist mir nicht leicht gefallen.So manches mal kamen mir Zweifel,habe ich das richtige getan? Würde es doch noch eine Möglichkeit geben den Angehörigen zu Hause zu pflegen 24 Stunden rund um die Uhr,vor allem auch in finanzieller Hinsicht? Würde oder könnte ich es körperlich und psychisch schaffen diese Aufgabe selbst zu übernehmen?Fragen über Fagen..........wenn man dann von den Mißständen in Altenheimen liest bekommt man gleich noch ein schlechteres Gewissen,als man es ohnehin schon hat.

Eine Demenz WG ist für mich eine Wohngemeinschaft und kein Pflegeheim im eigentlichen Sinne,also gar nicht zu vergleichen.Was die Medikamente betrifft,da müßte es doch eine Indiaktion geben und vor allem auch mit euch darüber gesprochen worden sein.Immerhin kann so etwas deine Mutter gar nicht mehr alleine entscheiden aufgrund der Erkrankung.Von zwei auf acht Medikamente ist schon recht heftig.....

Was die Körperhygiene betrifft da kann ich dir leider keinen Rat geben.Vielleicht wartest du noch einige Zeit ob sich an dem Zustand etwas bessert,denn du hast ja diesen Zustand bemängelt,was dein gutes Recht ist oder über eine alternative Unterbringung nachdenken.

Ich wünsche dir viel Kraft und alles Gute!Liebe Grüße

Novize 14.04.2014, 12:11

Ich habe die amtliche Betreuung für meine Mutter übernommen, der Pflegedienst, der die WG 24/7 betreut die Pflege, wozu auch das Organisieren von Hausbesuchen div. Ärzte gehört. Diese Praktik stellt für uns eine große Entlastung dar, denn ich bin nicht in der Lage, mit meiner Mutter sämtliche Ärzte aufzusuchen. Da müsste ich meinen Job kündigen.

Die Medikamente sind angeblich erforderlich, weil meine Mutter nicht nur unter Demenz leidet, sondern auch unter Depressionen und innerer Unruhe sowie Störungen der Motorik - ich möchte mir nicht anmaßen, die Behandlungsmethoden von Ärzten zu kritisieren, denn auf diese Diskussion läuft es dann hinaus.

Ein echtes Dilemma, in das man mit einem Demenzkranken gerät.

Danke für den Denkanstoss!

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sonne123 14.04.2014, 13:33
@Novize

Gibt es bei euch in der Nähe eventuell die Unterbringung in einer Tagespflege?Bei uns sieht es mit dieser Alternativmöglichkeit sehr schlecht aus,entweder Kurzzeit oder eben vollstationär und selbst die Demenz wird zu einem Problem bei der Suche nach einem Heimplatz,weil nicht überall für die notwendige Sicherheit (Weglauftendenz) gesorgt werden kann,was ich verstehe,aber die Situation eben auch nicht gerade erleichtert.Ein echtes Dilemma,da gebe ich dir recht.........hoffentlich ergeht es uns eines Tages nicht selbst so.

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Novize 14.04.2014, 18:21
@sonne123

Nein, eine Tagespflege kommt aus mehreren Gründen nicht für meine Mutter in Frage.

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Hallo Novize,

es gibt Ärzte die verschreiben deutlich mehr Medikamente. Weil keiner weis was Arzt X und was Arzt Y verschrieben hat. Von Arzt Z gar nicht zu reden. Ich würde einmal sämtliche Medikamente notieren als Medikamnet XY 250 mg usw.

Damit würde ich mich einmal an einen Facharzt für Geriatrie aufsuchen

Es gibt eine solche Liste wo Medikamente aufgeführt sind die für Senioren ab einem bestimmten Alter wenig hilfreich sind http://priscus.net/download/PRISCUS-Liste_PRISCUS-TP3_2011.pdf

Das heißt man müsste einmal die Medikamente Deiner Mutter überprüfen. Das Problem man muss Wechselwirkungen möglichst vermeiden.

