Depressionen durch Hashimoto Thyreoiditis?

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Hallo Anna,

als erstes: Wechsele ganz dringend den Arzt. Er geht nicht auf Deine Symptome ein und kennt auch nicht die aktuelle Obergrenze des TSH-Normbereiches von 2,5. Gute Ärzte behandeln bei Symptomen, die Du ja offensichtlich hast, bereits bei einem TSH von 2,0. Du hast ein TSH von 2,48 und das ist definitiv zu hoch bei einer Hashimoto-Thyreoiditis. Du bist also nicht richtig eingestellt.

Depressionen und Panikattacken bei einer Hashimoto-Thyreoiditis können zwei "behebbare" Ursachen haben. Zum einen kann der fT3-Wert zu niedrig sein. Wenn dabei das TSH unter 2,0 liegt, dann hilft es leider nichts, das L-Thyroxin zu erhöhen, um auch den fT3-Wert höher zu bekommen! Hier sollte dann entweder das Hormon T3 (Thybon) zusätzlich gegeben werden oder besser ein Kombipräparat (Novothyral, Prothyrid) oder alternativ ein natürliches Schilddrüsenhormon (z. B. Armour Thyroid) verordnet werden. Häufig ist gerade bei Hashimoto-Patienten die Umwandlung (Konversion) von T4 in T3 gestört, so dass der fT3-Wert von alleine nicht wieder hoch geht. Und dies kann Depressionen und Panikattacken auslösen.

Die zweite Ursache kann eine Schwäche der Nebennieren sein. Die Nebennieren schütten das Stresshormon Cortisol aus. Eine Nebennierenschwäche kommt sehr häufig ebenfalls bei Hashimoto-Patienten vor, zumal sie meist - wie Du - längere Zeit falsch (oder gar nicht) eingestellt sind. Mit einer unzureichenden Einstellung hat der Körper jedoch sehr großen Stress und die Nebennieren müssen das Stresshormon Cortisol übermäßig ausschütten, um diesen Stress zu bewältigen. Dauert der Stress zu lange, kann nicht mehr ausreichend Cortisol gebildet werden (Achtung: Werte können im Normbereich sein, sind jedoch im untersten Normbereichsdrittel). Es ist nun aber so, dass zur Bildung von T3 immer auch Cortisol gebraucht wird. Wenn dies jedoch zu wenig ist, kann logischer Weise nicht ausreichend T3 umgewandelt werden.

Soviel zur Theorie. Das alles ist behandeltbar, benötigt aber einen wirklich guten Arzt. Mich hat man leider auch weit über 10 Jahre einfach hängen lassen, falsch behandelt und nicht diagnostiziert, dann endlich diagnostiziert, aber wegen fehlenden Wissens der Ärzte nicht richtig therapiert. Zwischenzeitlich wurde auch mal der Versuch mit der Psychoschiene versucht, wo man aber bei mir Gott sei dank auf Granit biss. Seit etlichen Jahren habe ich die Erkrankung sozusagen in Eigenregie "studiert" und andere Betroffene mit ihren Erfahrungen beobachtet. Darüber hinaus bin ich seit einigen Jahren im Ausland in Behandlung und habe seit ca. 2 Jahren dann doch noch zusätzlich einen kompetenten Arzt zur Mitbehandlung gefunden. Schilddrüsenpatienten, bei denen der Fall schon etwas komplizierter liegt, haben es leider extrem schwer.

Was solltest Du nun also tun? Da Du Dich noch in einer Unterfunktion bist (TSH von 2,48) gebindest, würde ich, genau wie Balsam auch bereits schrieb, die L-Throxin-Dosis erhöhen. Bitte beachte jedoch, dass Du IN KLEINEN DOSEN erhöhst! Nach Ostern würde ich sofort bei einem Endokrinologen einen Termin vereinbaren. Vielleicht hilft Dir ja zum Finden eines einigermaßen akzeptablen Arztes die von SD-Patienten zusammengestellte Ärzteliste unter top-docs.de. Ein Endokrinologe ist bei Hashimoto anzuraten, da häufig auch alle anderen Hormone im Ungleichgewicht sein können und angeschaut werden sollten. Zur Blutabnahme solltest Du die Dosierung des Schilddrüsenhormones bereits 6 Wochen gehalten haben. Der Termin sollte für morgens früh vereinbart werden und an diesem Tag darf kein Schilddrüsenhormon eingenommen werden. Erst nach der Blutabnahme die Tablette einnehmen, da sonst die Werte verfälscht werden.

Inzwischen kannst Du Dich mal im Forum http://www.ht-mb.de/forum/ unter der Rubrik Hashimoto einlesen. Um etwas mehr über die Nebennierenschwäche zu erfahren, könntest Du die Seiten auf adrenal-fatigue.de lesen.

Noch etwas: Du solltest Dir immer eine Kopie des Befundes geben lassen! Das ist sehr wichtig. Du solltest mit der Zeit lernen, diese Befunde selber zu interpretieren. Anfangs kannst Du die Werte im o. g. Forum besprechen, wenn Du das möchtest.

