Frage von SandraTieraku, 156

Wieso gibt man hochpotenzen seltener als tiefpotenzen obwohl in tiefpotenzen viel mehr ausgangsstoff vorhanden ist . kann mir das jmd verständlich erklären?

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Antwort
von Bennykater, 135

Das gehört zu den Absonderlichkeiten der Homöopathie. Je öfter eine Substanz verdünnt wird, desto weniger ist von dem ursprünglichen Wirkstoff enthalten. Spätestens ab einer Verdünnung von C12 ist kein einziges Atom der Urtinktur mehr in der Verdünnungsflüssigkeit, die dann auf die Globuli aufgesprüht und getrocknet wird. Hierbei wurde ein Gramm Wirkstoff 12 Mal in jeweils 100 Gramm Verdünnungsmittel verdünnt und jeweils 10 Mal rhythmisch zum Erdmittelpunkt aufgeschlagen (das ist das "Potenzieren").

Du hast vollkommen recht, dass es unlogisch ist, dass eine Hochpotenz wirksamer sein soll als eine Niedrigpotenz. Bei einer Niedrigpotenz könnte tatsächlich vom Ausgangsstoff noch etwas vorhanden sein.

Die üblichen Potenzierungen D12 - C200 usw. sind wirklich vollkommen harmlos, da keine pharmakologische Wirkung mehr möglich ist - es ist einfach zu wenig Wirkstoff vorhanden. Du hast eigentlich nur noch das Verdünnungsmittel und die Verunreinigungen dadurch.

Wie kommt das? Dr. Hahnemann entwickelte seine Homöopathie vor über 200 Jahren. Er fand heraus, dass es hilfreicher war, möglichst wenig Substanz zu geben, damit der Patient überlebte. Grund dafür war, dass die Medizin damals (also zu Zeiten von Napoleon) nur rigorose Mittel kannte, wie zum Beispiel zur Ader zu lassen oder hochgiftige Mittel einzuflößen wie Quecksilber, Arsen u.v.a.  Kein Wunder war es da besser, diese Substanzen zu verdünnen, zu verdünnen, zu verdünnen. Je mehr verdünnt, desto eher war eine eventuelle Heilung möglich.

Es war aber eine Fehlannahme, dass es der Heilung auch förderlich wäre, wenn man jetzt sinnvolle Substanzen so weit verdünnen würde, bis diese gar nicht mehr vorhanden sind. Das konnte Hahnemann damals aber noch nicht wissen, es gab noch keine Mikroskope oder sonstige Meßmittel. Die Medizin steckte noch in den Kinderschuhen. Zum Glück wissen wir heute mehr.

Aber die prinzipielle Annahme, dass eine Wirkung um so höher sei, je weniger Wirkstoff vorhanden ist, ist glatt widerlegt, gründlichst. Leider wurde die Homöopathie aber nie modernisiert, es gilt immer noch der "Organon", den Meister Hahnemann höchstselbst schrieb. Mit dem Wissen von vor über 200 Jahren. Die Homöopathen glauben auch heute noch, dass Wasser ein Gedächtnis haben muss, dass die positiven Eigenschaften einer Substanz speichern könnte (die negativen erstaunlicherweise nicht...), und dass diese positiven Eigenschaften bei jedem Verdünnungsvorgang sogar noch verstärkt würden (was die Naturwissenschaft natürlich widerlegt). Die Heilung soll "geistartig" erfolgen. Und je höher die Potenz, desto mehr "geistartige Wirkung" sei zu erwarten.

Die Herstellung einer Hochpotenz ist ein irrwitziger Vorgang. Obwohl längst kein Wirkstoff mehr vorhanden ist, wird weiterhin Verdünnungsmittel mit Verdünnungsmittel verdünnt. Das ist ein Herstellungsprozess, der nicht nachvollziehbar ist. Ob er tatsächlich durchgeführt wird, könnte man theoretisch sowieso gar nicht nachprüfen - eine C12 unterscheidet sich stofflich überhaupt nicht von einer C200 oder gar C1000. Sogar C100.000 soll es geben... Das Verdünnungsmittel enthält mehr an sämtlichen Stoffen als die Ursubstanz, die da wirken soll. Besonders nett sind auch Tropfen, die man dann noch in Wasser einnimmt - da hat natürlich auch das Leitungswasser mehr von allem, was angeblich in den Tropfen wirken soll.

Es ist eine Glaubenssache. Plausible Gründe, was an einer Hochpotenz nachweisbar wirksamer sein soll als an einer Niedrigpotenz, kann die Homöopathie nicht bieten. Sie soll halt über "Informationen", über "Impulse", über "Schwingungen" funktionieren. Sie funktioniert anders, über Placebo-Effekte, und es ist spätestens ab C12 überhaupt kein Wirkstoff mehr vorhanden.