In wie weit solche Patienten Medikamente zum ruhig stellen dazu noch bekommen weil zu wenig Personal da ist ...usw.?

Wenn ich so ein Problem hätte würde ich mich unbedingt einmal hier an das Forum wenden da gibt es ein Beraterteam alzheimerforum.de

Wenn man da richtig Hilfe bekommt sollte man schon einmal eine Tasse Kaffee ausgeben oder so... .

VG Stephan

Hallo Novize, das hört sich nicht so an, als ob die Pflegekräfte sich da genug Zeit nehmen bzw. sie einfach nicht haben. Fußpilz und starker Körpergeruch sowie die starke Gewichtszunahme sprechen dafür, dass man sich nicht genug kümmert. Ich würde auf alle Fälle mal genau hinterfragen, warum sie plötzlich so viel Medikamente einnehmen soll. Es ist nicht auszuschließen, dass sie da einfach ruhig gestellt wird. Ich würde an Deiner Stelle die Krankenkasse informieren, dass Deine Mutter offensichtlich, was die körperliche Hygienemaßnahmen angeht, vernachlässig wird. Ich würde das nicht so einfach hinnehmen. Der nächste Schritt wäre dann womöglich Soor, weil ihr keiner die Zähne putzt. Alles Gute. Gerda

gerdavh 14.04.2014, 10:38

Ich habe soeben noch einen erschütternden Bericht über die allgemeinen Misstände in unseren Pflegeheimen gefunden

http://investigativ.welt.de/2012/09/10/unendliches-leid-in-deutschen-pflegeheimen/

Ich würde auf alle Fälle die Krankenkasse und evtl. sogar das Gesundheitsamt informieren, wobei man natürlich nicht weiß, ob das irgendwas Positives dabei rauskommt. Nett sein genügt nicht bei einer demenzkranken, pflegebedürftigen Person. lg Gerda

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Novize 14.04.2014, 10:52
@gerdavh

Danke für den interessanten, erschütternden Link!

Die Missstände in Heimen etc. sind mir natürlich bekannt, genau aus diesem Grund möchte ich mich im Vorfeld informieren, ohne eine Lawine loszutreten, die nachher auf dem Rücken meiner Mutter ausgetragen wird.

Wenn ich ganz ehrlich bin, haben wir selbst nicht die perfekte Pflege hinbekommen, da sie sich gegen einiges erst einmal sträubt und die Zeit und Geduld hatten wir irgendwann nicht mehr. Damit es besser wird, haben wir uns schweren Herzens entschlossen sie dorthin zu geben.

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gerdavh 14.04.2014, 11:05
@Novize

Ja - ich muss sagen, die Bedenken hätte ich ja auch. Nicht dass es irgendwann rauskommt, wer da Kontrollbesuche veranlasst hat und Deine Mutter das dann ausbaden muss. Das Schlimme ist, dass wir hierzulande keine große Auswahl an Pflegeheimen haben und Du - selbst bei einem Wechsel - nie wissen kannst, ob es nicht noch schlechter wird mit der Pflege. Alles Gute. Versuch mal, soweit es dir möglich ist, wenigstens in Hinblick auf die Zahnpflege das selbst zu machen. Ist das Pflegeheim weiter weg oder kannst Du da öfters hingehen? Meine Mutter wurde zum Schluß von meinem Vater gepflegt, was man so Pflege nennt - der ganze Mund voll Soor. Schrecklich, das tut nämlich weh. Von dem vollgepissten Laken, die er nicht selbst wechseln konnte, will ich mal ganz schweigen. Hoffentlich blüht uns das nicht mal. lg Gerda

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Novize 14.04.2014, 11:21
@gerdavh

Wir haben sie "weggegeben", weil unsere Grenzen (physisch wie auch psychisch) bereits überschritten waren - es sollte besser werden für sie und für uns. Wir sind cs. 2 mal wöchentlich in der WG und betreiben Schadenbegrenzung - soweit das überhaupt möglich ist.

