Frage von Kyoshi, 85

Ich bilde mir ständig Krankheiten ein, male mir den baldigen Tod aus und kann deshalb in der Nacht nicht schlafen. Was tun?

Ich habe momentan ein ziemlich großes Problem. Ich war wohl schon immer hypochondrisch veranlagt (in der Grundschule war ich beispielsweise fest davon überzeugt, Darmkrebs zu haben), aber in letzter Zeit nimmt die Situation wirklich überhand. Bei jedem kleinen Schmerz und jeder kleinen Muskelzuckung dichte ich mir sofort eine tödliche Krankheit an und mahle mir den baldigen Tod aus. In der Schule ist es nicht so schlimm, aber Nachts im Bett raubt es mir den Schlaf. Ich bin in der Schule dafür immer extrem müde, weil ich Angst vor dem Einschlafen habe und dementsprechend erst einschlafe, wenn ich wirklich am Limit bin. Ich habe stets große Angst davor, dass ich am nächsten Morgen nicht mehr aufwache. Ich kann mich im Unterricht nicht konzentrieren, weil ich so müde bin. (Ich mache nächstes Jahr mein Abitur, deshalb passt das gerade gar nicht...)

Vor ca. zwei Wochen war es besonders schlimm. Ich hatte in einer Nacht wirklich das Gefühl, als würde ich jeden Moment sterben. Es fühlte sich extrem real an, meine Beine haben gezittert und mein Kopf war komplett "dicht". Ich kann dieses Gefühl schlecht beschreiben, es war einfach pure Angst und pure Überzeugung, dass ich jetzt sterben werde. (An Schlaf war in dieser Nacht natürlich nicht mehr zu denken.) Solche Panikattacken hatte ich schon mehrfach, allerdings liegen die Anderen etwas länger zurück. (Sie hatten allerdings immer den gleichen Grund. Ich dachte immer, dass ich sterben würde.)

Leider bilde ich mir meine körperlichen Symptome nicht nur ein. In letzter Zeit wurde mir oft schwindlig, ich hatte Druck im Kopf und ein bleibendes Gefühl der Benommenheit. (Natürlich wurde aus diesen Symptomen in meiner Einbildung sofort ein Gehirntumor...) Kann das an der Hitze liegen, oder vielleicht daran, dass ich zu wenig trinke? Vielleicht ist es Müdigkeit? Ich weiß es nicht, aber meine Angst lässt sich von solchen rationalen Bedenken leider nicht beirren. Ich habe gerade Durchfall und leichte Bauchschmerzen, weshalb ich diese Nacht wahrscheinlich aus Angst wieder erst um 4 Uhr einschlafen werde. Kann es sein, dass diese Symptome durch meine Angst hervorgerufen werden? Warum wurde meine Angst in den letzten drei Wochen so stark? Ich sehe keinen besonderen Anlass in meinem Leben, der das ausgelöst haben könnte. Ich weiß nicht, wie ich es beschreiben soll, aber ich habe in letzter Zeit sehr oft das Gefühl nicht mehr lange zu leben. (Ich bin 17 Jahre alt.)

Was kann ich tun? Könnt ihr mir bitte irgendetwas sagen, was mich für diese Nacht beruhigt? Kann man mit solchen Beschwerden zum Arzt gehen, oder doch lieber zum Psychologen? Reichen solche Beschwerden schon für einen Psychologen? Ich weiß, dass mein Problem komisch klingt, aber es macht mich momentan wirklich fertig... Kann es sein, dass an meinem Gefühl tatsächlich etwas dran ist? So lange (bisher 3 Wochen) hielt dieses Gefühl bei mir normalerweise nie an, weshalb ich mir gerade sehr sehr große Sorgen mache. :(

Antwort
von Nerdette85, 44

Liebe Kyoshi,

was du beschreibst, kenne ich sehr gut - ich leide auch seit früher Kindheit an einer starken Krankheitsangst, die sich wohl entwickelt hat, weil meine Mutter das auch in extremer Form hat. Ich kann dir also einfach mal beschreiben, wie ich damit umgehe und was mir gut/nicht gut tut.

1. Sprich darüber! Auch wenn es irrationale Ängste sind, auch wenn du denkst, dass deine Umgebung dich für verrückt hält, auch wenn du Angst hast, dass niemand dich versteht - diese Angst anzusprechen und zu formulieren, wie man sich fühlt, hilft schon sehr, denn alles, was man komplett mit sich alleine ausmacht, belastet auf Dauer.

