Fluorchinoline und Prostatitis

1 Antwort

Das ist ein sehr spezielles Krankheitsbild und verlässlich kann Ihnen das nur ein Urologe beantworten.

Beim Anblick des Antibiotikafahrplanes für die nächsten 35 Tage hat es mir dann allerdings schon die Sprache verschlagen.

Bei der akuten oder chronischen Prostatiis sind zwar durchaus Regime über 4 Wochen üblich, aber eine Sequenz aus 3 verschiedenen Breitspektrumantibiotika kombiniert mit einem hochpotenten Antimykotikum scheint mir doch reichlich aggressiv. Zumal in den Empfehlungen eine Therapie bei asymptomatischen Formen nur in Ausnahmefällen erwogen wird.

Vielleicht lassen Sie sich die Notwendigkeit einer Therapie noch einmal genau erläutern. Frage Sie nach möglichen gesundheitlichen Konsequenzen, wenn man die Therapie unterlässt. Fragen Sie gezielt, warum überhaupt bei einer asymptomatischen Form eine Antibiotikatherapie in Ihrem Fall ratsam ist. Fragen Sie, ob sich genau dieses therapeutische Regime in Studien als besonders wirksam erwiesen hat oder ob es nicht einfachere Alternativen mit nur einem Fluorchinolon gibt.

Wenn man Ihnen das nicht schlüssig erklären kann, oder Sie abwimmelt, dann würde ich mir in diesem Fall eine Zweitmeinung in einem Referenzzentrum einholen.

Lieber Gerald,

vielen Dank für Ihre Rückmeldung! Ich habe noch einmal mit dem Urologen gesprochen. Der Befund zeigte einen Bakterienbefall (Kokken im Abstrich und stark erhöhte Leukozyten im Prostatasekret), das hat mir der Arzt noch einmal gezeigt und erklärt, das hat mich ein Wenig beruhigt.

Ich hatte meine Sorgen wegen möglicher Nebenwirkungen ihm gegenüber geäußert, nun soll ich "nur" zwei verschiedene Medikamente nehmen, Levofloxacin wird durch das Doxycyclin ersetzt. Das ist für mich zumindest psychologisch weniger belastend. Den Einsatz verschiedener Antibiotika hat er durch seine Erfahrung begründet, die Behandlung sei so effektiver und das Doxycyclin sei meist weniger belastend für die Patienten als die Fluorchinoline. Ich fand es einigermaßen überzeugend (ich habe ein Grundmisstrauen gegenüber Ärzten... (bitte nicht persönlich nehmen ;) ).

Die lange Behandlungsdauer ist bei Prostatitis seiner Meinung nach erforderlich und auch üblich, da die Prostata das Medikament nicht "speichere".

Was das Antimykotikum angeht: Der Sinn der Gabe sei die Prophylaxe von Pilzerkrankungen, die durch die lange Antibiotikabehandlung auftreten könnten. Das ist auch nötig, weil ich am dritten Tag nach Therapiebeginn einen Fußpilz bekam und vorher zeitweise an einer verstärkten Verbreitung eines (eigentlich zur Hautflora gehörenden) Hefepilzes am Oberkörper litt (die Bezeichnung habe ich gerade vergessen).

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@Bademeister

Schön, dass Sie das Gespräch gesucht und gefunden haben.

Der Urologe hat sich mit Ihnen zu einer antibiotischen Therapie einer asymptomatischen Prostatitis entschlossen. Wie Sie schreiben, ist die Auswahl der Antibiotika in diesem Fall empirisch und beruht auf den Erfahrungen des Urologen. Das Schema entspricht nicht den gängigen Empfehlungen zur Therapie, wobei eine deutschsprachige Leitlinie zu diesem Krankheitsbild nicht existiert.

Auch die Durchführung einer "Antimykotika-Prophylaxe" unter einer Antibiotikatherapie ist empirisch und wird nicht durch wissenschaftliche Daten gestützt (Es gibt Untersuchungen hierzu bei Paitenten nach Stammzelltransplantation und selbst dort sind die Ergebnisse nicht überzeugend). Bei Pilzen besteht nicht ein gleichartiges Problem der Resistenzentwicklung, aber hier sind mögliche Nebenwirkungen und zu erwartender Nutzen kritisch abzuwägen. Von dieser Maßnahme würde ich persönlich klar abraten.

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