Bei welchen Anzeichen kann man jemanden als Workaholic bezeichnen?

2 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Dein Bruder scheint schon ein richtiger Workaholic zu sein. Da mein Vater einer ist, weiß ich wovon ich rede. Das fängt mit Überstunden an, geht zu ständigen Gesprächen die nur über die Arbeit gehen oder evtl. nach Leistungen anderer Fragen und kommt bei der einer massiven eigenen Unruhe an. Diese sieht so aus, dass die eigene Familie zu einem Projekt geworden ist. Es gibt kein Hallo und kein Aufwidersehen mehr, sondern nur Aufträge, die man erfüllen soll. Im Urlaub oder am Wochenende kann er sich nicht mehr ruhig hinsetzten und einen Film schauen, sondern muss zum 20x den Rasen mähen oder das Wohnzimmer zum 50x neueinrichten. Da dein Bruder schon seine Familie und Freunde wegen der Arbeit vernachlässigt, würde ich sagen, dass er sich schon im Anfang von Stadium 2 befindet. Auf Wikipedia kannst du die Einteilung der Stadien sehen: http://de.wikipedia.org/wiki/Workaholic Du und vor allem seine Frau sollten deinen Bruder jetzt nicht mit Sanfthandschuhen anfassen, sondern ihn direkt mit seinem Problem konfrontieren. Sonst fühlt er sich in seinem Arbeitszwang gestärkt. Schließlich kann ja die eigene Familie den Druck, der auf seinen Schultern lastet, nicht verstehen. Ihr solltet auf jeden Fall mit ihm zum Psychotherapeuten gehen. Denn das Urteil eines Arztes wird von einem Workaholic anders wahrgenommen, als das der eigenen Familie und Freunde. Schließlich sehen diese nur das schlechte an der Arbeit, während der Arzt nicht zur Familie gehört. Er ist ja schließlich selbst im „Arbeitszwang“. Auch wenn unsere Psychotherapeutin nicht die beste ist, hat die Therapie schon ein wenig gebracht. Zwar jetzt nicht so viel, was aber wahrscheinlich daran liegt, dass wir zu spät die Therapie begonnen haben. Je früher man was dagegen macht, umso besser die Aussichten.

Dein Bruder wirkt weniger wie ein Workaholic, sondern wie jemand, der beruflich mächtig unter Druck steht. Der Konkurrenzkampf kann hart sein, und er hat eine Familie zu versorgen!

Wie Du ihm helfen kannst? Wahrscheinlich wenig, denn Du kannst ihm die (von mir vermutete) Angst um den Arbeitsplatz nicht abnehmen.

Vielleicht schaffst Du es ja doch mal, Dich mit ihm auf ein Bier zusammenzusetzen. Wenn er weiter nur vom Büro erzählt - hör zu, dann erfährst Du so ganz nebenbei, was ihn bedrückt.

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