2. Sprich mit Ärzten darüber! Ich habe inzwischen die Angewohnheit, jeden Arzt, den ich besuche, gleich am Anfang darüber zu informieren, dass ich unter massiven Krankheitsängsten leide. Die meisten gucken erstmal irritiert, sind dann aber ganz dankbar, dass man ihnen das gleich sagt, und oft habe ich die Erfahrung gemacht, dass sich Ärzte dann besonders viel Zeit nehmen, Dinge zu erklären. Wenn du einen Hausarzt/eine Hausärztin hast, der du vertraust, dann sprich sie auf deine Ängste an. Es ist auch ihre Aufgabe, dir in diesem Bereich weiterzuhelfen. Vielleicht kann sie dir einen Psychotherapeuten empfehlen oder dich zu einem NEurologen/Psychiater überweisen, der dir u.A. auch mit Medikamenten helfen kann (was nichts schlimmes ist, sondern bei manchen Angstphasen notwendig).

3. Deine körperlichen Symptome bildest du dir in so einer Panikphase nicht ein. Es ist erwiesen, dass die Psyche ganz massiv auf den Körper einwirkt (siehe z.B. Placebo- bzw. Noceboeffekt). Das nennt man Psychosomatik. Dein Körper verkrampft sich in so einer Panikphase, er ist auf Flucht vorbereitet, klar wird dir da schwindelig. Genauso kennt man es, dass die Psyche sich auf die Verdauung auswirkt - nicht umsonst sagt man ja: "Das schlägt mir auf den Magen." Du kannst aber versuchen, Techniken zu erlernen, die dir in so einer schlimmen Phase ein bisschen die Kontrolle über deinen Körper zurückgeben. Atemübungen zum Beispiel, autogenes Training, bestimmte Arten von Yoga - das alles kann helfen, aber man muss es eben erlernen. Frage doch mal deinen Hausarzt/deine Hausärztin, ob sie weiß, wo man bei dir in der Gegend so einen Kurs machen kann.

4. Never ask Dr. Google! Ich weiß nicht, ob das auch ein Problem von dir ist - ich hatte früher die Angewohnheit, meine vermeintlichen Symptome zu googeln, was dazu geführt hat, dass ich von einer schlimmen Pseudo-Diagnose in die nächste geschlittert bin. Das Internet tendiert zu Hysterie und Übertreibung, und man kann bestimmte Informationen einfach nicht in einen sinnvollen Zusammenhang setzen. Deine Ärzte aber können das. Es ist völlig ok, sicher untersuchen zu lassen, wenn man sich Sorgen macht. Aber wenn der Arzt dann sagt: "Alles gut!", muss man das auch irgendwie akzeptieren und annehmen (Fälle ausgenommen, in denen eindeutig eine Zweitmeinung sinnvoll ist) und darf seine Ärzte auch nicht immer zu noch mehr Tests und Untersuchungen drängen. Vertrauen üben - den Ärzten gegenüber, und deinem Körper gegenüber!

Ich glaube, für dich am wichtigsten wäre, dass du jemanden findest, der dir in dieser schweren Phase helfen kann! Frage einfach deine Hausärztin, ob sie einen Psychologen kennt, der dir helfen kann - so etwas muss man nicht alleine aushalten, es gibt Menschen, die dafür geschult sind, dir zu helfen!

Ganz liebe Grüße,

Nerdette

Antwort
von Magda20, 28

Ich glaube,ein Psychotherapeut kann Dir mit einer Verhaltenstherapie helfen, die Angst zu nehmen. Es ist aber nicht leicht und mit zeitintensiven Übungen auch zu Hause verbunden und es dauert auch ein paar Wochen.Also Geduld und einen guten und zu Dir passenden Psychotherapeut en suchen. Viel Glück und natürlich baldigen Erfolg.

Antwort
von Buddhishi, 66

Hallo Kyoshi,

ich bin da. Und jetzt trinkst Du bitte erstmal ein Glas möglichst kaltes Wasser und atmest mal tief und bewußt ein und aus.

Dann gebe ich Dir diesen Link zum Weiterlesen:

http://www.psychic.de/angst-vor-krankheiten.php

Das beantwortet schon mal einen großen Teil der Fragen.

Durch die Gedanken an Krankheiten können tatsächlich körperliche Symptome entstehen. Die optimale Therapie gibt es in psychotherapeutischen Praxen. Dort sind allerdings meist recht lange Wartezeiten einzurechnen.

In dem obigen Link findest Du auch Tipps zur Selbsthilfe und Wege zu Selbsthilfegruppen. Auch ein Kurs in Entspannung, Autogenes Training, Meditaton, Yoga oder so etwas, wäre hilfreich.

Du wirst auch durch diese Nacht lebend kommen. Versprochen :) Alles wird gut und bald geht es Dir auch gut.