Und jetzt möchte ich dir noch etwas Mut machen. Wenn Deine Hormone alle wieder im Gleichgewicht sind, dann werden die Depressionen/Panikattacken auch verschwinden. Selbst ich habe es als sehr schwerer Fall wieder hinbekommen, allerdings erst nach weit über 10 Jahren, da ich keinen Ansatzpunkt hatte. Du hast diesen Ansatzpunkt jetzt und kannst dir immer wieder Tipps holen.

Fortsetzung folgt ...

... Fortsetzung

Zum Schluss noch eine kurze Anmerkung zur Dosierung, da ich mit Balsam in diesem Punkt nicht konform gehe. Nach meinen langjährigen Beobachtungen und an meiner eigenen Person und auch an betroffenen Familienmitgliedern habe ich festgestellt, dass eine Einstellung der fT-Werte am oberen Limit der Normbereiche generell nicht gut ist. Es kommt von Betroffenen zwar immer wieder diese Meinung durch, aber meist stimmt dann lediglich die Balance zwischen fT4, fT3 und Cortisol nicht und es wird nur mit einem Monopräparat (=L-Throxin) behandelt. Bei Hashimoto-Thyreoiditis sollte man einem Kombipräparat immer den Vorzug geben. Bitte sprich darüber auch einmal mit Deinem neuen Arzt. Laut meinem Arzt im Ausland muss eine gewisse Menge an T3 bereits vorhanden sein, damit T3 aus T4 überhaupt umgewandelt werden kann.

So, nun drücke ich Dir ganz fest die Daumen, damit Du einen kompetenten Arzt findest, der das mit Dir durchzieht.

Viele liebe Grüße

Catlyn

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Vielen, vielen Dank Catlyn, du hast mir wieder etwas Mut gemacht. Ich bin mit der Krankheit ziemlich alleine, da ich noch recht jung bin, und meine Eltern das "KleineProblemmitderSchilddrüse" nicht so ernst nehmen. Es ist schön, von jemandem zu hören, der das gleiche durchgemacht hat, und es geschafft hat.

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Hallo anna1706, ich weiß wie du dich fühlst. Ich habe als so 5jährige eine Angina gehabt und trotz nichts essen etc. immer mehr und mehr zugenommen. Ich war bei verschiedensten Ärzten und sogar im Klinikum weil der Idiot von Arzt (Entschuligung, aber das war er!) nicht glauben wollte, dass ich kaum was esse. Tja, die Antwort nach dem Klinikaufenthalt war nur: sie haben ja doch Recht gehabt. Depressionen kannte ich zur genünge, auch alle anderen Probleme mit SU. Natürlich ist die Schilddrüse immer wieder überprüft worden, aber sie war ja im Wertebereich. Alles gut! Irgendwann war der Hausarzt meines Opas bei uns und hat mich mal gesehen. Der hat gleich gesagt: Da liegt ein Schilddrüsenproblem vor. Seitdem war ich bei ihm in Behandlung. Jahrelang nahm ich Tabletten, aber so ganz richtig wohl ging es mir nie. Auch abnehmen geht bis heute (leider!) nicht, trotz verschiedenster Versuche. Andere nahmen mit den Methoden rasend ab, nur ich nicht. :( Tja, auch der Besuch beim Endokrynologen (oder wie immer geschrieben) brachte nichts. Der war zudem noch sehr unfreundlich. Und dann begann mein "Glück" mit dem Arzt. Mein Hausartz ging in Ruhestand und über einige glückliche Zufälle fand ich meinen Hausarzt, dem ich wirklich sehr vertraue. Er ist Allgemeinarzt mit Naturheilverfahren. Dieser Arzt war der erste, der sich wirklich Mühe gegeben hat. Er hat innerhalb eines Jahres meine Dosis verdoppelt und wenn ich zu ihm gehe sieht er mich nur an und sagt: Ihnen geht es nicht gut, wir überprüfen die Schilddrüse! (Was auch immer stimmt!). Inzwischen hat er mich auf einen sehr niedrigen Wert eingestellt, bei dem ich mich deutlich wohler fühle. Dies hat keiner meiner vorherigen Ärzte jemals gemacht.

Du merkst also, es ist absolut nicht leicht den Arzt seines Vertrauens zu finden.

Du sagtest auch, dass dein Wert bei 2,48 liegt. Ja, sicher ist das im "Grünen Bereich", aber all das was du schreibst kenne ich zur genüge. Auch bei dir ist es wohl so, dass dieser wert dringend runter muss!

Ich war ein 8jähriges Mädchen mit Selbstmordgedanken. So weit gingen bei mir die Depressionen. Auch heute noch hab ich manchmal Tage, da geht gar nichts, aber es überwiegen die guten Tage. Tu also etwas für dich und such dir einen anderen Arzt. Egal wie viele du probierst und wie hart es ist, aber das ist für dich sehr wichtig!

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