Eine einzigartige Arbeit hat der Hamburger Psychiater V. Aderhold in den letzten drei Jahren geleistet: Aus einer riesigen Zahl von wissenschaftlichen Arbeiten / Forschungsergebnissen hat er Fakten extrahiert und ein Resumé gezogen, welches eine vehemente Kritik bedeutet am derzeitigen Umgang der Psychiatrie mit Medikamenten, die unter dem Sammelbegriff „Neuroleptika“ gefasst werden und die hauptsächlich bei psychotischen Störungen, bei Psychosen aus dem schizophrenen Formenkreis und affektiven Störungen (bipolar, früher: manisch-depressiv) sowie Unterarten und Mischformen zur Anwendung gelangen.
Entsprechende Texte aus Vorträgen oder schriftlichen Darlegungen von V. Aderhold finden Sie z.B. unter www.psychiatrie-erfahrene-nrw.de oder www.bpe-online.de, den websites des NRW-Landesverbandes bzw. Bundesverbandes Psychiatrie-Erfahrener. (BPE, Bochum), der bundesweiten Interessenvertretung von Betroffenen.
Psychiater Aderhold ist in mehreren Städten bereits mit Vorträgen in Erscheinung getreten, unter anderem in Hamburg, und hat seine Kritik öffentlich geäußert. Sein Credo ist, dass in den meisten psychiatrischen Kliniken bzw. Abteilungen überwiegend NICHT nach dem „state of the art“, also nach dem Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse, gearbeitet wird. Patienten erfahren also nicht die Qualität der Behandlung, die aufgrund der Erkenntnisse möglich wäre – was für viele mit höheren Nebenwirkungen und entsprechendem Leidensdruck verbunden ist. Hinausgehend über die Medikamentenfrage vertritt Aderhold auch die Ansätze der sozialpsychiatrischen Behandlung von Psychosen, die sich nicht hauptsächlich auf Medikamente wie Neuroleptika stützt, sondern auch mehr psychotherapeutische Begleitung und weitere unterstützende Maßnahmen einsetzt.
(22-05-09)