Depression was wie und jetzt tun?

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Hallo,

Alles was du beschreibst ist recht typisch für eine Depression, und auch deine Ängste gehören da oft dazu. Dringend ist das ganze schon - nicht weil es unbedingt gefährlich ist (es sei denn du bist suizidal - also konkrete Pläne sich umzubringen, allgemeine Todeswünsche oder Suizidgedanken sind an sich erstmal nichts unübliches bei Depressionen - dann bitte sofort Kontakt mit der nächstgelegenen Krankenhausnotaufnahme aufnehmen), sondern weil du darunter leidest, und das ganze eigentlich gut zu behandeln ist. Von alleine legt sich das meist nicht, und wenn, dann dauert es. Du solltest also schon etwas unternehmen.

Der erste Schritt ist einen Termin beim Psychiater machen (das heißt nicht dass du verrückt bist, aber das ist schlicht der Facharzt der bei sowas zuständig ist). Ich gehe mal davon aus dass die Krankmeldung vom Hausarzt stammt, und dann wundert es mich ein wenig, dass er dir nicht gleich eine Überweisung mitgibt.

Die klassische Behandlung einer Depression besteht aus 2 Teilen, und es ist erwiesen, das mit Abstand die besten Resultate erreicht werden, wenn beide in Kombination verfolgt werden:

  • Ein Antidepressivum. Hier gibt es wirklich zahlreiche Medikamente, und nach einem Gespräch mit dem Psychiater wird dieser wissen, welches das richtige ist. Es ist aber durchaus möglich dass man hier etwas rumprobieren muss, denn die Wirkung kann von Patient von Patient unterschiedlich sein. Es dauert auch oft 2-6 Wochen bist die Wirkung voll eintritt. In der Zwischenzeit kann man deine anderen Symptome, z.B. die Schlafstörungen, symptomatisch behandeln - ggbf. mit einem leichten Schlafmittel, denn ein guter Schlaf hat starken Einfluss auf die Stimmung. Diese Antidepressiva verändern nicht deinen Charakter und sind auch keine "Glückspillen" - sie helfen aber die Stimmungsschwankungen etwas auszugleichen, und vermindern auch die Ängste. Vorallem die modernen SSRI werden dabei meist sehr gut vertragen, und du solltest dich nicht von den langen Beipackzetteln abschrecken lassen (Ich kann dir dazu genauere Informationen geben wenn du das möchtest). Das bildet die Basis für Teil 2:
  • Psychotherapie, also regelmäßige Gespräche mit einem Psychologen. Auch hier gibt es verschiedene Ansätze, und du musst sehen, was du für das beste erachtest (am Anfang meist Verhaltenstherapie). Das bedeutet nicht etwa Hypnose oder das klassische "auf einem Sofa liegen und reden" (wobei es das auch gibt), sondern meist sind es zunächst konkrete Herangehensweisen, was deine Schlafhygiene angeht, deine "negativen" Gedanken, und sogenannte "positive Aktivitäten", wie Sport oder Hobbies die du gerne verfolgst (oder verfolgt hast). Das kann alles mögliche sein - Kochen, spazieren gehen, sich mit Freunden treffen, einkaufen, ein Instrument spielen, oder einfach eine Serie schauen.

Es ist wichtig dass du dich für die ganze Sache nicht schämst, und Schuld bist du daran auch nicht - eine Depression ist eine ganz normale Krankheit (psychisch hin oder her), und sehr viele Menschen sind davon in ihrem Leben phasenweise betroffen. Man kriegt das nur nicht wirklich mit, weil psychische Probleme immernoch stigmatisiert sind, und viele sich nicht in Behandlung begeben und erst recht nicht darüber sprechen.

Zu guter Letzt: Das ganze geht vorbei, und am Ende bist du stärker. Das mag jetzt erstmal komisch klingen, und es wird Zeiten geben in denen du vielleicht aufgibst, oder nicht weiter weißt, aber es ist trotzdem schlicht Lebenserfahrung - und die kann dir dann keiner mehr nehmen. Ich habe die Erfahrung gemacht dass psychisch Kranke oder von einer solchen Krankheit genesene Menschen häufig einfühlsamer, bedachter, reifer, und weniger mit Vorurteilen behaftet sind.