Kommentar von Bennykater ,

Hier kann man sich die homöopathischen Potenzen einmal ansehen und darüber nachdenken:

https://de.wikipedia.org/wiki/Potenzieren_(Hom%C3%B6opathie)

Kommentar von SandraTieraku ,

Danke jetzt bin ich schlauer :)

Kommentar von Bennykater ,

Da die Homöopathen davon überzeugt sind, dass gerade die Hochpotenzen (die also wirklich keine nachweisbaren Wirkstoffe mehr enthalten) extrem wirksame Medikamente darstellen, werden diese von vielen auch nur mit Vorsicht empfohlen - viele Ratgeber warnen ausdrücklich vor einer "Überdosierung" oder "zu häufigen Gabe". Man hat schlicht Angst vor Nebenwirkungen. Es gibt allerdings keine einheitliche Lehrmeinung dazu - hier existieren heutzutage verschiedene Meinungen, und genauso wird auch therapiert. Es kommen immer mehr Abwandlungen der Homöopathie auf den Markt, jedem Homöopathen ist es freigestellt, nach seinem persönlichen Gutdünken zu behandeln. (Siehe auch das Buch "Homöopathie neu gedacht" von Dr. Natalie Grams, einer Ärztin, die jahrelang erfolgreich mit Homöopathie behandelt hat. Sie erklärt sehr einleuchtend, was daran gewirkt hat.

Antwort
von uteausmuenchen, 100

Hallo SandraTieraku,

eigentlich ist das gar nicht so.

Auf Wiki kann man nachlesen:

""C-Potenzen werden heute noch am häufigsten verwendet. Dazu gehören die Potenzen der so genannten Kent-Reihe: C6, C12, C30, C200, C1'000.""

Alle diese Potenzen außer der C6 enthalten keinerlei Wirkstoff mehr, die C12 gerade so nicht mehr. Und die C6 bereits zu wenig, um noch pharmakologische Relevanz zu haben. Also scheinen die Potenzen, in denen "noch was drin ist" zumindest unter den klassischen Mitteln nicht die am häufigsten verwendeten zu sein.

Weil aber einfach weder in der C12, noch in der C30, noch in der C200 oder jeder höheren Potenz auch nur irgendein Wirkstoffatom drin ist, ist es eigentlich auch nicht richtig zu sagen, die höheren Potenzen (wie eine C10 000) enthielten "viel weniger" Wirkstoff als diese niedrigeren. Richtiger ist: Weder eine C30 noch eine C1000 enthalten den Wirkstoff. Die sind in dieser Beziehung bereits gleichwertig.

Und nein, die enthalten auch keine "Information" oder sonst irgendein imaginäres Wesen des Wirkstoffes. Das wissen wir heute.

Vielleicht meinst Du mit Deiner Frage die oft gelesene Empfehlung, der Laie solle nicht mit Hochpotenzen an sich herumdoktern? Entsprechend werden auch bei Kindern gerne D-Potenzen, auch unter der D6 eingesetzt.

Und ja: Das ist tatsächlich nicht unproblematisch, denn unter der D6 ist tatsächlich noch so viel von manchen Stoffen enthalten, dass allergene Wirkungen und andere (eben auf der pharmakologischen Wirkung beruhende Effekte) nicht auszuschließen sind.

Warum ist das so?

Nun, im Bilde der Homöopathie sind die Hochpotenzen die besonders tiefgreifend wirkenden Mittel. Solche, die auf Körper und Geist wirken und das angeblich auch noch nach Monaten.

Wäre das richtig, dann wäre es natürlich sehr sinnvoll, wenn der Laie nicht mit solchen Mitteln an sich selbst herumdoktert. Das ist eigentlich unmittelbar klar.

Auch wenn man einmal akzeptiert hat, dass hier mit Placeboeffekten gearbeitet wird, machen solche Unterscheidungen tatsächlich Sinn, denn auch Placeboeffekte sind dosierbar.

Wenn nun der Therapeut vor der Gabe einer C1 000 betont, was für ein außerordentlich starkes Mittel er gibt, wenn er außerdem noch ein paar Anweisungen gibt, was zu tun ist, falls die Wirkung "zu stark" sein sollte und auch sonst noch ein paar Verhaltensregeln, bevor er sein eines(!) Kügelchen höchstpersönlich rituell bedeutungsvoll dem Patienten höchstpersönlich unter die Zunge schiebt - ja! Dann löst das sehr viel stärkere Placeboeffekte aus als die C30, die allgegenwärtig ist. Ein Placeboverfahren braucht solche Mittel, um die ein Brimborium gemacht wird.

