Intensivmedizinische Versorgung und Reha

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Liebe Brigitte, die intensivmedizinische Rehabilitation ist wie eine Intensivstation, mit Überwachungsmonitoren, ganz viel Pflegepersonal, Beatmungsmaschinen usw. in ihr werden solche Patienten, wie Dein Vater, betreut. Sie liegen teilweise im Wachkoma, andere sind bei Bewusstsein und manche sind beatmungspflichtig und werden über eine Trachealkanüle beatmet. Zusätzlich werden Therapeuten eingesetzt, die die Patienten mobilisieren und ihnen alltägliche Dinge wieder aneignen. Ich selbst habe in so einer Station hospitiert. In der Station wo ich war, haben die Angehörigen mit dem Pflegepersonal und den Ärzten ein sehr familiäres Verhältnis und teilweise sind die Patienten je nah Zustand sehr lange dort, bis sie soweit stabil sind, das sie auf eine Normalstation verlegt werden können. Teilweise haben sich Schwerkranke tatsächlich wieder so erholt, das man es kaum glauben kann. Ich kann mir gut vorstellen, dass Dir alles Angst macht und Du darüber verärgert bist, das man die Patientenverfügung und Deine Vorsorgevollmacht nicht berücksichtigt, aber scheinbar hat Dein Vater gute Chancen sich wieder zu erholen. Klar, erscheint Dir das im Moment sehr abwegig. Du könntest Dir mal so eine IMR- Station ganz unverbindlich ansehen und viellleicht dort auch mit Ärzten, Pflegepersonal und Angehörigen sprechen. Informieren ist alles, außerdem könntest Du Dich einer Selbsthilfegruppe anschliessen, die Dir in Bezug auf Patientenvollmachten usw. behilflich sein könnten. Auf einer IMR- Station wird der Patient nach und nach von der Beatmung entwöhnt, wenn er dementsprechend stabil ist. Wenn Dein Papa noch Lebenswillen hat, wird er es schaffen. Er scheint ihn ja auch noch zu haben, sonst wäre er bei den ganzen Organversagen ja schon längst eingeschlafen. Ich würde meinem Vater diese Chance einräumen. Ich hoffe, ich konnte Dir ein wenig helfen mit meinen Informationen. Alles Gute!

Guten Morgen und vielen vielen Dank für Deine hilfreichen, informativen und kompetenen Zeilen. Ich kann den Weg den die Ärzte gehen wollen nun besser verstehen und zumindest habe ich jetzt nicht mehr nur das Gefühl, dass man meinen Vater aus welchen Gründen auch immer einfach abschieben will. Ich möchte ihm natürlich jede Chance auf Genesung geben, aber ich kann es mir wirklich nicht vorstellen, dass er mit seinem Krankheitsbild und dem Alter von 86 Jahren, das so schaffen kann, dass er dann auch wieder Freude am Leben hat. Ein Leben am Bett gefesselt wäre für ihn das allerschlimmste. Manchmal geschehen Wunder, auf das muss ich wohl hoffen.

Nochmals danke schön für deine Zeilen; Brigitte

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@Gitti58

Gern geschehen. Keiner möchte am Bett gefesselt sein, aber vielleicht bekrabbelt er sich wieder und ihr könnt noch eine schöne Zeit miteinander haben. Ich würde es Euch wünschen! Er wird weiterhin bestens versorgt werden, da kannst Du Dir ganz sicher sein. Schau Dir wirklich so eine Station vorher an, dass kann ich nur empfehlen. Du kannst ihn dort auch jederzeit besuchen und bei ihm sein. Sich mit Krankheiten abzufinden, die einen geliebten Menschen das Leben schwer machen, ist hart und schwer zu begreifen. Jemand der immer für einen da gewesen ist, voller Tatendrang und Elan, liegt plötzlich da und ist hilflos und als Angehöriger muss man es mitansehen und kann nichts tun. Ich glaub, Du machst gerade eine schlimme Zeit durch, hol Dir Unterstützung durch die Familie und hab viel Kraft! Alles Liebe!