Grüße und alles Gute,

FlaeD

Ne Suizid gedanken habe ich nicht.

Eher so ne Leben müde Einstellung. Wenn du verstehst was ich meine.

So gefangen im Trott.

Psychater? Ich dachte immer Therapeuten, oder wo ist da der Unterschied?

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@Danny1234

Die lebensmüde Einstellung gehört (auch wenn das etwas makaber klingt) zu einer Depression dazu. Alles verliert an Wert, nichts rechtfertigt noch eine Anstrengung, und sich zu etwas aufzuraffen wird sehr schwer wenn einem das eigene Leben nicht mehr viel bedeutet. Trotzdem gilt was ich oben geschrieben habe: Wenn das ganze über passive Todeswünsche und das Gefühl "keine Lust mehr zu haben" hinaus geht, du konkrete Pläne hast oder sogar Utensilien für eine solche Anwendung besorgst, wende dich bitte an ein Krankenhaus oder ruf die deutsche Telefonseelsorge an (0800/111 0 111 · 0800/111 0 222). Du darfst nicht vergessen dass so auswegslos dir deine Situation erscheinen mag, die Krankheit dahinter steckt, und das ganze nach ein paar Stunden wieder anders aussehen kann - die Entscheidung zum Suizid ist allerdings endgültig (ich habe nicht den Eindruck dass du an diesem Punkt bist, und auch der Arzt hat "nur" eine mittelgradige Depression, und keine schwere, diagnostiziert - das kann aber immer ein fließender Übergang sein, und ich sage das lieber einfach dazu, bitte nimm mir das nicht übel).

Ein Psychiater ist ein Arzt, genauer ein Facharzt, und hat Medizin studiert. Dieser ist (im Gegensatz zu einem Psychologen/Psychotherapeuten) berechtigt Medikamente zu verschreiben. So ein Gespräch geht auch eher schnell, viele Patienten haben das Gefühl "abgefertigt" zu werden, aber der Psychiater ist erstmal "nur" für die Medikation zuständig, und schätzt grob deine Situation ein.

Damit eine Psychotherapie auf "fruchtbaren Boden" fällt muss zunächst eine gewisse Stabilität geschaffen werden. Wenn du nachts kaum schläfst und es schwer ist überhaupt aus dem Haus zu gehen, werden Gespräche (erstmal) nicht viel bringen. Außerdem werden zwar die Kosten für eine Therapie von der Krankenkasse übernommen, aber dafür muss eine medizinische Notwendigkeit bestehen (die bei dir natürlich da ist!) - die Wahrheit ist: Die Psychotherapeuten in Deutschland sind ziemlich überlastet. Es ist schwer innerhalb von 2 Wochen (das ist schon echt kurzfristig!) einen Termin zu bekommen, und wenn dann noch Diagnostik gemacht werden muss zieht sich das alles hin. Über einen Psychiater ist das meist einfacher, da dieser direkt eine Diagnose stellt, sofort mit Medikamenten zumindest die Symptome lindern kann, und oft die Telefonnummern von verfügbaren Therapeuten weitergeben kann. Und wie ich schon geschrieben habe kann es etwas dauern bis die Wirkung von Antidepressiva eintritt, je früher man also anfängt, desto besser.

Weiterhin gibt es verschiedene Arten von Psychotherapie (Nur als Beispiele: Verhaltenstherapie, Schematherapie, Tiefenpsychologie, und spezielle Konzepte wie IPT - Interpersonelle Therapie). Ich kenne deine Vorgeschichte nicht, und mit einem Psychiater kannst du besprechen was wohl das Beste ist, denn das sind alles besondere Qualifikationen, und nicht jeder Therapeut bietet jede Therapie an.

Oft sträuben sich Patienten zunächst gegen eine medikamentöse Therapie, aus unterschiedlichsten Gründen (und das kann ich auch verstehen - nochmals, wenn du mehr darüber wissen willst kann ich dir gerne Informationen geben), aber die modernen Medikamente machen vieles sehr viel einfacher, und helfen deutlich zumindest wieder Boden unter den Füßen zu haben.