Also: Es macht Sinn, einige Mittel nicht im Laiengebrauch einzusetzen. Egal, ob man aus der homöopathischen oder aus der naturwissenschaftlich fundierten heraus argumentiert.

Ungefähr klar?

Grüße

Kommentar von SandraTieraku ,

Es ging mir in der Frage um die Intervalle der Eingabe. ..nicht darum was am häufigsten benutzt wrd

Kommentar von Xundsama ,

In Deiner Frage kann ich überhaupt nichts entdecken, wonach Du bezüglich der Intervalle der Eingabe gefragt hättest.

Zur Erinnerung - das ist Deine Frage:

Wieso gibt man hochpotenzen seltener als tiefpotenzen obwohl in tiefpotenzen viel mehr ausgangsstoff vorhanden ist . kann mir das jmd verständlich erklären?

Wo steht da bitte was von Intervallen?  Hellsehen ist eine Fähigkeit, die bei GF leider noch niemand erreicht hat.

Kommentar von uteausmuenchen ,

Hallo SandraTieraku,

Es ging mir in der Frage um die Intervalle der Eingabe. ..nicht darum was am häufigsten benutzt wrd

Entschuldige bitte, in diesem Falle habe ich das falsch verstanden.

Hier also die Antwort auf das, was Du eigentlich wissen wolltest:

Ich gebe die Antwort wieder aus beiden Blickwinkeln, dem der Homöopathie und die naturwissenschaftlich fundierte Antwort, ok?

Die Homöopathie geht davon aus, dass ihre Arzneien tatsächlich eine gezielte, vom Mittel abhängige Wirksamkeit besitzen.

Für die "Dosierung" ist nun wichtig, wie die Arznei im Bilde der Homöopathie wirken soll. Dabei gelten die tiefen Potenzen als "energetisch grob" und nicht so tiefgreifend auf die verstimmte Lebenskraft wirksam.

Die Hochpotenzen - und hier vor allem die hohen C-Potenzen - sollen eine "besonders feine Schwingung" enthalten und deshalb soll es ihnen möglich sein, nachhaltig auf Geistes- und Gemütssymptome zu wirken.

Es ist diese Nachhaltigkeit der behaupteten Wirkung, die dazu führt, dass Hochpotenzen oft als Einmaldosis gegeben werden, während man Tiefpotenzen eher regelmäßig einnehmen muss.

Und jetzt die Antwort aus Sicht der Naturwissenschaft:

Deine Frage nach dem Intervall der Einnahme basiert natürlich auf dem logsichen Prinzip der Dosierung des Wirkstoffes. Du hast selbstverständlich recht, dass ich mit einer oft eingenommenen D2 erst recht mehr Wirkstoff einnehme als mit einer Hochpotenz.

Nur auf diesem logischen Prinzip basiert die Homöopathie ja ohnehin nicht, denn sie behauptet ja Wirkung in Abwesenheit von Wirkstoffen. Die Menge des enthaltenen Wirkstoffes spielt also auch bei den empfohlenen Intervallen keine Rolle. Immerhin konsequent.

Was nun diese angeblich "feine Schwingung" sein soll, diese Erklärung sind Homöopathen gänzlich schuldig geblieben. Gerne wird hier auch der weniger esoterisch klingende Ausdruck der "Information" benutzt. Doch wie man es auch dreht und wendet: Die Annahme, es gäbe solches Stoffgedächtnis steht im Widerspruch zum Wissen der Physik und anderer Wissenschaften.

Die Vorstellung, Stoffe besäßen ein ihnen innewohnendes "Wesen", von dem noch etwas gegenwärtig ist, wenn sie verschwunden sind, diese Vorstellung war zu Hahnemanns Zeiten vor 200 Jahren noch verbreitet, ist heute aber nicht mehr mit unserem Wissen zu vereinbaren. Mit der Homöopathie blicken wir in die Vergangenheit unseres Wissens, nicht in Gegenwart oder gar die Zukunft.

Tatsächlich findet man bei verschiedenen Homöopathen deshalb auch ganz unterschiedliche Ratschläge zu den zu empfehlenden Intervallen. Während man - wie eben auch als Thema Deiner Frage - oft Hochpotenzen wie eine C1000 als Einmaldosis gibt, finden sich durchaus erfolgreiche und angesehene Homöopathen, die auch die C100 000 minütlich einsetzen.

Kurz: Die Homöopathie hat hierfür keine übereinstimmenden Empfehlungen, die von allen Homöopathen als gesichertes, gemeinsames Wissen benannt würden. (Auch das ein klarer Hinweis auf den Placebocharakter)

Oft - wie gesagt nicht allgemein übereinstimmend - werden aber bei aktuten Leiden häufige Gaben eher niederer Potenzen verordnet und bei chronischen Leiden eher Einmalgaben von Hochpotenzen in mehrwöchigen Abständen.

