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Homöopathie ist wirkungslos Lock

Tipp von Serienchiller am 08.03.2010 um 5:01 Uhr

Die Homöopathie ist in Deutschland weit verbreitet und gilt für viele Menschen als sanfte und effektive Alternative zur Schulmedizin. Aber was steckt dahinter?

Zuerst will ich ein bisschen auf die Geschichte der Homöopathie eingehen. Wer sich dafür nicht interessiert, kann den folgenden Abschnitt auch überspringen.


Begründer dieses Heilverfahrens ist Samuel Hahnemann, ein angesehener deutscher Arzt, der im 18. und 19. Jahrhundert gewirkt hat. Damals war die Medizin noch nicht so fortschrittlich wie heute, die Anwendung wissenschaftlicher Studien hatte sich noch nicht durchgesetzt und die meisten Heilverfahren waren nie auf ihre Wirksamkeit überprüft worden. Und so wurde Jahrhundertelang mit Aderlässen, Quecksilber und anderen obskuren Verfahren gearbeitet, von denen wir heute wissen, dass sie extrem schädlich sind. Damals wäre man am besten beraten gewesen, im Krankheitsfall überhaupt nicht zum Arzt zu gehen, anstatt sich literweise Blut abnehmen und Quecksilber einflößen zu lassen.

In diesen Zeiten hat Samuel Hahnemann eine Beobachtung gemacht: Chinarinde, die damals als Medikament gegen Malaria eingesetzt wurde, führte bei ihm in hohen Dosen zu den typischen Malaria-Symptomen. Daraus zog Hahnemann den Schluss, dass ein Medikament, das in hohen Dosen eine Krankheit auslöst, in niedrigen Dosen genau diese Krankheit heilt. Damit war die grundsätzliche Philosophie hinter der Homöopathie geboren. Hahnemann entwickelte daraufhin homöopathische Medikamente gegen unzählige Leiden, die er in dem Buch "Organon der Heilkunst" niederschrieb, das auch heute noch (in überarbeiteter Form) als so etwas wie die "Bibel der Homöopathie" gilt. Hahnemanns Verfahren wurde schnell sehr beliebt, da er mit seinen hochverdünnten Medikamenten viel weniger Schaden anrichtete als die etablierte Medizin.

Allerdings entwickelte sich auch die Schulmedizin weiter und mit der Einführung von medizinischen Studien zur Bewertung von Therapien wurden viele alte Heilmethoden verworfen und neue entwickelt. Allmählich geriet die Homöopathie ins Hintertreffen und wurde zunehmend belächelt. Zumal der ursprüngliche Chinarindenversuch von Samuel Hahnemann wiederholt wurde und bei anderen Versuchspersonen nicht Hahnemanns Symptome auftraten. Vermutlich war die Ursache von Hahnemanns Reaktion auf die Chinarinde eine Allergie.

Erst im Jahr 1988 wurden die grundsätzlichen Wirkmechanismen der Homöopathie scheinbar bewiesen. In einem Experiment stellte sich durch Zufall heraus, dass bestimmte Blutzellen auf eine Lösung von einer Substanz (Histamin) reagierten, auch wenn die Lösung so stark verdünnt war, dass rein rechnerisch überhaupt kein Wirkstoff mehr enthalten war. Die Auswertung des Versuchs war allerdings nicht objektiv, sodass er von den selben Forschern noch einmal unter objektiven Bedingungen wiederholt werden musste. Hierbei zeigte sich, dass die ursprünglichen Ergebnisse falsch waren. Trotzdem war das Interesse an der Homöopathie geweckt und es folgten zahllose Studien, die allerdings von sehr durchwachsener Qualität waren und sehr unterschiedliche Ergebnisse hatten.


1997 wurde dann in der Zeitschrift Lancet eine Metaanalyse veröffentlicht, in der die zahllosen kleinen Studien miteinander verglichen wurden und man versuchte, dadurch auf ein objektives Ergebnis zu kommen. Das Ergebnis dieser Metaanalyse war ein bahnbrechender Erfolg für die Homöopathie, weil sie ihre Wirkung bestätigte. Allerdings wurden die Autoren auch scharf kritisiert, weil sie sehr viele schlecht durchgeführte Studien in ihre Untersuchung aufgenommen hatten, die wenig aussagekräftig waren. Letztenendes stellten sich die Autoren dieser Kritik und veröffentlichten 1999 einen Folgeartikel, in dem sie die Ergebnisse ihrer ursprünglichen Studie zurückzogen.

Im Jahr 2005 wurde dann eine strengere Metaanalyse veröffentlicht, die nur die besten Studien zur Homöopathie untersuchte. Dabei wurden die Studien nach objektiven Kriterien (Oxford-Skala) auf Qualität untersucht, wobei das Ergebnis der Studie außen vor gelassen wurde. Das Ergebnis dieser Metaanalyse war unter dem Strich, dass die Homöopathie einzig und allein über den Placeboeffekt wirkt. Der Artikel zu dieser Untersuchung findet sich hier: http://www.wissenschaft-online.de/artikel/787700 (Da gibt es auch einen direkten Link auf die Untersuchung).