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@FLaeD

Ich merke schon bei dem was du schreibst, es ist ein großes Thema. Das wirkt so anstrengt :)

Finde deine Ratschläge dennoch super hilfreich, um einen Überblick zu bekommen.

Ja Medikamente, sind halt nicht zu ursachen Bekämpfung, mehr um die shyntrome zu unterdrücken. Schreckt halt ein wenig ab.

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@Danny1234

Es ist ein großes Thema - aber eigentlich ist die Behandlung zunächst eher simpel und logisch.

Was die Medikamente angeht kann ich dir so nicht zustimmen. Klar, von Schlafmitteln geht die Depression nicht weg, und das alleine ist keine ausreichende Behandlung. Andererseits gehört aber die Schlaflosigkeit zu den "quälendsten" Symptomen einer Depression, und regelmäßiger und tiefer Schlaf kann schon verdammt viel bringen.

Bei den Antidepressiva ist das nochmal ein bisschen anders: Auch hier bringen diese Medikamente alleine und vorallem langfristig erstmal nicht viel - wie ich oben schon geschrieben habe sollte dazu immer eine Psychotherapie gemacht werden. Aber sie helfen super erst einmal wieder auf die Beine zu kommen, und wenn die Ängste weniger werden und die Stimmung stabiler ist, man wieder aus dem Haus gehen kann und in der Lage ist den Alltag wieder zu strukturieren (siehe Schlaf), wird alles schlicht einfacher. Eine Psychotherapie kann sehr belastend sein, aus unterschiedlichsten Gründen, und es ist kein Termin den man "eben mal so" wahrnimmt - hier muss aktiv mitgearbeitet werden, und während dir der Therapeut helfen kann, bist es DU der gegen Krankheit kämpfen und den Sieg erringen muss. Je nachdem wie es dir geht kann es sein dass du noch nicht in der Lage bist dich entspechend darauf einlassen zu können, und auch hier helfen die Antidepressiva extem. Wie ich schon geschrieben hatte ist es außerdem verdammt schwer einen Termin bei einem Therapeuten zu bekommen, vorallem wenn bisher kein Psychiater eine Anamnese und genaure Diagnostik gemacht hat. Manche Krankheitsbilder werden oft von vorneherein kategorisch abgelehnt, da sie für den Therapeuten mit viel Arbeit und vorallem Verantwortung verbunden sind und auch keine richtige "Heilungsaussicht" besteht (z.B. Borderline-Persönlichkeitsstörung - und das ist echt unfair, weil gerade diese Patienten eine Psychotherapie am dringendsten brauchen), bei einer Depression sollte das aber nicht passieren.

Hier mal noch ein kleiner Überblick über (eine Auswahl) von häufig verordneten Medikamenten, dann kannst du dich etwas belesen und vielleicht leichter eine Entscheidung treffen:

Das "klassische" Antidepressivum der ersten Wahl ist (S) - Citalopram. Dieses wird fast immer sehr gut vertragen, und wenn Nebenwirkungen auftreten, sind diese meist eher banal wie ein etwas trockener Mund oder leicht vermehrtes Schwitzen. Es gehört zur Gruppe der SSRI (kannst ja danach googeln falls dich das interressiert) und macht weder müde noch steigert es den Antrieb.

Wenn du starke Schwierigkeiten mit dem Antrieb hast, und es schwer ist aus dem Bett zu kommen, du dich sehr müde und schlapp fühlst, wird oft Venlafaxin verordnet. Dieses ist ein SNRI, der antidepressive Effekt ist mit dem von Citalopram vergleichbar, es hat aber eine deutliche antriebssteigernde Komponente. Es wird meist auch gut vertragen, hier können aber Nebenwirkungen wie eine innere Unruhe oder (verstärkte) Schlafprobleme auftreten.