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Es ist erschreckend, was man einem so alten und kranken Menschen noch zumutet, und daß Dir trotz Vorsorgevollmacht nicht zugehört wird, finde ich noch schlimmer.

Mein Mann war mal in ähnlicher Situation. Nach einer schweren Rücken-OP, in schlechtem Allgemeinzustand und kaum gehfähig, sollte er unmittelbar vom Krankenhaus in die Reha. Ich habe dann mit der Krankenkasse und der Sozialstation des Krankenhauses Kontakt aufgenommen und konnte erreichen, daß mein Mann zunächst nach Hause entlassen wurde, ohne Reha. Nach einem halben Jahr war er dann soweit wieder hergestellt, daß er die Reha bei stabilem Befinden aktiv absolvieren konnte, was ihm tausendmal mehr brachte, als hätte man ihn damals noch liegend in die Reha verfrachtet.

Ich weiß jetzt nicht, welche meiner Erfahrungen für Dich nützlich sein können. Wäre die Option "nach Hause" für Deinen Vater eine? Wurde er bereits ambulant gepflegt, oder lebte er sogar bereits in einem Pflegeheim? Dann würde ich an Deiner Stelle nicht nur mit der Krankenkasse und der Sozialstation, sondern auch mit der Pflegeeinrichtung (ggf. Pflegestützpunkt) sprechen! Und/oder mit dem Hausarzt Deines Vaters, der mal "von Kollege zu Kollege" mit den Ärzten in der Klinik sprechen kann.

Man muss das ganz klar sehen: die Klinik will und muss Deinen Vater jetzt schnell an einen anderen Kostenträger loswerden. Ich kann mir nicht vorstellen, daß es von besonderer Wichtigkeit für das Krankenhaus ist, ihn unbedingt in die Reha abzuschieben. Wenn sichergestellt ist, daß Dein Vater pflegerisch weiter versorgt wird, und das zügig (!) veranlasst werden kann, wird wohl kaum einer auf die Reha bestehen, zumal, wenn der Hausarzt sich einschaltet.

Ich wünsche Dir und Deinem Vater alles Gute und viel Erfolg bei Deinen Bemühungen!

Guten Morgen, danke für deine Zeilen! Da mein Vater weiterhin intensivmedizinisch behandelt werden muss, Lungenmaschine und Dialyse, kann er nicht nach Hause bzw. in den Pflegestift wo er bereits gelebt hat. Du und Schanny sowie Spade haben mir mit ihren Zeilen sehr geholfen, Information ist alles, deshalb werde ich mich an die genanten Stellen wenden und beraten/aufklären lassen. LG Brigitte

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Liebe Gitti,

bei einer Patientenverfügung kommt es immer darauf an, was da genau drin steht. Wenn er z.B. die "christliche" Patientenverfügung hat, gilt sie erst, wenn er sich im unmittelbaren Sterbeprozeß oder Endstadium einer unheilbaren Erkrankung befindet. Diese Einschränkung übersehen leider sehr viele. Dann macht es Sinn, dass die Ärzte sagen, so weit wäre es noch nicht. Du solltest dir die Verfügung daraufhin genau ansehen und dir evtl. von den Ärzten erklären lassen, warum sie ihrer Meinung nach noch nicht greift.

Nach dem Gesetz ist es deine Aufgabe zu prüfen, ob die Patientenverfügung bereits zur Anwendung kommt und sie dann gegenüber den Ärzten durchzusetzen. Notfalls musst du dir da Hilfe hohlen.

Wenn du dich beraten lassen möchtest, kannst du dich an die Bundeszentralstelle Patientenverfügung wenden: 030 613904-12 (www.patientenverfuegung.de).

Alles Gute für dich und deinen Vater

Frank

Lieber Frank,

von diesem Unterschied habe ich noch garnichts gehört, danke dir. Ich werde mich bei der Bundeszentralstelle informieren und auch die behandelnden Ärzte fragen, Danke euch allen, ist wirklich toll, dass man hier so schnell an Infos kommt. LG Gitti

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