Fazit: Nach dem derzeitigen Stand der Wissenschaft ist die Homöopathie wirkungslos. Das überrascht nicht, schließlich gibt es auch nach mehr als 200 Jahren noch keine wissenschaftliche Erklärung für ihre Wirkweise. Leider ist die Homöopathie inzwischen zu einem Milliardengeschäft mit einer einflussreichen Lobby herangewachsen, die mit allen Mitteln versucht, die Öffentlichkeit zu täuschen und die Fakten zu verdrehen. Ich kann jedem nur empfehlen, sich aus unabhängigen Quellen zu informieren und nicht alles als Wundermittel anzusehen, was angeblich der Tante eines Freundes geholfen haben soll.


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Herzliche Grüße

Jule vom gesundheitsfrage.net-Support

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anonym
ergänzt von MERKER on 26. März 2010 12:01
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VORSICHT, VERALLGEMEINERUNGEN KOENNEN NUR TRENDS AUFZEIGEN, WIE GUT HOMOEPATHEN SIND HAENGT OFT AUCH VON IHREN ZUSATZAUSBILDUNGEN UND DEM UP TO DATE AB. ES GIBT NOCH SO VIEL ZU ERFORSCHEN, WIR SIND ERST AM ANFANG. DAS BETRIFFT SOWOHL DIE SCHULMEDIZIN WIE ALTERNATIVE UND KOMPLEMENTARE RICHTUNGEN SOWIE DIE ORTHROMOLEKULARE/ERNAEHRUNGSWISSENSCHAFT. DASSELBE GILT FUER AERZTE UND DER LANCET HAT SICH JA DOCH SCHON DEN EINEN ODER ANDEREN FLOP GELEISTET, WOBEI ICH DIE ERWAEHNTEN STUDIEN NICHT KENNE, NUR BIN ICH NICHT BLAUAEUGIG WENN LANCET ERWAEHNT WIRD UND HOMOEPATHIE IST NUN WIRKLICH KEIN GEBIET, WAS DEN LANCET INTERESSIERT...NUR IN SOWEIT ALS DIE SCHULMEDIZINER KONKURRENZ SEHEN....

Kommentar von Serienchiller am 27. März 2010 00:35

Meine Mutter hat immer gesagt: Wer schreit, hat Unrecht...

Es ist egal wie viel es noch zu erforschen gibt. Die klinische Studie ist ein einwandfreies Verfahren um die Wirksamkeit einer Therapie zu überprüfen, dafür muss man nicht wissen wie sie funktioniert oder was sie bewirkt. Man schaut einfach nur, ob es den Menschen mit dieser Therapie besser geht, als denen ohne Therapie bzw. mit einer Placebotherapie. Genau das hat man gemacht und in allen groß angelegten und gut durchgeführten Studien waren die Ergebnisse eindeutig: Die Homöopathie hilft niemandem außer den Portemonnaies der Homöopathen und der ganzen Industrie, die dahintersteckt.

Dabei ist ein klarer Beweis, dass die Homöopathie nicht wirkt, überhaupt nicht nötig. Die Beweispflicht liegt schließlich genau andersrum, die Homöopathen müssten eindeutig beweisen können, dass ihre Therapie wirkt. Eine Therapie, deren Wirksamkeit nicht bewiesen ist, hat keine Existenzberechtigung. Sonst könnte ich ja nächste Woche einfach erzählen, Taschentücher unter den Achseln würden Krebs heilen und so lange kein Wissenschaftler sich die Mühe macht, meine Behauptungen zu widerlegen, gilt meine Therapie als unbedenklich und sinnvoll. Das ist doch Quatsch.


anonym
ergänzt von heidiheida on 26. März 2010 21:17
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Tja, Naturwissenschaftler glauben eben nur an Dinge die sie anhand ihrer selbst geschaffenen Verfahren und Kriterien vermeintlich beweisen können. Bloß weil sie es im Fall der Homöopathie oft nicht können, muss sie natürlich automatisch wirkungslos sein...

Kommentar von Serienchiller am 27. März 2010 01:00

Das ist ein Einwand, den man immer wieder hört. Und er kommt immer von Menschen, die sich nie eingehender mit der Wissenschaft an sich oder der Wissenschaftstheorie als philosophische Disziplin beschäftigt haben.

Ich versuche mal zu erklären, wo dein Denkfehler liegt. Der Begriff der "Wirkung" bzw. "Wirkungslosigkeit" ist an sich schon ein rein (natur-)wissenschaftlicher Begriff. Deswegen können auch nur Menschen, die nach wissenschaftlichen Methoden arbeiten, feststellen ob eine Therapie wirksam oder unwirksam ist.

Wer auf andere Weise ein Urteil über eine solche Therapie fällen möchte, der kann Begriffe wie "schön" oder "nett" benutzen, aber der Begriff der Wirksamkeit bleibt den Naturwissenschaften vorbehalten.

Kommentar von GuenterN am 21. Juni 2010 17:47

auch Wissenschaftler und Naturwissenschaftler können irren. Menschen, die logisch denken können, sind auch in der Lage WIRKUNGEN ZU ERKENNEN und richtig zunbewerten. Ganz besonders, wenn es um die eigene Gesundheit geht und sie ihre Beobachtungen natürlich über längere Zeiträume anstellen

Kommentar von giordano am 1. April 2010 08:05

Immerhin sind die Verfahren der Naturwissenschafter von jedem nachvollziehbar und nachzulesen, überprüft, kritisiert, verworfen, wenn sie nichts taugen oder verbessert. Das alles ist in der Homöopathie nicht der Fall. Die Homoöpthen beharren auf Aussagen, die vor 200 Jahren gemacht wurden.



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