Während die oben genannten Wirkstoffe einmal täglich (meist morgens) eingenommen werden, gibt es dann noch die sogenannten trizyklischen Antidepressiva. Diese sind Medikamente einer älteren Generation und wurden in vielen Bereichen von den Katecholaminwiederaufnahmehemmern (SSRI, SNRI, SDRI) abgelöst. Fast alle Stoffe aus dieser Gruppe haben den Nachteil müde zu machen - andererseits ist genau das der Effekt warum sie heutzutage meist noch verordnet werden. Bei abendlicher Einnahme sind sie schlaffördernd und angstlösend, und machen vorallem nicht abhängig (das trifft übrigens auf alle Antidepressiva zu).

Bei "richtigen" Schlafmitteln (Benzodiazepine/Z-Medikamente), welche ab einer gewissen Dosierung "schlaferzwingend" sind besteht immer ein hohes Abhängigkeitsrisiko, und deshalb sollten diese vom Arzt wirklich nur im Notfall verordnet werden - denn gerade psychisch Kranke finden darin oft eine (kurzfristige) Linderung der Symptome, und schlittern dann in die Sucht.

So, wieder so eine Textmauer :) Tut mir leid wenn das jetzt erstmal sehr viel ist und sich für dich vielleicht etwas überfordernd anfühlt.

Mich interressiert das Thema sehr, und gerade bei psychischen Erkrankungen ist es sehr wichtig dass der Patient mitentscheidet und -arbeitet, und das geht nur wenn man sich ein wenig darüber informiert (In psychiatrischen Kliniken nennt sich das "Psychoedukation).

Ich hoffe du kannst einiges davon mitnehmen, und ich möchte dir wirklich an's Herz legen ein Antidepressivum zumindest mal auszuprobieren, denn es ist wirklich unglaublich was das für einen Unterschied machen kann. Absetzen kann man dann ja immer noch, wenn es sich für dich nicht richtig anfühlt.

Alles Gute,

FlaeD

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@FLaeD

Oh, jetzt habe ich doch was vergessen: Die Beipackzettel bei Antidepressiva, und vorallem die dort angegebenen Nebenwirkungen (manchmal von Herztod bis zu irreversiblen Hirnschädigungen) erschlagen den Patient zu Beginn oftmals und vermitteln den Eindruck, ein extrem starkes und gefährliches Medikament einnehmen zu müssen. Eigentlich ist das aber bei den modernen Präparaten überhaupt nicht der Fall. Die Sache ist die: Um eine Zulassung für ein Medikament zu erhalten muss der Hersteller Studien durchführen, welche die Wirksamkeit belegen, und eben auch die möglichen Nebenwirkungen ermitteln - und genau da liegt das "Problem": Wenn nämlich psychisch kranke Menschen testweise mit so einem Präparat behandelt werden, werden alle "Vorkomnisse" (z.B. Halluzinationen, aggressives Verhalten, Verschlimmerung der Depression, oder eben auch Suizid) als mögliche Nebenwirkung dem Testmedikament zugeschrieben, und in den Beipackzettel aufgenommen - auch wenn diese nicht vom Medikament "verursacht" wurden. Man kann bei Psychopharmaka im Gegensatz zu Medikamenten für organische Erkrankungen schlicht nicht sagen woher solche "Symptome" kommen, oder durch Tests eindeutig reproduzieren. Ja, Nebenwirkungen sind möglich, aber wirklich ernsthafte sind sehr, sehr selten.

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Hallo, also da das für dich ja auch sehr belastend ist, solltest du bald dagegen vorgehen, damit es dir auch so bald wie möglich wieder besser geht! Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie oben beschrieben, die auch kombiniert erfolgen können aber nicht müssen. Oft ist auch eine Therapie alleine außreichend. Du brauchst jetzt also jemanden, der/die das behandelt. Daher solltest du dir als erstes eine Therapeutin/einen Therapeuten suchen. Es gibt verschiedene Methoden, da solltest du einfach mal online Psychotherapeutische Praxen in deiner Nähe suchen und dir die Infos dazu durchlesen und dann schauen, was dir vom Gefühl her am ehesten zusagt. Und dann rufst du an und machs dir einen ersten Termin. Viel Erfolg und gute Besserung!:)

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