LG

Kommentar von Magda20 ,

Sehr gute und hilfreiche Antwort

Kommentar von Buddhishi ,

Danke für Deine netten Worte. LG

Antwort
von Idkidc, 28

Hey, ich weiß wie du dich fühlst. Ich musste früher oft mit demselben Problem kämpfen, wobei ich gelernt habe damit umzugehen und gelernt habe mich, in der Nacht, wenn ich wieder solche Gedanken haben sollte sollte, zu beruhigen und einzuschlafen um Panikattacken zu vermeiden. Bei mir hat das alles hat damals in der 5 klasse begonnen, als ich zum ersten mal auf die Idee kam meine symptome zu ergooglen..schlechte Idee. Circa ab da an hatte ich für einige Monate, genau wie du, Angst schlafen zu gehen oder konnte einfach aus lauter Angst und Panik nicht einschlafen und habe teilweise auch angefangen aus Angst zu hyperventilieren. Meine symptome waren auch real aber ich habe einfach viel zu viel da reininterpretiert, sodass sie sich manchmal verschlimmerten oder neue dazukamen (dadurch ist die Frage, ob symptome auch durch Angst hervorgerufen werden können, beantwortet. Es kam bei mir durchaus öfter vor dass ich aus Angst (oder Aufregung) Durchfall, Kopfschmerzen/"Druck im Kopf"(wahrscheinlich Verspannungen) o.ä. bekommen habe 😀, also keine Panik. Deine Benommenheit ist höchstwahrscheinlich (wie die anderen Dinge eigentlich auch) auf den seelischen Streß den du gerade hast (=Angst) und der Schlaflosigkeit zurückzuführen. Sowas hatte ich auch, dies ging zurück als auch meine Angstattacken zurückgingen. (siehe unten)

Jetzt zu dem, wie du dich in der Nacht beruhigen kannst (Tipps aus eigener Erfahrung gezogen, ich weiß nicht ob es auch dir hilft aber ich hoffe es): Wenn du Nachts im bett liegst, wieder über deine symptome nachdenkst und Angst hast, sage irgendein Gedicht, einen Wunsch (bezogen auf deine Situation), einen Satz der dich berstärken soll (z.B."ich bin kerngesund"(lass dir ruhig was kreativeres einfallen 😀)) oder (wenn du gläubig bist) ein Gebet mehrmals im Kopf auf und schließe dabei deine Augen (Je länger der Satz/die Sätze desto besser, weil es hilft dich auf die Reihenfolge der Wörter zu konzentrieren und dich somit von deiner Angst ablenkt. Deshalb wären hier ein Gedicht oder ein Gebet ratsamer). Wenn es geht, atme dabei mehrmals tief durch die nase ein und durch den Mund wieder aus (ich weiß 0815 Lösung für alles aber mir hat es geholfen). Mit der Zeit beruhigst du deinen Atem wieder und sprichst weiter deine Sätze im Kopf, bis du schließlich einschläfst. Das kann unterschiedlich lange dauern, du musst nur Geduld haben. Davor kannst du auch ein Glas Milch trinken, es soll ja bekanntlich beim einschlafen und beim beruhigen helfen. Achte darauf dass du gut und gemütlich im bett liegst und dass dir (wenn möglich) nicht zu heiß oder zu kalt ist. 

(Falls du deine Symptome googlest: Höre auf damit. Du hast das sicher 1000 mal gehört und gelesen aber lass wirklich die Finger davon,  das macht alles nur noch  schlimmer oder kann der Auslöser für neue Ängste gegen neue Krankheiten sein.)

Hoffe ich konnte dir einigermaßen helfen und falls nicht dann solltest du einen Therapeuten/Psychologen in Erwägung ziehen, deine Angst/Panik ist real, kehrt immer wieder zurück und belastet dich offensichtlich sehr, somit "reicht es für den Psychologen". 

Ach und noch ein Tipp: Suche dir jemanden zum reden. Ich weiß wie ich damals einfach nur jemanden gebraucht habe, mit dem ich meine Gefühle/Angst teilen konnte. Leider hatte ich niemanden, meine Familie nahm das nicht ernst und meine besten Freunde wollte ich nicht damit belästigen weil die damals genug Probleme hatten. Falls du aber auch niemanden hast kannst du auch mir schreiben - nur eine Option, ich meine ja nur, weil ich dasselbe Problem hatte und teilweise immernoch habe. Ich nehme dir natürlich nicht übel falls du das nicht willst :-)

Tut mir leid wegen den vielen Groß- und Kleinschreibfehler. Ich bin am Handy online und die Autokorrektur macht irgwnwie was sie will, alles zu verbessern würde ewig dauern 😀

Naja ich wünsche dir alles gute und dass du hoffentlich bald mit deinem Problem fertig wirst:-)

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