Nicht jede Demenz habe ihren Ursprung in einer Erkrankung des Gehirns mit Amyloid-Ablagerungen, Plaques und Fibrillen-Ausbildung. Bei 51 Prozent der weltweit 30 Mio. Patienten sei die Ursache der Lebensstil, behaupten Wissenschaftlerinnen. Sie werteten dazu die bisherigen internationalen Beobachtungsstudien mit insgesamt mehreren 100.000 Teilnehmern aus.
Dabei ermittelten sie sieben Risikofaktoren, die am häufigsten an der Demenzentstehung - oft über den Weg einer Herz-Kreislauf-Erkrankung - beteiligt sind.
Der weltweit wichtigste, beeinflussbare Alzheimer-Faktor ist demnach der Bildungsmangel, der besonders in Entwicklungsländern auftritt. Er kann 19 Prozent aller Demenzerkrankungen erklären, sagen die Forscher.
Rauchen rangiert mit 14 Prozent auf Platz zwei, gefolgt von Bewegungsmangel. Dahinter finden sich Depression, Bluthochdruck, Diabetes und Übergewicht. In den USA führt der Bewegungsmangel die Liste vor Depression und Rauchen an.
Eine vor etwa einem Jahr veröffentlichte Studie kam zu ähnlichen Ergebnissen. Als vermeidbare und durch den Lebensstil geprägte Risikofaktoren bezeichneten die Forscher Diabetes, Depressionen, eine ungesunde Ernährung sowie ein niedriges Bildungsniveau. Diese Risiken sollten insgesamt knapp 40% aller Fälle ausmachen. Konnten Depressionen und Diabetes vermieden und der Verzehr von Obst und Gemüse erhöht werden, verminderte das die Zahl der Demenzerkrankungen um 21
Dennoch überraschen die Ergebnisse die Experten. Auch die beiden Studienleiterin räumen ein, dass man bei zwei der drei top-gelisteten Risiken bisher noch keine Kausalzusammenhänge zu Demenz erkennen könne. Ungeklärt sei zudem, ob das Alzheimer-Risiko durch Vermeiden der Risikofaktoren tatsächlich sinkt.
Etwas andere Aussagen trafen zuletzt kanadische Forscher: Auch der Zustand der verschiedensten Organe des Körpers sei mit Alzheimer-Auftreten verbunden.
Quelle: The Lancet Neurology, Early Online Publication, 19 July 2011