Und das ist wieder sehr gut über die Eigenschaften des Placeboeffektes verständlich:

Bei aktuen Leiden besteht ein hoher Leidensdruck über wenige Tage hinweg. Der Patient hat hier die stärksten Placeboeffekte, wenn er "immer was tun kann", wenn es ihm zu viel wird.

Chronische Leiden hingegen bessern sich nicht kurzfristig. Es mag aber sehr wohl über die Kontexteffekte innerhalb von Wochen oder Monaten zu positiven Veränderungen kommen: Zum Beispiel wenn ich unter einer Gräserallergie leide, so wird diese im Winter weniger Schwierigkeiten machen als im Sommer. Langwierige Schulterschmerzen mögen nach etlichen Wochen mit gezieltem Sport eben doch besser werden.
etc.

Der Homöopath tut hier also gut daran, dem Patienten zu sagen, man müsse nach der Gabe des Mittels erst mal viele Wochen abwarten. Seine Chancen, dass es dem Patienten bis dahin einfach "von selbst" oder aufgrund anderer Behandlungen oder aufgrund der Änderung der Lebensführung besser geht, ist einfach viel größer, als wenn er "Wirkung" über kurze Zeiträume verspricht. Und wenn die ersten 8 Wochen nicht reichten, dann gibt es eine Nachanamnese und einen neuen laaangen Zeitraum. ;-)

Und natürlich hilft auch hier das in meiner Antwort erwähnte Brimborium, um den Patienten die lange Zeit auch wirklich geduldig warten zu lassen.

Ungefähr klar?

Grüße

Antwort
von Zweimal, 90

Wenn sogenannte Hochpotenzen seltener als sogenannte Tiefpotenzen (=Niedrigpotenzen)  gegeben werden, dann deshalb, weil, wie du ganz richtig erkannt hast, in den Niedrigpotenzen noch ein Wirkstoff enthalten ist und somit eine Wirkung erwartet werden kann.

Antwort
von Winherby, 86

Die Philosphie der Homöopathie ist, eine Erkrankung mit möglichst sanften Reizen zu heilen, bzw. die Selbstheilungskräfte des Körpers zu aktivieren und zu verstärken.

Daher ist je nach Konstitution und Typ des Erkrankten, und je nach "Giftigkeit" des Mittels, eine sehr hohe Potenzierung sinnvoller, als eine Niedrigpotenz.

LG

Kommentar von SandraTieraku ,

Aber in meinen Unterlagen steht dass Tiefpotenzen mehr Wirkstoff enthalten und Hochpotenzen stärker verdünnt sind. Wieso gebe ich also in kleineren Intervallen Tiefpotenzen und in viel größeren Abständen Hochpotenzen die doch eigentlich sanfter sibd?

Kommentar von Winherby ,

Ich kann meine Aussage nur wiederholen. Je nach Erkrankung und je nach Typus des Erkrankten und je nach giftigkeit des geeigneten Mittels verspricht entweder eine Hochpotenz oder eine Niederpotenz mehr Erfolg. Das muss der Homöopath von Fall zu Fall entscheiden.

Ob Hochpotenzen oder Niedrigpotenzen häfiger verwendet werden, das weis ich nicht. Woher, aus welchen Unterlagen, weißt Du, dass Hochpotenzen seltener gegeben werden?

Antwort
von brido, 16

Hochpotenzen sind geeignet, wenn der Patient über psychische Beschwerden klagt oder wenn man ganz sicher ist dass das Mittel passt, also das Kontitutionsmittel zu dem passt, worüber geklagt wird. Ist Geschmackssache. Sie wirken länger und tiefgreifender. Bei  akuten  sind tiefe besser geeignet. Wichtig ist nicht wie viel Ausgangsstoff drinnen ist, sondern wie oft es potenziert (geschüttelt) wurde. 

Antwort
von brido, 80

Eine Arznei wirkt umso stärker, je öfter sie geschüttelt wurde. Nicht die Konzentration ist entscheidend, sondern das Schütteln. Eine C1000 ist viel öfter geschüttelt worden als eine C6. 

Antwort
von brido, 78

Wären es normale Medikamente, würde man die Dosis erhöhen um mehr wirkung zu haben. Da aber bei Homöopathie das Potenzieren (schütteln) die Wirkung der  D2 oder D3 ect.   verstärkt, kann man es nicht vergleichen. Die Menge an Ausgangsstoff ist schon ab D30 bei Null. 

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