Die Kosten belaufen sich monatlich incl. Pflege, Miete für das kleine WG-Zimmer und Verköstigung auf ca. 3.400,-- Euro , dafür kann man wohl eine gute Pflege verlangen.

Zum MDK-Gutachter-Besuch vorige Woche wurde meine Mutter herausgeputzt incl. Fingernägel lackieren - dafür war Zeit, weil es ja um das MdK-Gütesiegel ging.

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sonne123 14.04.2014, 11:57
@Novize

Müßt ihr diese 3400€ alleine aufbringen oder gibt es einen Zuschuß von der Pflegekasse?

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Novize 14.04.2014, 12:13
@sonne123

Meine Mutter hat die Pflegestufe 2 (bei Unterbringung in einer Pflegeeinrichtung gibt es mehr, als bei häuslicher pflege) und eine Rente, den Rest bringen wir selbst auf, deshalb wehre ich mich im Prinzip dagegen, dass ich nun wieder alles alleine mit meiner Tochter machen soll!

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pferdezahn 14.04.2014, 14:50
@gerdavh

Wenn man dem Angehoerigen einer Familie in einem Pflegeheim besucht, dann ist selbstverstaendlich das Pflegepersonal sehr nett, aber sowie Du das Pflegeheim verlaesst, sieht es anders aus. Diese Erfahrung hatte ich auch schon gemacht und von anderen gehoert. Es ist heute nicht so einfach, ein gutes und vertrauenswuerdiges Pflegeheim zu finden. Da wundert es einem nicht, dass immer mehr Pflegebeduerftige ins Ausland (auch nach Thailand) gehen.

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Hallo zusammen,

ich kann mich nur an die Anderen anschließen. Deine Mama wird in dieser Anstalt nicht richtig behandelt. Sprich mit der Leitung oder benachrichtige die Krankenkasse. Viel Glück!

BBienchen 24.08.2014, 20:58

Hallo AnnaHa, warum wird sie da nicht richtig behandelt, sie fühlt sich ja wohl. Hier wird ja der Pflegezustand bemängelt. Es gibt Pflegeheime, da sind die zu Pflegenden so sauber und gepflegt (sie glänzen richtig), aber das Menschliche bleibt auf der Strecke, hier kann man sagen, sauber, satt und garnichts mehr. Die Angehörigen freuen sich. Sie sehen sauber und satt. Aber den zu Pflegenden, wie geht es ihm damit? Fühlt er sich so wohl? Man muss bei der Auswahl wirklich danach sehen, was für Ansrüche und Vorstellungen (auch Kostenfrage) jeder hat.

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Hallo Novize, es ist schwer, die Mutter weg zu geben, wenn man zu Hause die Pflege nicht mehr schafft, gerade Demenz ist die schwerste Pflege. Zu den Medikamenten kann ich nichts sagen. Es ist ja mit dem HA abgestimmt. Sie schreiben auch, es ging zwei Jahre, dann nichts mehr. Darf ich fragen, was nicht mehr ging? Gepflegt muss in der WG werden, das ist keine Frage. Aber man muss auch sehen, wem es gut gehen soll, der Mutter, die in der Grundpflege etwas nachlässiger ist, es nicht andern haben will, oder den Angehörigen, weil sie sich dann besser fühlen. Oft ist da immer ein klein bischen Egoismus mit dabei. Wird die Pflege wirklich vernachlässigt, ist es besser, man sieht sich nach einem anderen Heim um. Die Kommunikation mit dem Personal ist sehr wichtig. Auch um zu verstehen, warum es gerade so ist. Ist die Demenz schon fort geschritten, ist die WG denn noch ausreichend ? Es gibt auch Phasen, da sind sie sehr aggrssiv. Ich kenne einige Demente, sie leben in ihrer eigenen Welt, fühlen sich da wohl und sicher, reisst man sie da raus, sind sie aggressiv, verbal und auch körperlich. Validation isr da sehr wichtig, das muss bei der Dementenbetreuung ganz oben stehen. Ich wünsche Ihnen und den Angehörigen fviel Kraft und Ausdauer. LG

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